| Schweizer Spielmesse Internationale Spiel- und Spielwarenmesse St. Gallen 9. - 13. September 1998 |
Mobile Welt nachgebaut "en miniature"
Schweizer Spielmesse weckt Lust auf selbstgemachte Welten Modellbau für jeden GeldbeutelDass Modellbauen und Basteln nicht nur für ausgereifte Profis mit entsprechender Ausrüstung und dickem Geldbeutel da sind, zeigt die 5. Schweizer Spielmesse vom 9. bis 13. September in St.Gallen. Auch mit bescheidenem Budget und wenig Aufwand ist der Einstieg in ein faszinierendes Hobby gemacht.
Wenn die Amateurclubs ihre Modelleisenbahnanlagen für die Zuschauer durch Gleis- und Signallandschaften schicken, scheinbar von Geisterhand gelenkt, bleiben nicht nur Kindermünder offen stehen. Wenn auf der Anhöhe ein ferngesteuertes Seglermodell Wind und Thermik für den Aufstieg nutzt, bleiben Wanderer für Minuten stehen. Segelschiffe, Galeeren, Wikingerschiffe oder Flugzeugträger werden zum Objekt der Begierde, wenn sie massstabsgetreu in der Vitrine stehen oder am Seeufer zu Wasser gelassen werden. Die Welt des Modellbaus ist fast grenzenlos und wird dank findigen Tüftlern immer aufs Neue bereichert.
Ein paar Brettchen
Dass dabei der Gedanke naheliegt, Modellbau bedeute in erster Linie teure Investitionen in Material, Werkzeug oder gar Maschinen, ist verständlich. Ein Besuch der Schweizer Spielmesse allerdings zeigt, dass dies ein Vorurteil ist, das zu revidieren ist. Beispielsweise bei Gino Pacchioni, der in St.Gallens Messehallen nicht zum erstenmal gute Werbung für sein Hobby macht. Seit seinem vierzehnten Lebensjahr ist der gelernte Elektromonteur Schiffsmodellbauer. "Mein Vater hatte ein grosses Rennboot", sagt der "Seebub" aus Romanshorn. "Er schenkte mir damals eine Modellbaupackung". Doch die Schnelligkeit war es nicht, die Pacchioni vor allem faszinierte. Eher begeisterte er sich für detailreiche Kutter oder Schlepper. Seine eigenen Kinder wiederum, elf und dreizehn Jahre alt, schauen ihm oft und gerne zu und lieben es vor allem, die Seetüchtigkeit der väterlichen Erzeugnisse im schwäbischen Meer auf die Probe zu stellen.
Zehn seiner Modelle wird er an der Schweizer Spielmesse zeigen. Sie zeigen, dass Kreativität und findige Materialsuche das Portemonnaie schonen. "Schon ein paar Brettchen, eine Laubsäge, eine Feile und etwas Schleifpapier genügen für ein erstes Schiffsdeck", weiss er. Weder Fräse noch Bohrmaschine sind nötig, so dass sich auch an den Modellbau wagen kann, wer in einem Mehrfamilienhaus zur Miete wohnt. An seinem Stand wird er an einem unfertigen Modell arbeiten, zu dem er die Pläne einem Schlepper von 1910 nachempfunden selber gezeichnet hat. Dabei darf man ihm gerne über die Schulter schauen.
Wer lieber nicht bei Null anfängt, für den empfiehlt er ein erstes "Jugendmodell" eine Schiffsschale, auf welche vier verschiedene Aufbauten möglich sind. "Schiffsmodellbau muss nicht teuer sein", bekräftigt der angefressene Tüftler. Dass man beim Fahren auch an die frische Luft kommt, gefällt ihm ebenso wie das Bauen selber, bei dem er nicht selten die Zeit vergisst.
Selber machen
Auch für Ruedi Hanselmann ist Modellbau kein "Schauenkaufenaufstellenfertig". Sein Hobby, die Modelleisenbahn, ist für ihn eines der vielseitigsten überhaupt: "Hier ist der Bastler als Elektroniker, Schreiner, Landschaftsarchitekt, Baumeister, Gipser und Maler gefragt". Vom simplen Kreis bis zur computergesteuerten Grossanlage ist alles möglich. Einfach anzufangen, rät Hanselmann dem Einsteiger. Schwierigkeit und Erfahrung wüchsen dann stetig und von selbst.
Seit er als Fünfjähriger eine Anfangspackung auf dem Geburtstags-Gabentisch fand, hat seine Begeisterung nie nachgelassen. Bahnen und was dazu gehört möchte er den kleinen und grossen Besuchern seines Standes näherbringen. Gerne erklärt er, wie man Bäume, Häuser, naturgetreue Felsen oder den Unterbau für die Geleise selber baut. "Baue ich für die teure Lok den Lokschuppen selber, sieht die Rechnung erträglicher aus und das Resultat macht erst noch Freude". Fragen von Messebesuchern sind für Hanselmann und sein Team erwünscht. Gerne geben sie etwas von ihrem Wissen und ihrer Begeisterung weiter. Und schon manchem Modellbauneuling haben sie mit einem guten Rat auf die Sprünge geholfen.
