„Cartagena“: Werden die Letzten die Ersten sein?
Der unterirdische Gang ist lang und beschwerlich, doch das Ziel lockt. Denn an dessen Ende wartet, worauf die Insassen der Festung „Cartagena“ schon seit Jahren sehnsüchtig warten: das Boot in die Freiheit. Wer die Glücklichen sein werden, wird in diesem lockeren und kurzweiligen Familienspiel, das sich schon für Kinder im Schulalter eignet, durch das geschickte Ausspielen von Karten und das Ausnutzen eines jeden sich bietenden Vorteils entschieden. Der Gang setzt sich aus sechs verwinkelten Einzelteilen zusammen, welche mit sechs unterschiedlichen Gegenständen (Schlüssel, Flasche, Totenkopf, Messer, Hut und Pistole) „gepflastert“ sind. Diese Symbole finden sich auch je 17 mal auf den insgesamt 102 Spielkarten wieder, die den Motor des Spieles darstellen. Von diesen erhalten alle zu Beginn sechs Stück auf die Hand, während die sechs Pöppel beim Gangeingang platziert werden. Gezogen werden darf immer bis zum nächsten gleichen, unbesetzten Symbol, das die gespielte Karte zeigt. Ist zum Beispiel der nächste Hut besetzt, so darf der Pirat – er hat einen Geheimgang entdeckt! – so weit nach vorne eilen, bis er auf einen freien Hut stösst. Im optimalen Fall kann ein Pirat schnurstracks von der Festung ins Boot eilen – wenn alle Symbole, die seine Karte zeigt, besetzt sind. Pro Runde hat jeder Spieler drei Aktionspunkte gut. Allerdings sind die Karten knapp, und ohne Nachschub geht gar nichts, wenn man gewinnen möchte. Neue Karten erhält man aber nur, wenn man zurück geht und andere Piratenkollegen besucht – und auch dies kostet einen oder mehrere Aktionspunkte. Ganz Geschickte können somit bis zu sechs Karten einheimsen und dann vielleicht in der nächsten Runde zum grossen Überholen ansetzen. Die Spieler müssen darauf achten, stets in einer Gruppe vertreten zu sein oder zumindest nicht total den Anschluss an sie zu verlieren, denn dann muss man das Loch wieder alleine durch den Einsatz eigner Karten stopfen – und das geht an die Substanz. So geht es nach dem Motto vier Felder vor und drei Felder zurück, in einem eigenartigen Tempo dem Ziel entgegen. Ein paar Piraten setzen sich zwar immer wieder ab, aber wenn die nicht allesamt dem selben Spieler gehören, besteht kein grosser Grund zu Beunruhigung, denn entschieden wird das Spiel im letzten Drittel der Partie, wo sich die Ereignisse oftmals überschlagen und sich das Sprichwort „Die Letzten werden die Ersten sein“ schon des öfteren bewahrheitet hat. Allerdings nicht nur glückhafter Umstände wegen, denn ohne ein gewisses Mass an Taktik kommt man bei „Cartagena“ nicht allzu weit. Es gewinnt dieses Spiel, wer zuerst alles seine Piraten ins Boot bringt. Dann legt der Kahn ab, und das Wutgeheul der Zurückgebliebenen wird schrecklich sein...
Verlag: Winning Moves, Autor: Leo Colovini, Alter: ab 8 Jahren, Spieldauer 30 bis 45 Minuten, Spieler: 2 bis 5 Spieler, Preis: rund 39 Franken
Mit freundlicher Genehmigung des Autors Christof Lampart im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -
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