| Schweizer Spielmesse Internationale Spiel- und Spielwarenmesse St. Gallen 9. - 13. September 1998 |
Schweizer Spieleneuheiten und ihre Erfinder an der 5. Schweizer Spielmesse in St.Gallen
Was an neuen Spielen zu erfinden ist, ist erfunden könnte man meinen. Wären da nicht die Tüftler, Erfinder, Spieleautoren und Verlage, die immer aufs Neue das Gegenteil beweisen. Das nächste Mal tun sie dies vom 9. bis zum 13. September an der 5. Schweizer Spielmesse in St.Gallen.
Unterhaltung frei Haus bieten Fernsehen, Radio und Computer mit Internetanbindung. Fortschritte, auf die zu verzichten wir wohl nur schwer bereit wären. Doch dass immer wieder einfache Spielideen dafür sorgen, dass die Bildschirme kalt bleiben, dass ein, zwei oder mehrere Menschen jeden Alters sich zum Spiel zusammensetzen, lässt staunen. Und wer denkt, dass nichts Neues mehr nachkommt, dass alles nur ein Abklatsch von Halma, Mühle, Eile mit Weile oder anderen Klassikern sei, liegt falsch. Er rechnet nicht mit all den Autorinnen und Autoren, die gemeinsam mit eigenen oder fremden Verlagen immer wieder für genügend spannende Neuheiten sorgen. Wie unterschiedlich dabei die Ansätze der Tüftler, Erfinder und Verleger sind, zeigt unsere Umfrage bei Ausstellern der bevorstehenden Schweizer Spielmesse in St.Gallen.
Lebensnah
"Ein Spiel ist für mich nur interessant, wenn es die Hirnzellen reizt", sagt Markus Staub. Der gelernte Bäcker-Konditor, Koch, Kaufmann und Psychologe schreibt Gedichte und Geschichten, die seine Reisen durch die ganze Welt verarbeiten. Und er ist Spielerfinder. Seine Neuheit "Gorki", an der Schweizer Spielmesse erstmals zu sehen, nennt er selbstbewusst mit Schach und Monopoly in einem Atemzug. "Je lebensnaher ein Spiel ist, desto besser", weiss er. Und wie im wirklichen Leben darf keine Langeweile aufkommen und geht es darum, seine Chancen wahrzunehmen, aber auch zu lachen und zu träumen.
"Mein Brettspiel 'Gorki habe ich an einem Abend kreiert. Einfach so. Bumm, da war es", sagt Staub. Und weil ein besonderes Spiel eine besondere Verpackung braucht, hüllte er seines in handgeschöpftes Papier. Selbstverständlich dürfen die Besucher der Spielmesse das neue Spiel 'Gorki' ausprobieren. Markus Staub indessen konzentriert sich schon auf seine nächsten Spiel-Schöpfungen.
Beruhigend, kreativ
"In unserer Zeit voller Hektik den Menschen beruhigende, interessante und kreative Spielmöglichkeiten näherzubringen", nennt Manfred Hügli als Ziel der "Happy Clown". Seine Firma gründete der gelernte Dekorateur und Kaufmann vor acht Jahren aus dem Wunsch heraus, "meine künstlerische Ader mit meinem Verkaufstalent zu kombinieren". Mit den kunsthandwerklich gefertigten Holz- und Stoffspielwaren der Firma Sevi aus Italien oder der Vertretung des etablierten Holzbauspiels "Kapla" stellte sich der Erfolg ein.
Eine Herausforderung stellte unter anderem die Übernahme eines scheiternden Projektes dar, das Hügli weiterentwickelte und perfektionierte. Entstanden ist der mit einem patentierten Verbindungssystem ausgestattete Holzbaukasten Rotfix. Auf die Eigenentwicklung, die als hundertprozentiges Schweizer Produkt in einem Behindertenheim gefertigt wird, ist Hügli stolz. Die neueste Entdeckung ist "Deltasand", ein interessantes Skulpturenmaterial aus Sand und Wachs.
