Erschienen in der Zürichsee-Zeitung: www.zsz.ch/spielend

Handel - aber mit Köpfchen

Wer auf den Stubentisch einen kleinen Orientteppich legt, um darauf das Spielbrett von Basari auszubreiten, hat es erfasst. Es geht ums Handeln, Feilschen und Tauschen. Doch halt: Natürlich ist Sieger, wer am Schluss am meisten Punkte hat - ganz profan also, wie in vielen anderen Spielen auch. Doch bei Basari, und das ist sicher der Unterschied, tritt der Sieger etwas in den Hintergrund. Das Handeln ist's, das den Spass ausmacht.

Für mutet der Spielaufbau doch einigermassen kompliziert an. Jeder Spieler fährt mit einer Spielfigur und einem Zählstein, der auf einem äusseren Ring jeweils den Punktestand angibt. Doch nach ein paar Durchgängen ist dies mehr und mehr Routine. So fährt also ein jeder für sich alleine und nach Würfelzahl auf einem inneren Kreis rundum. Doch nicht das Würfeln alleine zählt, stets ist auch eine zu wählen. Das heisst, nach dem Würfeln sagt jeder der drei bis vier Spieler, ob er jetzt nochmals würfeln will, ob er eine bestimmte Anzahl Edelsteine (die vor allem als Punktelieferanten dienen) aus der Brettmitte bekommen oder ob er Punkte sammeln will. Nach jedem Würfeldurchgang also kann jeder aus diesen drei Möglichkeiten wählen. Man tut dies selbstverständlich für sich und deckt sein Vorhaben erst auf, wenn sich alle für eine der drei Möglichkeiten entschieden haben. Dann kommt's drauf an, wie viele sich für dieselbe entschieden haben. Steht man mit seinem Wunsch allein da, hat man Glück und kann machen, was man wollte. Sind mehr als zwei derselben Absicht, gibt's gar nichts, aber wenn's zwei sind, wird's lustig. Dann muss nämlich ausgehandelt werden, wer die Aktion durchführen darf. Und das kann einige Zeit dauern. Die anderen dürfen sich natürlich nicht daran beteiligen, können aber ihren Teil zum Spass beitragen, indem sie ihre Kommentare abgeben. Wie auf einem orientalischen Markt sozusagen.

Natürlich wird um Edelsteine gehandelt, denn wer am Schluss einer Runde am meisten einer Sorte hat, bekommt entsprechend Punkte. Und das kann sich ganz schön zusammenläppern. Das Wichtigste ist aber, dass man mit Köpfchen und Konzept handelt. Denn es kann sehr wohl darauf ankommen, um welche es denn nun geht. Geht es um ein paar Edelsteine, oder geht es um wertvolle Punkte? Dann nämlich ist es unter Umständen besser, viel höher zu bieten, um dann die begehrten Punkte zu sammeln - auch wenn man um eine Handvoll Edelsteine ärmer wird dabei. Bald merken jeweils auch die Mitspieler, worauf jeder der beiden Händler hinaus will, und dann ist es interessant, mitzuverfolgen, nach welchem Konzept jeder sein Ziel zu erreichen sucht. Dies zeigt es deutlich: Basari ist kein Spiel für Kinder. Die Altersangabe ist also mit Vorsicht zu geniessen, denn es geht letzten Endes nicht um die funkelnden Edelsteine oder die Figuren auf den bunten Feldern. Erschwerend kommt hinzu, dass das Spiel auf mehreren Ebenen abläuft: einer Spiel-ebene mit den Figuren und einer davon unabhängigen Zählebene.

Unterhaltsam war es, zu beobachten, dass - obwohl man eigentlich nur bieten dürfte und der andere dieses Angebot entweder annehmen kann oder nicht - immer wieder umgekehrt gefeilscht wird, wie du mir drei rote Edelsteine gibst, kannst du die Aktion machen. Ob dies erlaubt ist gemäss Spielregeln oder nicht, bleibt ungeklärt; aber machen sollte man es auf jeden Fall, denn es steigert die Spannung doch erheblich.

Basari von Reinhard Staupe, für drei bis vier Personen ab zehn Jahren, Spieldauer rund 30 bis 40 Minuten, Preis etwa 37 Franken, Verlagsadresse: Carlit + Ravensburger AG, Grundstrasse 9, 5436 Würenlos.


Mit freundlicher Genehmigung des Autors Michael Kaspar im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -


© 1998 - Felsberger S & A Spiel & Art AG, Leimatstrasse 32, CH-9000 St. Gallen. Update: 14.06.1999 - www.toy-net.com