"Bohnanza": Das Duell der Bohnenzüchter
Der Schein trügt. Das aus dem Hause "Amigo" stammende Kartenspiel, ist trotz der lustigen, im Comicstil gehaltenen Bebilderung der Karten, ein reines Wirtschaftsspiel. Ein Wirtschaftsspiel allerdings, das nicht allzu komplex ist und deshalb mehr den Familienspiel- und Gelegenheitsspieler, denn den Liebhaber von anspruchsvollen Wirtschaftsspielen ansprechen dürfte. Das Spiel ist gewiss nicht schlecht, und wird auch nach einigen Partien sicherlich des öfteren wieder einmal aus dem Spieleschrank hervorgeholt werden, doch ob gerade bei einem dermassen starken Kartenspieljahrgang wie den "1997er" "Bohnanza" auf die Nominationsliste "Spiel des Jahres" gehört, das wage ich zu bezweifeln. Doch vielleicht hat die Jury, dies ist meine Vermutung, die Originalität eines Spielmechanismus höher bewertet, als den Spielspass?
Bei "Bohnanza" geht's ums erfolgreiche Anpflanzen und Verkaufen von Bohnen. Ist der Stapel drei mal durchgespielt, endet eine Partie. Es gewinnt der Spieler mit dem meisten Geld. Alle Spieler erhalten fünf Karten. Ist es so weit, folgt bereits das Originelle. Die Spieler dürfen die Karten - es gibt acht verschieden häufig vorkommende Bohnensorten - nicht sortieren, sondern müssen diese so belassen wie sie aufgenommen wurden! Zu Beginn hat jeder Spieler zwei Bohnenfelder. Wer an der Reihe ist, muss die vorderste Karte ablegen und darf danach noch seine zweitvorderste Karte ablegen. Ist es die selbe Bohnensorte, so ist lediglich ein Bohnenfeld, sind es zwei verschiedene Sorten, so sind beide Felder belegt. Danach zieht der Spieler zwei Karten vom Stapel. Kann er sie bei seinen Feldern anlegen, so darf er dies tun. Passen die Bohnen nicht , so kann er versuchen sie bei den Mitspielern einzutauschen oder an diese zu verschenken. Will kein Spieler die Bohne(n), so muss er sein(e) Feld(er) räumen und die Stapelkarten bei sich anpflanzen. Dies ist um so ärgerlicher, wenn er schon mehrere Karten von einer Sorte Bohnen "angepflanzt" hat, , denn je mehr Bohnen man ausliegen hat, desto höher sind die Gewinne, die man beim Verkauf erzielt. Verkaufen darf man zu jeder Zeit, auch wenn man nicht an der Reihe ist. Anschliessend darf der Spieler versuchen noch Karten, die er auf der Hand hat, zu tauschen. So wird man unliebsame Karten los und erhält vielleicht eine gute Karte. Allerdings muss die neue Karte ebenso zuhinterst eingereiht werden wie die drei Karten, die ein jeder Spieler vom Stapel nimmt. bevor der nächste Spieler an der Reihe ist. Generell gilt bei "Bohnanza", dass vor allem derjenige gut abschneidet, der nicht zu lange auf den grossen Reibach wartet, also zB. darauf, dass zehn "Blaue Bohnen" bei ihm ausliegen. Diese brächten zwar vier Taler, doch da der Grundsatz gilt, dass auch kleine Felder schöne Erträge abwerfen können, ist ein so mancher Spieler versucht, seine Anbaufläche zu räumen, wenn er dafür bereits zwei oder drei Taler erhält. Schnell zu Geld zu kommen ist aus zweierlei Gründen wichtig. Zum einen kann für drei Taler ein drittes Bohnenfeld gekauft werden, was dem Farmer grösseren Spielraum verleiht. Und zum anderen wandert nur ein Teil der abgeräumten Bohnen auf den Ablegestapel, denn auf jeder Kartenrückseite ist ein Taler abgebildet. Der Spieler behält nun so viele Karten für sich, wie er Taler für seine Bohnen bekommt. Dies hat zur Folge, dass der Stapel in der zweiten Runde ziemlich und in der dritten Runde sehr schnell durchgespielt ist. Mit anderen Worten: Wer bei Halbzeit nicht bei den Leuten ist, hat kaum eine Chance, die Partie noch für sich zu entscheiden. Und das ist schade.
Verlag: Amigo, Autor: Uwe Rosenberg, Alter: ab 12 Jahren, Anzahl: 3 bis 5 Spieler, Preis: zirka 13 Franken
Mit freundlicher Genehmigung des Autors Christof Lampart im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -
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Ilgenweg 8, CH-8370 Sirnach. Update: 08.04.2004