Neue Zürcher Zeitung LEBENSART
Faites vos jeux «Caesar und Cleopatra» ein Kartenspiel für (Liebes-)Paare tom. Wer schon einmal versucht hat, zu zweit zu jassen, «Monopoly», «Hugo, das Schlossgespenst» oder «Malefiz» zu spielen, kennt das Problem. Spass an Brett- und Kartenspielen ist oft von einer Familie oder einem grossen Freundeskreis abhängig, weil die meisten Spiele nur mit mindestens drei oder vier Personen funktionieren oder zu zweit einfach keinen Spass machen. Zwar gibt es auch unzählige Spiele, die sich explizit an zwei Personen richten, oftmals sind es aber eher anspruchsvolle Taktik- und Denkspiele für mathematisch Begabte, die relativ statisch ablaufen, oder man benötigt, wie etwa im Fall des Sammelkartenspiels «Magic», Hunderte von Zusatzkarten, ein dickes Portemonnaie und viel Zeit zur Vertiefung ins komplexe Regelwerk.Bei «Caesar und Cleopatra» ist nichts von alldem der Fall. Es ist das ideale Spiel für Paare, die zusammen wohnen. Es kann spontan mal zwischendurch gespielt werden, weil es nur eine halbe Stunde dauert, die Regeln sind schnell zu begreifen, niemand muss sich benachteiligt fühlen, weil er das Spiel nicht schon im Kindergartenalter trainiert hat, und es besitzt einen dynamischeren und kurzweiligeren Spielablauf als der Grossteil der übrigen Zweierspiele. Denken kann zwar auch bei «Caesar und Cleopatra» nicht schaden, das Spiel ist aber eher einfach und besitzt einen wesentlichen Glücksfaktor. Einfluss- und Aktionskarten sorgen für Überraschungen.
Das Styling der Karten ist aussergewöhnlich schön. Eine einladende Graphik, die von Franz Vohwinkel gestaltet wurde, entführt die Spieler ins antike Rom. Laut Schachteltext küssen und schlagen sich Caesar und Cleopatra mit «Hauen und Stechen, Tricksen und Bezirzen» um Ägypten. Zwar ist das Thema eines Spiels für einen passionierten Spieler eher nebensächlich «Caesar und Cleopatra» würde genauso gut als «Koby und Loby» oder «Kliby und Caroline» funktionieren , erfreulich ist es allerdings, wenn die Umsetzung eines Themas in ein Spielsystem wirklich gut gelungen ist, wie in diesem Fall. Archäologen und Historiker mögen trotzdem nachsichtig sein, wenn nicht alle Feinheiten des Spiels mit Lehre und Forschung vereinbar sind. So hat ein Mitspieler die Bezeichnung «Volksvertreter» für Senatoren als ziemlich gewagt empfunden.
Als Spieler übernimmt man die Rolle Cäsars oder Kleopatras und erhält einen Satz von Einfluss- und Aktionskarten, die inhaltlich mit jenen des Gegners identisch, graphisch aber anders aufgemacht sind. Zu Beginn liegen 21 Patrizierkarten auf, die fünf «Beamtengruppen» angehören: es gibt je fünf Senatoren, Prätoren und Quästoren sowie je drei Zensoren und Ädilen. Die illustren Zeitgenossen Cäsars tragen Namen wie «Stephanus Derricus», «Livius Redeflus» oder «Beatus Usus». Wer an der Reihe ist, darf aus seiner Hand Einflusskarten für Beamtengruppen auf dem Tisch anlegen. Die Einflusskarten tragen Zahlenwerte von 1 bis 5. Raffinierterweise hat man zwei Möglichkeiten: entweder darf man zwei Karten offen anlegen oder eine Karte verdeckt, was «Caesar und Cleopatra» auch zu einem Bluffspiel macht. Nach jedem Zug wird eine Vertrauensfrage gestellt. Das heisst: die oberste Karte eines speziellen Stapels wird umgedreht und zeigt an, welche der fünf Beamtengruppen zur Auswertung kommt. Ziemlich oft gibt es dabei gar keine Wertung, weil die Beamten sich gerade an einer Orgie verlustieren. Steht den Beamten der Sinn jedoch nach Arbeit, werden die Einflusskarten für die auf der Karte genannte Patriziergruppe offengelegt und zusammengezählt. Mit der höheren Summe gewinnt man einen entsprechenden Patrizier. Aber Vorsicht: eine spezielle Art von Einflusskarten, die «Philosophen», können die ganze Wertung ins Gegenteil umkehren. Richtig spannend wird das Kartenspiel schliesslich durch die Aktionskarten. Diese darf jeder zu Beginn des Spiels in einem verdeckten Stapel gezielt in einer Reihenfolge sortieren und im späteren Verlauf nachziehen. Beim Ausspielen erlauben sie, Einflusskarten verdeckt neu zu verteilen, verdeckte Karten des Gegners aufzudecken, Karten des Gegners aus dem Spiel zu nehmen oder Aktionen des Gegners durch ein «Veto» zu verhindern.
Am Schluss gewinnt nicht einfach jener Spieler, der mehr Patrizier bestechen konnte. Wer in einer Beamtengruppe die Mehrheit oder gar alle Beamten auf seine Seite zieht, erhält nämlich Bonuspunkte. Ausserdem gilt es, das Ziel eines geheimen Sonderauftrags zu erfüllen. «Caesar und Cleopatra» wäre eigentlich ein kurzes Spiel. Wir haben es aber nie geschafft, nur eine einzige Partie zu spielen. Jeder Sieg ruft nach einer Revanche. Rollenwechsel wären zwar erlaubt, blöd ist nur, dass sich meine Mitspielerinnen partout immer nur mit Kleopatra identifizieren wollen und sich sofort auf die entsprechenden Karten stürzen. Kleopatra hat laut Regel auch einen entscheidenden Vorteil. Sie darf das Spiel beginnen. Um eine Regeländerung kommt der seriöse Spieler im Zeitalter der Gleichberechtigung deshalb auf die Dauer wohl kaum herum.
«Caesar und Cleopatra» von Wolfgang Lüdtke, Verlag: Kosmos, Kartenspiel für zwei Spieler ab 10 Jahren. Spieldauer: 30 bis 40 Minuten. Preis: etwa 26 Franken.
Mit freundlicher Genehmigung des Autors Thomas Felber im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -
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