Neue Zürcher Zeitung LEBENSART
Faites vos jeux Auf Nahrungssuche mit dem scheuen Dachs und den Haselnuss-Rittern fsi. Wie bringt man einen verregneten Sonntagnachmittag mit Kindern möglichst vergnüglich über die Runden? Natürlich mit Spielen. Bloss, Spiele, die auch Erwachsenen Freude bereiten, taugen in der Regel erst für Kinder ab der dritten oder vierten Primarschulklasse; jene für die Kleineren sind meist buchstäblich Kinderkram. Nicht so «Hallo Dachs!» aus der Werkstatt des deutschen Spieleerfinders Klaus Teuber. Das Spielziel ist es, den Dachs mit allerlei Leckerbissen aus seinem Versteck zu locken. Je mehr seiner Lieblingsspeisen man dem scheuen Feinschmecker vorlegen kann, desto mehr Punkte heimst man ein. Allerdings liegt neben mancherlei Leckereien auch Müll im Wald, mit dem man den schwarzweiss gestreiften Gesellen vertreibt.Die zwei bis vier Spieler stellen ihre Figuren zunächst auf dem als Wald mit vielen verschlungenen Wegen gestalteten Spielplan auf. Auf jeder Lichtung liegen in beliebiger Anordnung Dachs- Chips mit einer Punktezahl zwischen 1 und 5; Ausgangspunkt für alle Spieler ist jeweils ein Chip mit dem Wert 1. Rund um das Spielfeld werden 23 Nahrungskärtchen je drei mit Erdbeeren, Brombeeren Heidelbeeren, Käfern, Schnecken und Würmern sowie fünf Täfelchen mit Müll verdeckt ausgelegt. Jeder Sorte Nahrung entspricht eine Würfelzahl von 1 bis 6. Die Spieler ziehen nun von Lichtung zu Lichtung und versuchen, den Dachs mit der auf den Chip vorgegebenen Anzahl von Leckerbissen zu füttern. So liegen später auf immer weniger Lichtungen Chips mit immer höheren Zahlen.
Jedesmal, bevor ein Spieler ein Nahrungskärtchen aufdeckt, würfelt er und versucht, die der Augenzahl entsprechende Nahrung bei den verdeckten Kärtchen zu finden. Gelingt ihm dies so oft wie auf dem Dachs-Chip vorgegeben, gewinnt er diesen und die auf dessen Rückseite vermerkte Punktezahl; deckt er ein falsches Kärtchen auf, geht er leer aus. Erwischt ein Pechvogel ein Müllkärtchen, muss er überdies einen seiner Chips umdrehen und damit entwerten. Zurückholen kann er sich die Punkte, indem er irgendwann im Verlaufe des Spiels eine Runde lang aussetzt.
Bei «Die Ritter von der Haselnuss», ebenfalls von Klaus Teuber, geht es darum, dass drei oder vier mit Rüstungen bewehrte Eichhörnchen möglichst viele Nüsse in ihre Vorratskammern schaffen, ohne dabei den Räubern Max Marder, Leo Luchs oder Fritz Fuchs über den Weg zu laufen. Die drei Bösewichte lauern in den Büschen, wo auch die Nüsse liegen. Auch hier sind verdeckte Karten im Spiel. Sie werden in Stapeln zu sieben Stück auf die acht Büsche verteilt. Die Spieler ziehen nun je nach gewürfelter Punkte- beziehungsweise Pfotenzahl in beliebiger Richtung von Busch zu Busch und nehmen dort die oberste Karte auf. Zeigt sie eine Nuss, geht diese an den Spieler; ist aber ein Räuber drauf, legt der Spieler die verdeckte Karte zurück. Landet später ein anderes Eichhörnchen auf dem betreffenden Feld, kann man den Namen des im Busch liegenden Räubers rufen. Stimmt dieser mit der Karte überein, verliert das Opfer vor Schreck die Nüsse, die es bei sich trägt, und der Rufer zieht auf der Zählleiste zwei Felder vor. Rufen mehrere Spieler den Namen des Räubers, gewinnt der schnellste; ruft einer einen falschen Namen, muss er seinen Zählstein zwei Felder zurückstellen. Es lohnt sich, nicht gleich mit der ersten Haselnuss ins Nussversteck zu ziehen, denn Wagemut wird mit zusätzlichen Punkten auf der Zählleiste belohnt.
«Hallo Dachs!» und «Die Ritter von der Haselnuss» sind liebevoll gestaltete, mit Memory-Elementen kombinierte Würfelspiele; im Falle der «Ritter» kommt ein bisschen Taktik dazu. Weil das Kurzzeitgedächtnis und auch das visuelle Gedächtnis von Kindern oft jenem der Erwachsenen überlegen sind, sitzen sich gleichwertige Gegner gegenüber ein Vergnügen also für die Kleinen und die Grossen. Wen wundert's da, dass Spieleerfinder Teuber, der auch die seit 1993 millionenfach verkauften «Siedler von Catan» entwickelte, sowohl für «Hallo Dachs!» als auch für «Die Ritter von der Haselnuss» 1996 und 1997 den Deutschen Kinderspielpreis erhalten hat.
«Hallo Dachs!» für 2 bis 4 Spieler ab etwa 7 Jahren, «Die Ritter von der Haselnuss» für 3 oder 4 Spieler ab 6 Jahren. Spieldauer je 20 bis 30 Minuten; beide Spiele stammen von Klaus Teuber. Verlag Goldsieber. Preis je 20 bis 22 Franken.
Mit freundlicher Genehmigung von Thomas Felber im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -
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