"Canyon": Vom Totempfahl zum Wasserfall
Immer mehr Hersteller gehen dazu über, früher einmal erfolgreiche, aber wieder aus dem Verlagsprogramm verschwundene Spiele neu aufzulegen. Auch "Bid & Bluff" ist nun wieder neu erschienen: als "Canyon" bei Abacus. Das Original war und ist gut, aber der Nachfolger ist noch besser. Das Material und die thematische Einkleidung der Neuauflage lassen die Erstauflage um einige Kanulängen hinterherpaddeln. Bei "Canyon" schlüpfen die Spieler in die Rolle von Indianern, die nur ein Ziel kennen: das Kanuwettrennen zu gewinnen. Die Boote werden mit 50 Spielkarten (5 Farben mit Werten von 1-10) bewegt. Zu Beginn erhalten alle Indianer fünf Tempokarten (Werte 0 bis 4) sowie acht der 50 Spielkarten auf die Hand. Von den übrigen Karten wird eine aufgedeckt; sie zeigt an, welche Farbe in dieser Runde Trumpf ist. Nun müssen alle Indianer mit ihren Tempokarten angeben, wie viele Stiche sie in dieser Runde machen werden. Die erste Runde endet nach acht Stichen. In der zweiten Runde werden dann nur noch sieben, in der dritten sechs Karten usw. verteilt. Ist man in der achten Runde bei einer Karte angelangt, steigt die Kartenzahl in den nächsten Runden wieder an etc. Es gilt die Regel, dass die angespielte Kartenfarbe bedienen muss, wer kann. Mit der Trumpffarbe darf nur gestochen werden, wenn Trumpf ausgespielt wurde, respektive man keine der ausgespielten Karten besitzt. Pro Stich darf ein Feld vorgerückt werden. Wer noch die Zahl seiner Stiche genau vorhergesagt hat, darf seinen Zug (+1 bei 0 Stichen, + 2 bei 1 Stich und +3 bei 2 oder mehr Stichen) noch verlängern. Dann wird vom Startspieler aus reihum gezogen. Dies ist sehr wichtig, da plötzliche Canyon-Engen, wo nur ein Boot durchpasst, die lieben Mitspieler blockieren können, obwohl diese vielleicht fünf Felder weit fahren könnten. Knifflig wird es dann auf den letzten acht der 30 Felder langen Strecke, wartet doch dort der Wasserfall auf die Kanuten. Hier darf nur noch der Bonus gezogen werden. Wer falsch tippt, wird um ein Feld in Richtung Wasserfall abgetrieben. Wer dort landet, muss in der nächsten Runde beim ersten Feld des Wasserfallbereichs wieder beginnen. Das Spiel bietet eher leichte Kost und eignet sich somit für den Beginn eines Spielabends trefflich vorausgesetzt man mag Kartenstichspiele, denn auch wenn "Canyon" als Brettspiel erscheint, so ist es doch vor allem der Stichspielmechanismus, der dem Spiel seinen Reiz verleiht. Das Bluffen ist weniger gut möglich als man allgemein annehmen dürfte, da die meisten Mitspieler die gleichen Gedankengänge machen dürften. Der Glücksanteil ist nicht zu unterschätzen, denn wer nur schlechte Karten hat, der gerät schon bald einmal hoffnungslos ins Hintertreffen.
Verlag: Abacus, Autor: Frederick A. Herschler, Alter: ab 10 Jahren, Dauer: 45 Minuten, Anzahl: 3 bis 6 Personen, Preis: ca. 35 Franken
Mit freundlicher Genehmigung des Autors Christof Lampart im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -
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