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Spielmesse Internationale Spiel- und Spielwarenmesse St. Gallen 6. - 10. September 2000 |
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Aus "Neue Luzerner Zeitung vom
Samstag, 9. September 2000"
Eine
helle Stimme tönt aus dem Lerncomputer: «Versuchs nochmals.» «Ou, nei»,
sagt Dominik, seine Stimme klingt zittrig, «das Alphabet kann ich doch schon.»
Er starrt auf den blinkenden Punkt vor sich auf dem kleinen Bildschirm. Rechts
davon steht fett geschrieben der Buchstabe A links davon das C. «Welcher
Buchstabe kommt nur dazwischen?», fragt der Fünfjährige sich laut. Seine
Augenbrauen hochgezogen, legt er den Zeigefinger auf die gelbe Tastatur mit den
weissen Lettern.
BENITA VOGEL Die internationale
Spielmesse in St. Gallen ist noch heute von 10 bis 19 Uhr und morgen von 10 bis
18 Uhr geöffnet.
Auf beiden Seiten neben ihm, im Kreis aufgebaut, stehen weitere Lerncomputer auf
weissen Holztischchen: Laptops im Miniformat oder Rechner in Frosch- oder Männchenform,
dessen Hände mit bunten Funktionsknöpfen bestückt sind. Überall Kinderhände,
die nach Computermäusen und Tastatur greifen: «Ich will auch» «Darf ich
jetzt?» Weiter drüben stehen ebenfalls in Kreisen PCs, an denen ältere Kinder
Wissensspiele und Jagd auf Moorhühner machen.
Anschluss verpasst
Am Stand der Modelleisenbahnen steht niemand. Zwei rustikale Dampflokomotiven
mit golden verzierten Personenwagen im Schlepptau rattern nebeneinander her
vorbei an Wärterhäuschen und Bäumen. Der dritte, modernere Zug steht neben
dem Bahnhofhäuschen. Eine eingebaute Kamera würde seine Fahrt live auf den
Fernseher übertragen, der danebensteht der Bildschirm ist schwarz.
«Die Modelleisenbähnler haben den Anschluss komplett verpasst», sagt Ernst
Zingg, Modelleisenbähnler aus Rorschacherberg. Die feinen, hoch technischen
Eisenbähnchen seien für Kinder viel zu kompliziert. Es fände zwar ein
Umdenken statt. «Die Produzenten stellen wieder einfachere Sets für Kinder
her.» Doch nicht komplett von den Trendspielsachen verdrängt zu werden, sei
doppelt schwer. Mit den Computer- und Videospielen könnten sie nicht mithalten:
«Für zwei Loks, zehn Wägen und wenig Schienenmaterial zahlt man ganze 1500
Franken für so viel Geld kauft man sich locker eine komplette Computerausrüstung.»
Kreativ mit Holzklötzchen
Dominik drückt mit dem Zeigefinger auf die Taste B. «Richtig», tönt es aus
dem Lautsprecher des Computers. Seine Mundwinkel ziehen sich in die Höhe.
Bereits erscheint die nächste Buchstabenkombination auf dem Minibildschirm.
Ohne zu zögern tippt der kurze Finger auf M. «Wie Mami», sagt er zu sich. «Richtig»
tönt es wiederum aus dem Computer und: «Du hast 50 Punkte.» «Jetzt ist
genug», sagt Dominik und drückt den rosa Aus/Ein-Knopf. die schwarzen
Buchstaben fahren hinunter und verschwinden.
Von nebenan durchbricht ein dumpfes Geräusch die Stimmen und Töne der
Computer. Zwischen Hunderten von hellen Holzklötzchen in verschiedenen Formen,
Längen und Grössen sitzen Kinder, Väter und Mütter. Sie bauen Türme und
zerstören sie wieder. Eine Mutter sagt: «Damit haben wir früher schon
gespielt.» Hier könne man noch kreativ sein. Die Kinder könnten miteinander
spielen. «Mami, Mami lueg», ruft ihr ein Bub zu seine Augen blitzen. Er
zeigt auf einen Holzturm, der wackelt.
«Klar lasse ich meinen Fünfjährigen auch mit dem Computer spielen.» Sie habe
ein Lernprogramm zu Hause. «Mit dem Gameboy, den er sich wünscht, warten wir
aber noch.» Zu viele Computerspiele hätten keinen guten Einfluss auf Kinder.
«Sie vereinsamen dadurch.»
Schnelle Videogames
Es quietscht, pfeift und zischt. Schuh an Schuh stehen Kinder und Jugendliche
auf grauem Teppich. Monitor reiht sich an Monitor. Quer über den Bildschirmen
steht in Leuchtschrift: Nintendo. Über ein paar der Bildflächen huschen gelbe,
rosa und grüne Figürchen. «Pokémon, Pokémon», ruft Dominik. Er will das
Computerspiel unbedingt spielen seine Arme reichen aber noch nicht bis zur
Tastatur.
Von weiter drüben tönt es: «Jeah, gib Stoff, Mann!» Zwei Jungen stehen vor
einem Bildschirm. Ihre Finger umklammern zwei Lenkräder ihre Knöchel sind
weiss. Luftschiffähnliche Gefährte der Zukunft sausen auf dem Monitor durch
Betontunnel. Ein Hindernis einer der Jungen zieht das Lenkrad nach links
seinen Kopf zieht er mit er geht in die Knie. «Und stirb», sagt sein
Gegenspieler. «Scheisse, tot.»
«Was mich daran so fasziniert? Die Geschwindigkeit», sagt einer der Jungen. Er
heisst Jonathan und ist 13 Jahre alt. Man könne alles um sich herum vergessen.
«Ich spiele schon seit Jahren praktisch nur auf Computern oder Videospielen.»
Das andere Zeugs langweile ihn. Seinem Kollegen Fhi haben es vor allem die
Hightech-Figuren und -Fahrzeuge angetan.
Mit Eisenbahn nach Hause
Dominik steht vor einem Regal. Weisse, rechteckförmige Kartonschachteln reihen
sich aneinander und stapeln sich aufeinander. Sie sind bedruckt mit bunten
Bildern. Ein schwarzes Männchen mit weiss-blauem Helm auf einem Polizeitöff
ein anderes mit rotem Helm im Feuerwehrauto.
Als Dominik gehört hatte, dass er etwas aussuchen darf, ist er zu den
Playmobils marschiert. Nun läuft er dem Regal entlang von links nach rechts. Er
bleibt stehen schaut aufwärts, dann nach rechts. «Das do», ruft er und
tippt mit den Fingern auf eine Schachtel. Es ist eine Eisenbahn.
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