"Condottiere": Einmal im Leben Söldner sein

"Condottiere" nannte man im Italien der Renaissance die zahlreichen Söldnerführer, die mit ihren Truppen dem Meistbietenden zu Dienste waren. Im Laufe der Zeit wuchs jedoch nicht nur ihr Ansehen bei der "classe politique", sondern auch ihre Macht. Diese nutzten sie schliesslich oft dazu, alteingesessene Adelsgeschlechter mittels Waffengewalt ins Abseits zu drängen und selbst die Regierungsgeschäfte zu übernehmen. Und gerade dies kann man bei "Condottiere" nachspielen. Jeder Spieler erhält zu Beginn je zehn Spielfiguren (Türme) und Söldnerkarten. Während erstere dazu dienen, die besetzten Städte zu markieren, braucht man die Karten, um Schlachten zu gewinnen. Der Spielplan zeigt die Landkarte des in 17 Kleinstaaten unterteilten Italiens. Der jüngste Spieler beginnt und nennt die Stadt, um die gekämpft werden soll und setzt die Bronzefigur des Condottiere Colleoni, die als Marker dient, auf das entsprechende Gebiet. Danach spielt er eine seiner Söldnerkarte aus, deren Wertigkeiten zwischen "1" und "10" variieren. Danach legt der nächste Spieler eine Karte aus. Bei mehreren Runden werden die ausgelegten Werte fortlaufend addiert. Wer am Schluss des Kampfes die meisten Punkte hat, darf die Stadt mit einem seiner Türme besetzen und mit der Bronzefigur das nächste Angriffsziel kennzeichnen. Niemand muss jedoch am Kampf teilzunehmen. Wer also ziemlich schlechte Karten hat, wartet lieber einen Kampf ab, bis die Kontrahenten ihre besten "Trümpfe" schon ausgespielt haben. Er ist dann zwar einen Turm im Rückstand, hat jedoch in der zweiten Runde eine bessere Chance, in den Besitz "seiner" Stadt zu gelangen. Auch Passen ist möglich. Der Vorteil beim Passen ist, dass man um weitere Verluste herumkommt. Der Nachteil besteht darin, dass man aus der laufenden Runde ausscheidet und die bereits ausgespielten Karten nicht mehr zurückerhält. Eine Runde ist zu Ende, wenn nach einem Kampf nur noch ein Spieler Karten auf der Hand hat. Diese werden dann mit den restlichen Karten gemischt und neu verteilt. Dabei erhält jeder Spieler zehn Karten plus zwei weitere für jedes eroberte Gebiet. Wer also zB. bereits drei Städte annektiert hat, erhält 16 Karten. Für einen besonderen Reiz sorgen die Spezialkarten. Sie heissen "Bischof", "Heldin", "Winter", "Trommler", "Übergabe" und "Vogelscheuche". Wenn ein Spieler die Karte "Bischof" ausspielt, endet der Krieg sofort, ohne dass es einen Sieger gibt. Die "Heldin" ist mitunter die wertvollste Karte. Sie hat den Wert "10" und unterliegt als einzige Karte nicht den Auswirkungen des "Winters", der alle Kartenwerte auf den Wert "1" reduziert. Musik macht Mut. So hebt den der "Trommler" die Moral, indem er die Kampfkraft der "Söldner" verdoppelt. Die Multiplikation greift auch im Falle eines Wintereinbruchs, allerdings werden dann nur die Anzahl ausgelegter Karten verdoppelt. Die "Vogelscheuche" ist eine Bluffkarte. Wer sie ausspielt, kann er eine beliebige, von ihm in dem gleichen Kampf ausgespielte Söldnerkarte aus dem Kampf zurückziehen. Die Strohmann gilt ausschliesslich für Söldnerkarten. "Übergabe": Wenn diese Karte gespielt wird, endet der Kampf sofort. Die Stadt gehört dann dem Spieler, der in dem Moment die stärkste Armee besitzt. Das Spiel gewinnt, wer - je nach Anzahl Spieler - vier bis sechs aneinandergrenzenden Provinzen besitzt.

Verlag: Eurogames, Autoren: Dominique Erhard und Duccio Vitale, Alter: ab 12 Jahren/Erwachsene, Dauer: 60 Minuten, Anzahl Spieler: 2-6, Preis: etwa 69 Franken


Mit freundlicher Genehmigung des Autors Christof Lampart im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -


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