Faites vos jeux erschienen in der Neue Zürcher Zeitung in LEBENSART
Hände hoch und Affen raffen!
tom.
Wenn in der Gartenbeiz an einem Tisch ständig gelacht wird und die Gäste
seltsam die Hände verrenken, müssen sie nicht unbedingt betrunken sein.
Vielleicht spielen sie nur «Hands up». Kleine, einfache, lustige, schnelle
Spiele, die man überallhin mitnehmen kann, sei's in die Ferien, in die Badi, in
die Gartenbeiz oder an eine Party, sind wie geschaffen für die Sommermonate.
Mit «Hands up» und «Affen raffen» erzeugt man sofort Stimmung und bringt
auch Leute, die normalerweise Spiele blöd finden oder zu blöd zum Spielen
sind, auf Touren. Bei beiden Spielen ist Schnelligkeit wichtig, ohne dass man
Gefahr läuft, sich wie bei «Ligretto» oder «Speed» die Daumen zu brechen
oder Spielkarten zu ruinieren. «Hands up» kann man sogar mit Leuten spielen,
deren Sprache man nicht versteht. Ich hab's in China ausprobiert.
Vorstellungsvermögen und Reaktion sind bei «Hands up» gefragt. Das Spiel
besteht aus 55 quadratischen Karten, auf denen in jeder Ecke eine Hand oder zwei
Hände in einer bestimmten Position dargestellt sind. Der Kartenstapel kommt
verdeckt in die Mitte. Ein Schiedsrichter deckt jeweils blitzschnell die oberste
Karte auf. Nun müssen alle Spieler so schnell wie möglich ihre Hände in die
abgebildete Position bringen. Der Langsamste nimmt zur Strafe die Karte an sich
und wird neuer Schiedsrichter. Wer schliesslich am wenigsten Karten hat,
gewinnt. Gemeinerweise gibt es Karten mit Handpositionen, die unmöglich
nachzuahmen sind. Wer's nicht merkt, wird zu spastischen Verrenkungen animiert.
Wer es merkt, muss einfach seine Arme vor der Brust kreuzen oder parallel
hochhalten, je nachdem, ob die Arme auf der Karte parallel oder gekreuzt
angeordnet sind. Schon bald spielen sich am Tisch Szenen wie im
Dick-und-Doof-Film «Fra Diavolo» ab.
Die Spieleranzahl «2 bis 8» auf der Packung ist allerdings ein Scherz. Zu
zweit ist «Hands up» nämlich nicht spielbar. Die Regel, dass der
Schiedsrichter bei Unklarheiten entscheiden muss, wer am langsamsten war und
Schiedsrichter bleibt, bis er sich entscheiden kann, macht den Spielverlauf
zudem ein bisschen anfällig für unfaire Spieler. Probleme sollte es damit aber
eigentlich nicht geben, schliesslich geht es ja nicht um die Fussball-WM.
«Affen raffen» ist eine rasante Memory-Variante, die hohe Konzentration
erfordert. Im Spiel sind Kärtchen, die entweder ein Zebra, einen Affen, einen Löwen,
einen Pinguin oder einen Flamingo zeigen. Die Tiere haben ziemlich ähnliche
Profile. Jedes Tier gibt es mit drei verschiedenen Hintergrundfarben. Nur zwei Kärtchen,
bei denen Tier und Hintergrundfarbe gleich sind, gelten als Paar. Alle Kärtchen
werden umgedreht und gemischt. Aufgabentafeln zeigen nun, was zu sammeln ist:
zum Beispiel drei beliebige Tierpaare, wobei jede Hintergrundfarbe genau einmal
vorhanden sein muss. Auf ein Zeichen hin beginnen alle Spieler unter den Kärtchen
nach Paaren zu suchen. Dabei dürfen sie nur eine Hand benutzen. Es darf immer
bloss ein einziges Kärtchen aufgedeckt und wieder umgedreht werden, bevor das nächste
aufgedeckt wird. Glaubt ein Spieler ein Paar gefunden zu haben, nimmt er mit
einer Hand beide Kärtchen direkt nacheinander auf, ohne sie dabei nochmals
anzusehen. Hektik bestimmt das Spielgeschehen.
Unter den verdeckten Kärtchen gibt es Zusatzaufgaben, deren Erfüllung
Pluspunkte und deren Nichterfüllung Minuspunkte bringen. Sind zwei Spieler
fertig, endet der Durchgang. Die Überraschung, was man nun tatsächlich
gesammelt hat, ist dann jeweils gross. Denn oft gelingt es im Farben-Wirrwarr
nicht, tatsächlich gleichfarbige Paare zu erhaschen. Wie bei jedem Spiel um
optische Erkennung sind Fähigkeiten gefragt, die bei den Mitspielern
unterschiedlich ausgeprägt sind. Zu Beginn werden wohl immer die gleichen Leute
gewinnen. Doch man kann trainieren und wird tatsächlich immer besser. Deshalb
hat «Affen raffen» durchaus Langzeitwirkung. «Hands up» und «Affen raffen»
eignen sich übrigens beide hervorragend sowohl für Kinder als auch für
Erwachsene.
«Hands up»: Aktionsspiel von
Jacques Zeimet für 3 bis 8 Spieler ab 6 Jahren. Spieldauer: 10 Minuten. Verlag:
Schmidt. Preis: etwa 15 Franken. Vertrieb in der Schweiz: Roco Modellspielwaren
GmbH, 9445 Rebstein. Internet: www.schmidtspiele.de.
«Affen raffen»: Rasantes Merkspiel von Michael Schacht für 2 bis 6 Spieler ab 6 Jahren. Spieldauer: 20 Minuten. Verlag: Goldsieber. Preis: etwa 20 Franken. Vertrieb in der Schweiz: Carletto AG, 8820 Wädenswil. Internet: www.goldsieber.de.
Mit freundlicher Genehmigung des Autors Thomas Felber im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -
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