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Spielmesse Internationale Spiel- und Spielwarenmesse St. Gallen 4. - 8. September 2002 |
Wie kann der Fachhändler sein Weihnachtsgeschäft forcieren? Tipps der Schweizer Importeure
Um die Expertenposition des Spielwaren-Fachhandels zu stärken, holen die Schweizer Importeure in sämtlichen Segmenten vielversprechende Neuheiten ins Land. Ein Rundruf, welche Highlights das Weihnachtsgeschäft der Händler erstrahlen lassen sollen.
Die Branche konzentriert sich auf ihre Stärken: „Der Trend geht auch dieses Jahr hin zum klassischen Spielzeug", lassen Importeure und Großhändler in der Schweiz unisono verlauten.
Mit dem Fokus auf Schweizer Neuheiten rechnet Carlit+Ravensburger - Geschäftsführer Rolf Zindel auch mit einem starken zweiten Halbjahr 2002. Sehr gut im Markt eingeschlagen hätten bereits ein neues Schweizer Reisespielemagazin und ein Reiselotto: „Ebenfalls nur für die Schweiz lancieren wir im Herbst mit ,Abrakadabra‘ einen neuen Zauberkasten", kündigt Zindel an. Der Kinderspielemarkt erfährt in diesem Jahr generell zahlreiche Impulse. So wurde beispielsweise der Preis „Kinderspiel des Jahres" aufgewertet – die Trophäe erhielt Selecta für „Maskenball der Käfer". Damit sollte es dem Mitbewerber von Haba gelingen, auch mit seinem übrigen Programm verstärkt Fuss zu fassen.
Nicht nur beim „Maskenball" macht Magnetismus das Spiel abwechslungsreich und spannend, auch bei „Catch Mag". Es ist ein sehr aufwändig produziertes, aber im Grunde einfaches Spiel nach dem Muster von „Eile mit Weile". „Catch Mag" stammt vom Erfinder des boomenden Konstruktionsspielzeugs Geomag. Es wird im Herbst übrigens mit zwei neuen Linien ergänzt.
Peter W. Gygax von Carletto AG freut sich, dass es dieses Jahr gleich mehrere gute Kinderspiele gibt, die wegen ihrer Dreidimensionalität wie geschaffen seien für Katalog- und andere Printwerbung: „Normalerweise sind Spiele ja flach und in der Abbildung sehr mager." Ganz anders aber „Tatü Tata" und „Rummel im Dschungel" von Haba, deren Material auch zum regelfreien Spielen gut geeignet ist. Neben Katalogen promotet der Importeur diese Spiele mit Haba-Beiheftern in Magazinen.
Erst am Beginn einer Aufwärtsentwicklung stehen nach einhelliger Einschätzung Lernspiele. Mit ein Grund dafür sind die ernüchternden Ergebnisse der PISA-Studie. Werner Wild von der Max Bersinger AG spürt Rückenwind von mehreren Seiten: „Alle Regierungen und Medien beschäftigen sich mit PISA." Den Trend kann Wild mit ersten Zahlen untermauern: LÜK-Lernspiele würden plötzlich ein Plus von zehn, fünfzehn Prozent verzeichnen, „für einen klassischen Artikel ist das sehr viel". Urs Wetli vom LÜK-Importeur Scheidegger & Co. bestätigt die Zuwächse: „Alles, was schulische Inhalte hat wie Mathematik, Lesen, Konzentration, das läuft derzeit sehr gut". Im Herbst wird das LÜK-Programm mit der neuen Reihe „Durchblick" ergänzt: Zur Selbstkontrolle dieser Lernspiele gibt es erstmals einen so genannten „Zauberstift", um Lösungen auf Folien zu schreiben und wieder zu löschen. Auch hier stehen schulische Themen im Vordergrund, unter anderem ein Englisch-Lernspiel für den Fremdsprachenbereich, der von anderen Spieleanbietern eher stiefmütterlich behandelt wird.
Im klassischen Familien- und Erwachsenenspielebereich haben neben dem Spiel des Jahres „Villa Paletti" beispielsweise „Pueblo" von Ravensburger und „Lumberjack" von Schmidt gute Marktchancen – auch sie sind im weiteren Sinn Bauspiele. Noch als Geheimtipp wird das abstrakte „Blokus" kolportiert: Händler, die es bereits im Sortiment haben, sind mit den Verkaufszahlen des bunten Legespiels hoch zufrieden. Ein Blitzstart ist im Spätherbst dem dann erscheinenden „Tabu Quickdraw", einem Zwitter der bewährten Spiele „Tabu" und „Pictionary", zuzutrauen. Den Herbsttermin nützt seit Jahren bewusst Kosmos für Neuheiten: Dieses Jahr wird die Spielereihe rund um „Der Herr der Ringe" weiter ausgebaut und auch eine weitere Neuheit hat direkt mit einem Bestseller aus dem Buchmarkt zu tun: Zu Saint-Exuperys „Der kleine Prinz" erscheint ein Kommunikationsspiel.
Bei Konsolen- und PC-Spielen sind Affinitäten zu Büchern, mehr noch zu Filmen, gang und gäbe. ABC Software verspricht für den Herbst als Verkaufsschlager das computeranimierte Spiel zum zweiten „Herr der Ringe"-Film sowie „Harry Potter II" („Teil 1 war eines der bestverkauften Softwareprodukte des Vorjahres", so Stefan Meier, ABC Software). Für sämtliche Plattformen kommen als weitere starke Neuheiten „Tony Hawk’s Pro Skater 2", „Need for Speed Hot Pursuit 2" und „FiFA 2". Exklusiv für den GameCube soll „Resident Evil" Kasse machen. Umsatzimpulse verspricht sich auch Renato Meier (Waldmeier AG) von der Nintendo-Software „Super Mario Sunshine".