Der mit der Lok pfeift
Dass Eisenbahnen noch echter wirken, dafür sorgt Rolf Erne, dessen junge Firma "mobatron" den Dampfloks das Pfeifen oder synchron zur Fahrgeschwindigkeit das typische Zischen beibringt. Horn- und Pfeifsignale für Diesel und elektrische Loks sind elektronische Rafinessen, die an der Spielmesse teils als Premiere, teils als Weiterentwicklungen zu sehen und zu hören sind. Dass dabei auch kleinste Loks der Spurgrössen H0 oder N dank Mikroelektronik-Bausteinen zum Pfeifen und Zischen gebracht werden, lässt staunen, müssen die Teile doch in der ohnehin schon beengten Hülle Platz finden.
Angefangen hat alles damit, dass der gelernte Elektroniker von einem Freund um Rat gefragt wurde. Enstanden ist ein kleines Unternehmen, dass neben der eigentlichen Haupttätigkeit, der Werbeberatung für Industriebetriebe, immer wichtiger geworden ist. Rolf Erne denkt denn auch darüber nach, ob er die Produktion, heute noch in kleinen Serien im eigenen Haus, auslagern soll. Selber könnte er sich dann wieder mehr seiner Leidenschaft, dem Tüfteln und Erfinden widmen. "Neue Bauteile sind in der Lage, jedes beliebige Geräusch eine Lautsprecherdurchsage oder eine Autohupe beispielsweise zu speichern und wiederzugeben. Sie haben den Vorteil, dass sie jederzeit neu bespielt werden können". Gerne erklärt Erne Interessierten an seinem Stand an der Schweizer Spielmesse, was es mit dem "Dampfloksound" auf sich hat.
Sonnenbetrieben
Bereits in der dritten Primarklasse begann die Begeisterung von Markus Aepli für den Modellbau. Sein Wunsch, ein Baukasten für ein zwanzigfränkiges Anfänger-Segelflugmodell, war mit drei Wochen Obst auflesen auf einem Bauernhof hart verdient. Auch die über tausendfränkige erste Vierkanal-Fernsteuerung im Alter von siebzehn Jahren verdiente sich der damalige Seminarist und spätere Lehrer, Schreiner und Werklehrer mit Fabrikarbeit selber. Trotz bescheidenen Verhältnissen fand er immer wieder Wege, Material und Pläne zu beschaffen. Die fast logische Alternative zu teuren Baukästen war der Entwurf eigener Modelle. "Wegen zu vieler Abstürze verlegte ich meine Aktivitäten ins Wasser" lacht Aepli, der zur Zeit an der vierten Generation von Solarbooten mit "ganz passablen Leistungen" arbeitet. In Lehrerbildungs- und anderen Kursen möchte Markus Aepli "nicht die Technik neu erfinden, aber der eigenen Phantasie genügend Freiraum zur Entfaltung lassen". Im Bereich des Werkens mit Solarzellen setzt der Preis der Komponenten immer wieder Grenzen, während andererseits billige Experimentiersets mit schlechter Qualität enttäuschen. "Motor und Solarzellen sind wichtig", weiss Aepli. "Papier, Draht, Balsaholz und anderes lassen sich hingegen billig auftreiben".
Unter dem Titel "Sonne bewegt solar challenge" führt Aepli an der Schweizer Spielmesse einen Workshop für Schulklassen durch. Pro Klasse werden zwei Fahrzeuge gebaut, wofür ein Zeitaufwand von zwei bis drei Stunden genügt. Einer kurzen Einführung in die Solartechnik und dem Bau der einzelnen Fahrzeugteile folgen das Experimentieren mit der passenden Übersetzung, die Montage der Zellen und daheim schliesslich spannende Rennen gegeneinander. Neben den Ergebnissen des Workshops ist die Fotoausstellung "Schüler bauen eine Solaranlage" eine weitere Attraktion am Stand zusammen mit einem Solarflipperkasten "für heisse Spiele und schnelle Reaktion".
Weitere Informationen
- Ruedi Hanselmann, HR-Modellbau, Resedastrasse 6, 9400
Rorschacherberg, Tel 0041 (0) 71 855 37 27
- Markus Aepli, Holzspielsachen/Solartechnik, Steig 40, 9630 Wattwil, Tel 0041 (0) 71 988
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- Gino Pacchioni, Hafenstr. 5, 8590 Romanshorn, Tel 0041 (0) 71 463 57 86
- Rolf Erne, Mobatron, Brügistrasse 6, 5611 Anglikon-Wohlen, Tel 0041 (0) 56 621 95
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