"Alle unsere Produkte geben Jung und Alt mit einfachen Mitteln einzigartige Möglichkeiten zum individuellen oder gemeinsamen kreativen Spiel", sagt Hügli zu seinen Spielen, von denen er glaubt, "dass sie auch in zwanzig Jahren noch aktuell sein werden".
Gewürfelte Erfolgsstory
In wärmeren Gefilden das Landleben zu geniessen, ist der Traum vieler. Matthias Etter hat ihn mit dem Kauf eines Hofs in der Toskana umgesetzt. Hier baut er mit seiner Familie Wein, Oliven und Gemüse an eine strenge Arbeit trotz der scheinbaren Idylle. Seine zweite Leidenschaft allerdings findet der gelernte Mechaniker, Sozialpädagoge und Werklehrer im Erfinden und Weiterentwickeln von Spielen. Während seiner Ausbildung entstand die Urform von "Cuboro", bei welchem Holzwürfel mit Rinnen und Tunnels zum einem System zu verbinden sind, durch die eine Kugel rollen kann. Einem Prototyp mit 42 Teilen folgte die Zusammenarbeit mit einer Schreinerei und eine vorsichtig beginnende Serienproduktion. Lachend erinnert sich Matthias Etter an seine erste Absage einer Messe, bei welcher er persönlich auf dem Ausstellungssekretariat vorsprach, das Spiel unter dem Arm: "Nachdem die Anwesenden es spielend begutachtet hatten, erhielt ich einen Platz zwischen den Türen zum Männer- und Frauenklosett in einem Seitengang". Trotzdem stellten sich hier erste Bestellungen mutiger Spielwarenhändler ein.
Heute werden pro Jahr 10000 "Cuboro"-Spielkästen verkauft. Die Produktepalette ist auf sieben verschiedene Sets, Murmeln, das Puzzle-Legespiel "Alhambra" und anderes mehr angewachsen. All dies kann an der Spielmesse auf einem "Spielplatz" ausprobiert werden. Wer genug geübt hat, darf sich an der 3. Schweizer Cuboro-Meisterschaft auf einem der drei Spieltische messen oder sich an einem "Alhambra"-Wandbild aus tausenden von Bauteilen beteiligen.
Sport und Mee(h)r
Bereits als Bub verbrachte Patrick Inauen Stunden beim Spiel mit seinem Bruder Adrian beispielsweise auf dem Teppich mit Karomuster, auf dem die beiden selbst ausgeschnittene Velos würfelnd auf die Rennstrecke schickten oder mit Fussballsammelbildern, die sich mit Murmeln den Ball zuspielten. Patrick Inauen erinnert sich, wie er ein Velospiel erstand, bei dem der gewonnene Vorsprung mit einem einzigen Würfelwurf verloren gehen konnte. "Auch wenn ich eine gewisse Portion Unvorhergesehenes gern habe, habe ich absolute Glücksspiele nie gemocht", sagt er. Er erfand das "Maillot jaune", sein eigenes
Velospiel, und reiste mit einer selbstgefertigten Kleinserie an die Schweizer Spielmesse nach St.Gallen. "Wenn auch Händler und Medien wenig bis keine Kenntnis von meiner Präsenz nahmen", erinnert er sich, "so waren die dreizehn Spiele zum Messeschluss verkauft fürs erste genügend Bestätigung, um weiterzumachen. Am Prinzip, nur Spiele zu machen, in deren Welt er sich auskennt, hielt Patrick Inauen als Sportler fest. Allerdings musste er beim nächsten Spiel "Formel card" auch Lehrgeld bezahlen. Was ein "Grüner Punkt", ein "CE"-Zeichen, ein Strichcode oder die Verpackung für den Erfolg im Handel bedeuten, wusste er bis dahin nicht.
