Schweizer Spielmesse
Internationale Spiel- und Spielwarenmesse St. Gallen

8. - 12. September 1999

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Spiel des Jahres -
Spieleverlage setzen auf Qualität

Beobachtungen der Jury "Spiel des Jahres" zum Spielejahrgang 1998/99

Spiele haben es heute ausserordentlich schwer. Wie noch nie in den vergangenen zwanzig Jahren sehen sie sich einer starken und gleichzeitig ausserordentlich heterogenen Konkurrenz ausgesetzt. Elektronische Spiele, Internet, Bücher, audiovisuelle Medien, Sport, Reisen, soziale Kontakte, usw. streiten sich darum, im eh schon knappen Zeitbudget der Menschen einen Platz zu erhalten. In diesem harten Konkurrenzkampf wird dem Spiel nichts geschenkt. Im Gegenteil. Die Konkurrenz nutzt ihr Potential zu mehr als hundert Prozent und fährt ihre Möglichkeiten voll aus. Tempo 180 ist angesagt, wo früher Tempo 100 noch genügte

Elektronische Verführung

Man schaue sich einmal ein elektronisches Spiel an, zum Beispiel "Myst" oder "Riven". Welch eine Ästhetik, welch ein Fest fürs Auge liefern diese Spiele, welche intellektuelle Herausforderung, die jeden in ihren Bann zieht und zu stundenlangen Spielen verführt, und wieviele kleine Belohnungen, die einen die Umwelt vergessen lassen! Welches Brett- oder Gesellschaftsspiel kann da etwas dagegen setzen?

Eines ist klar: Das Spiel befindet sich in der Defensive.

Resignation ist keine Antwort ‑ eine Branche würde sich damit selbst aufgeben, was ja kaum in Frage kommen dürfte. Bleibt nur eine Antwort: Will das Spiel die Herausforderung der Zukunft bestehen, müssen alle, die sich auf diesem Gebiet engagieren, voll auf Qualität setzen. Alle, das heisst, Autoren, Verleger, Redaktionen, Marketing und Vertrieb, nicht zuletzt auch die Spielekritiker.

Potential voll ausnützen

Qualität heisst, das Potential, das im Spiel steckt, wie die Konkurrenz ebenfalls zu 150 Prozent ausnützen. Qualität heisst, die Stärken des Spiels noch mehr betonen. Solche Spiele laden die Menschen ein, in eine andere, fremde Welt mit eigenen Regeln und eigener Zeit einzusteigen. Phantastisch muss diese Welt sein, damit sie Menschen zum Spielen verführt. Herausfordernd muss das Spiel sein, damit Menschen erleben können, welche Möglichkeiten in ihnen stecken, intellektuell, sozial und emotional. Sinnlich müssen Spiele sein, ein Fest fürs Auge, reizvoll für die Hände. Solche Sinnlichkeit kann dem Brettspiel kein virtuelles Bild­schirmspiel stehlen. Und es gibt nur wenige andere Kultur- und Freizeitmedien, die mit dem Spiel mithalten können, wenn es um die intensive Auseinandersetzung mit Wesen und Charakter anderer Menschen geht. Ein Kartenspiel beispielsweise, bei dem man seine ganze Persönlichkeit preisgibt, kann nie und nimmer von einem immer gleich ausschauenden Bildschirm ersetzt werden.

Spiele müssen einmalig sein

Qualität heisst, Spiele so ausdenken, dass sie nicht von anderen Freizeitmedien ersetzt werden können. Qualität heisst, sie entsprechend redigieren (was heute leider immer noch zu wünschen übrig lässt), Qualität heisst, sie entsprechend gestalten und mit dem Material ausstatten, das sie "einmalig" macht.

Der Spielejahrgang 1998/99 setzt auf solche Qualität. Die Verlage scheinen die Zeichen der Zeit erkannt zu haben, dass Qualität der Königspfad ist, auf dem das Brett- und Gesellschaftsspiel sicher in die Zukunft schreiten kann. Für dieses Engagement gebührt den Verantwortlichen in den Verlagen im Namen von Hunderttausenden von Spielerinnen und Spielern unser Dank. Wir hoffen natürlich, dass dies ein mutiger Anfang zu einer kraftvollen Entwicklung war und nicht bloss ein Strohfeuer.

Ausstellung "AUSGEZEICHNETE Spiele"

Die Jury "Spiel des Jahres" ist an der diesjährigen Spielmesse in St. Gallen mit ihrer Geschäftsstelle und das Deutsche Spielearchiv vertreten. Besonders sehenswert ist die Ausstellung, welche die in den ersten zwanzig Jury-Jahren ausgezeichneten Spiele präsentiert. Am traditionellen Stand können sich Spielerinnen und Spieler den diesjährigen Preisträger sowie viele andere hervorragende Titel spielend kennenlernen.

Spiel des Jahres e.V. - Geschäftsstelle Ketzerbach 21 1/2 D-35037 Marburg/Lahn
Telefon +49 64 21 / 6 27 28 Fax +49 64 21 / 6 27 20

Dr. Synes Ernst, 1. Vorsitzender der Jury "Spiel des Jahres", Wegmühlegässli 44 A, CH-3072 Ostermundigen
Tel.: + 41 31 931 55 92 (P), + 41 1448 88 26 (G), sernst@gmx.de


 Felsberger S & A Spiel & Art AG, Leimatstrasse 32, CH-9000 St. Gallen. Update: 05.11.2006 - www.toy-net.com