Schweizer Spielmesse
Internationale Spiel- und Spielwarenmesse St. Gallen

4. - 8. September 2002

         


"In 80 Spielen um die Welt"

Sonderschau "In 80 Spielen um die Welt" von Reinhold Wittig, in Kooperation mit dem Völkerkundemuseum der Universität Göttingen und dem Institut für den wissenschaftlichen Film, Göttingen, an der Schweizer Spielmesse 2002 in St.Gallen

Einen Streifzug durch die Kulturgeschichte des Spielens bietet die Wanderausstellung "In 80 Spielen um die Welt". Am 14. Juli 2002 ist sie im Alten Rathaus in Göttingen eröffnet worden und vom 4. bis 8. September 2002 ist sie in St.Gallen im Rahmen der Schweizer Spielmesse zu sehen, danach in Chemnitz und weiteren Museen in Süd-Niedersachsen. Der Startort Göttingen kommt nicht von ungefähr, denn der Initiator der Ausstellung ist der Göttinger Spieleautor Reinhold Wittig, der diese sehenswerte Ausstellung in Kooperation mit dem Völkerkundemuseum der Universität Göttingen und dem Institut für den wissenschaftlichen Film, Göttingen, konzipiert hat. Nicht trockene Dokumentation steht im Vordergrund der Ausstellung, sondern nachvollziehbare spielerische Erlebniswelten öffnen sich dem Besucher in sieben Ausstellungsräumen.

Das Spiel zieht sich seit Jahrtausenden durch die menschliche Kultur und findet in den unterschiedlichen Regionen unserer Erde oft erstaunliche Parallelen. Die Ausstellung dokumentiert dies zum Beispiel eindrucksvoll an verschiedenen Mancala-Spielen, deren Idee in den unterschiedlichen afrikanischen Regionen, aber auch auf den Philippinen auf der Grundidee des Säens und Erntens der Spielsteine beruht. An einem von Wittig entworfenen überdimensionalen Mancala-Spiel kann es mit Paranüssen gespielt werden. Neben der Geschichte der Mancala-Spiele gibt es eine Reihe von Objekten, die als Vorläufer bekannter Spieleklassiker gelten, so das indische Pachisi, der Urahn unserer Laufspiele wie "Mensch ärgere dich nicht". Das würfelabhängige Glückspiel kann in unterschiedlichen Kulturkreisen auf regelgelenkte Spiele mit dem Astralagos, dem Mittelfußknochen des Schafes oder der Ziege, zurückgeführt werden, wozu die Ausstellung auch Informationen und Spielvarianten liefert.

Alltagsgegenstände, die bei uns häufig als "Müll" verschwinden, dienen in anderen Kulturen als unverzichtbares Material zur Wiederverwertung. Unter dem Motto "Aus Alt mach Neu" bietet Recycling eine Lebens- und Überlebensstrategie in vielen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas und findet u. a. seinen fantasievollen Ausdruck in der Herstellung von Spielzeug. Welche fantastischen Spielobjekte aus Dosenrecycling entstehen können, wird in einer extra Abteilung der Ausstellung dokumentiert. Vom kleinen Blechauto bis hin zu einem beachtlichen Dreimastschoner geht das Spektrum.

"Die Ausstellung macht deutlich, dass sich häufig die europäischen und aussereuropäischen Spielkulturen gegenseitig beeinflusst haben", sagt Dr. Gundolf Krüger vom Institut für Ethnologie der Georg-August-Universität, der die Ausstellung zusammen mit seinen Studenten und Reinhold Wittig organisiert hat. In einer Ausstellungsabteilung werden Spiele kritisch beleuchtet, die sich auf kolonialistische Weise mit dem "Fremden" beschäftigen. Das reicht vom "Kamerun-Spiel" aus der Kaiserzeit bis hin zum ganz aktuellen "Colony", mit dem der Versuch unternommen wird, 500 Jahre Kolonialismus in einem didaktisch orientierten Spiel aufzubereiten. Reinhold Wittig setzt sich auch kritisch mit vielen Autoren- und Verlagsprodukten auseinander, die die thematische Einbindung fremder Kulturen in ihre Spielgeschichten nur als Aufhänger nutzen, ohne sich wirklich mit ihnen auseinander gesetzt zu haben. Als Gegenbeispiele führt seine Ausstellung sehr ausführlich eigene Spiele vor, mit deren riesigen Prototypen gespielt werden kann. So greift er das Thema des Tauschhandels in "Kula Kula" auf und das der Navigation in "Hotu Matua".

Ein Besuch lohnt. Man sollte aber viel Zeit mitbringen, da nicht nur dem Auge, sondern auch der Würfelhand einiges geboten wird.

Die Ausstellung "In 80 Spielen um die Welt" wurde realisiert mit freundlicher Unterstützung von:
Deutsches Spielemuseum Chemnitz, Deutsches Spiele-Archiv Marburg, Europäische Spielesammler-Gilde, Museumsverband Süd-Niedersachsen, Erwin Glonnegger und Spieleautorenzunft

Quelle: Text aus "Spielbox" (Das Magazin zum Spielen), Heft Nr. 4/2002 (Okt./Sept.);
Herausgeber: w. nostheide verlag gmbh, Bahnhofstrasse 22, D-96117 Memmelsdorf


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