Mittlerweile sind die Brüder weiter und achten bereits bei der Idee auf deren Realisierbarkeit. "Es macht wenig Sinn, ein Kartenspiel mit achtzig Karten zu lancieren, wenn die vorgestanzten Druckbogen in der Fabrik auf 66 Karten ausgelegt sind", illustriert er das Gesagte.
Noch entspricht ihr Bekanntheitsgrad nicht der Qualität. Erst die professionelle Produktion des Spiels "Sealife" einem Spiel von Adrian Inauen über die Meeresnahrungskette, über Fressen und Gefressenwerden brachte für die Brüder die verdiente Aufmerksamkeit. Zwei Drittel der ersten Auflage von 3'000 Stück sind verkauft, die Kritiken gut. Zu hoffen ist, dass sich der neue Ruf auch auf die liebevoll produzierten Kleinstauflagen von hervorragenden Sportspielen ("Le Tour", "Anpfiff", "Powerplay", "Grandslam") auswirken wird. Für Sealife fand man im deutschen Vertrieb "Ekos" einen professionellen Vertriebskanal und Partner.
Hochwertig, liebevoll
"An guten und neuen Ideen für Spiele fehlt es nicht", ist sich der Spieleverleger Jürg Bühler von der Felsberger S & A Spiel & Art AG, der aus seiner Spielleidenschaft einen Beruf gemacht hat, sicher. Damit allerdings ein Spiel in ein Verlagsprogramm aufgenommen werde, müsse es bestimmte Kriterien punkto Material, Spielwert, Programmphilosopie und Marktchancen erfüllen. "In unserem Fall ist Holz als Material erste Wahl", sagt Bühler. "An Fertigung und Material werden hohe Ansprüche gestellt." Angefangen hat es mit "Krokonol", einem alten Indianerspiel, zu dem Bühler die Lizenz erwarb. Mittlerweile umfasst das Sortiment acht Holzspiele, die in Einzelanfertigung von einem befreundeten Schreiner und einer Behindertenwerkstatt hergestellt werden. Zwei Neuheiten werden an der Spielmesse präsentiert: "Felsberger Toccato", ein Denkspiel für zwei Personen und das "Felsberger Labyrinth"
Autorenspiele, die zum Ausprobieren einladen.
Wenn der Rundgang durch die Messe nicht ausreicht, alle Informationen mit nach Hause zu nehmen, die man gesucht hat: Als Spieleverleger und Organisator der Schweizer Spielmesse ist Jürg Bühler auch mit einer attraktiven Homepage für alle am Spiel interessierten im "Netz der Netze" zu finden: toy-net.ch.
Weitere Informationen
- Markus Staub, Gehrenstrasse 4, Postfach 1180, CH-8580 Hefenhofen
Tel / Fax 0041 (0) 71 411 92 11
- Manfred Hügli, "Happy Clown GmbH", Kirchbergstrasse
105, CH-3400 Burgdorf
Tel 0041 (0) 34 423 23 28, Fax 0041 (0) 34 423 23 29
- Matthias Etter, Muesmattstrasse 37, CH-3012 Bern
Tel 0041 (0) 31 302 66 50, Fax 0041 (0) 61 - 901 52 35 - www.cuboro.ch
- Inauen Spiele, Sala 25, CH-7204 Untervaz
Tel 0041 (0) 81 257 14 64
- Felsberger S & A Spiel & Art AG, Leimatstrasse 32, CH-9000
St.Gallen
Tel 0041 (0) 71 - 250 00 44, Fax 0041 (0) 71 250 00 45 - toy-net.ch
Olma Messen St.Gallen, Postfach, CH-9008 St.Gallen
Tel 0041 (0)71 242 01 77, Fax 0041 (0)71 242 01 03
Internet: www.olma-messen.ch, E-mail: olma-messen@bluewin.ch
St.Gallen, 1. Juli 1998
© 1998 - Felsberger S & A Spiel & Art AG, Leimatstrasse 32, CH-9000 St. Gallen. Update: 05.11.2006 - toy-net.ch