Elektronisches Spielzeug contra klassisches? Die mentalen Kriegsbeile sind auch in der Schweiz längst begraben. Ein Fels in der Brandung, was den fast ausschliesslichen Einsatz von Händen und Fantasie angeht, bildet Playmobil. Die Macher der Smile-Männchen ergänzen ihre Welt diesen Herbst mit dem Thema Wikinger: „Das haben sich die Fans schon lange gewünscht", freut sich Pressesprecherin Gisela Kupiak über die zielgruppengenaue Umsetzung. Diese Themenneuheit wird in St.Gallen Premiere feiern.
Lego hatte zuletzt Terrain verloren und will wieder eine stärkere Rolle spielen. Die Marktpenetrierung in der Schweiz wird deshalb sämtliche Medien umfassen. „Wir haben in der Schweiz für dieses Jahr zwei Prioritäten", verrät Lego-Mann Urs Bachmann, „das sind Lego Racers in Kooperation mit Williams aus der Formel 1 und der neu geordnete Vorschulbereich Lego Explore." Das Spektrum an Kooperationen und Allianzen mit den bunten Bauklötzen wird immer breiter: Es reicht über Brettspiele – zu Bionicle, Racers und Creator gibt es Kinderspiele bei Jumbo – bis zum Spielteppich. Damit legt die belgische Firma Domo vorerst den Buben die Welt des Lego-Helden Jack Stone zu Füssen.
Fischertechnik setzt diesen Herbst auf eine neue Generation von sechs mobilen Robotern mit völlig neuem Antriebskonzept über kräftige Power-Motoren, zahlreichen Sensoren (Berührungs-, Helligkeits-, Magnet-, Temperatursensoren) und vielen Funktionen, erklärt Importeur Thomas Rietschi von Innotrade: „Die Programmierung erfolgt über eine grafische Software und ein Intelligent Interface." Zu den mehr als 300 Bauteilen erhalten die Käufer auch ein didaktisches Begleitheft mit Aufgaben sowie Tipps und Tricks zu deren Lösung. In den Bereich von Brio stößt Innotrade mit der Vertretung von PlayGo vor, einem neuen Holzstecksystem „made in Germany": Auch wenn Kinder ab drei Jahren damit theoretisch alles bauen können, so ist das Herzstück dabei doch eine eigene PlayGo-Eisenbahnlinie. „Von diesem Produkt erwarten wir uns einen sehr guten Start", sagt Rietschi.
Mit ferngesteuerten „Submarines" und Amphibienfahrzeugen ist sich Zapf- und Nikko-Importeur Karl Schwarzenbach sicher, die wasserbegeisterten Schweizer in die Läden zu locken: „Der Gag beim U-Boot ist der, dass man damit wirklich in der Badewanne spielen kann, die Fernsteuerung ist wasserdicht." Was die Amphibienfahrzeuge angeht: „Die sind wie geschaffen für die Schweiz mit ihren vielen Seen!" Die Gefahr, dass sie kaputt gehen, wenn sie in den Dreck gefahren werden, sei im Vergleich zu herkömmlichen Modellen hier nicht mehr gegeben, versichert Schwarzenbach.
Findet der Autospass in Rennform statt, hat im Fachhandelsbereich Ninco die Stoßstange vorne. Die spanische Marke mit dem großen Vorteil, alles auf nur ein System zu vereinen, will im zweiten Halbjahr zu den 24 Neuheiten des Frühjahrs eine ähnlich hohe Anzahl an weiteren Wagen, Strecken und Sets bringen, so Importeur Peter Csuka. Welche das genau sind, wisse er selbst noch nicht: Herstellerpolitik sei, „erst kurz vor der Fertigstellung die Neuheiten anzukündigen, damit die Termine, die man nennt, auch eingehalten werden".
Bei den Modelleisenbahnen garantiert die fortlaufende Verbreiterung der Palette an Schweizer Rollmaterial punktgenaue Nachfrage der Fans. Bei Roco unter anderem für die beiden Jubiläumslokomotiven „100 Jahre SBB" in Feuerrot und der gelben „Die Post gratuliert der Bahn"-Ausführung, dem De 4/4-Seetalbahn-Triebwagen, der Tesa-Lokomotive sowie einem neuen Schweizer Startset mit einem erweiterten Gleisoval und der vierachsigen Elektrolok Re 460 („Lok 2000"). Märklin setzt im Herbst neben Einzelmodellen wie dem „Seetal-Krokodil" oder Wagenmaterial zum „Braunen Krokodil" seine Offensive mit Start- und Themenpackungen für die Schweiz fort. Dazu zählt die digitale Startpackung mit „Big Boy", Diesellok F7, acht Güterwagen und drei Personenwagen, neue Pendelzugwagensets der SBB und der BLS und die Schweizer Startpackung, die ab Herbst EU-konform mit neuem Delta-Fahrgerät ausgeliefert wird. Kundenberater Urs Lüscher: „Ein ganz besonderes Highlight von Märklin ist die Replika des Schiffs ,Viktoria‘ mit 98 Zentimenter Länge".
Arno Miller -Der Autor ist Freier Journalist und Herausgeber einer Spielefachzeitschrift
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