„Der Herr der Ringe“: Gemeinsam zum Ziel oder keiner
Anspruchsvolle Bücher haben oftmals die „Unart“, dass sich ihr Inhalt oft schwer auf ein- bis zweistündiges Spielgeschehen zusammenfassen lässt. Zwar gibt es gelungene Ausnahmen, aber die sind selten. Mit „Der Herr der Ringe“ nach dem gleichnamigen Mittelerde-Epos von John Ronald R. Tolkien liegt nun ein weiterer Versuch vor, Literatur in ein anspruchsvolles Spiel umzusetzen. Dass sich zu dieser Arbeit Erfolgsautor Reiner Knizia und „Kosmos“ zusammengefunden haben, weckt Erwartungen, welche nicht enttäuscht werden. Im Spiel geht es, wie im Buch, darum, den Ring des dunklen Herrschers, Sauron, im Feuer des Schicksalsberg zu vernichten und somit das Böse, das nach dem „einen Ring“ giert, um die Weltherrschaft zu gewinnen, zu vernichten. Die Spieler sind Hobbits und müssen, wie die echte Gemeinschaft des Ringes, kooperieren, um die vier Spielfelder, die sie durch die Lande von Moria, Helms Klamm, Kankras Lauer und Mordor führen, heil zu überstehen. Motoren des Spiels sind Ereigniskärtchen (sie sagen, ob als nächstes ein Ereignis eintritt oder normal gezogen werden kann), Hobbitkarten (mit ihnen rücken die Spieler dem Ziel entgegen) und ein Würfel (mit ihm werden, meist negative, Sonderaktionen bestimmt). Daneben gibt es noch Schutzschilde, Sonderkarten, Lebensplättchen etc. und einen Hauptspielplan. Auf diesem sind zum einen alle Spielstationen aufgezeichnet und zum anderen ist eine Finsternisanzeige mit 15 Feldern zu sehen. Die Hobbits werden zu Beginn alle auf das Feld „1“, Sauron auf die „15“ gesetzt. Passiert etwas Negatives, so rücken die Figuren aufeinander zu; erreicht Sauron den Ringträger (welcher im Laufe einer Partie wechseln kann), so hat er gewonnen, genauso, wie wenn alle Abenteuer durchgespielt sind, der Ring aber noch nicht im Schicksalsberg zerstört worden ist. Da Sauron über viel Macht verfügt und allerlei Orks, Warge und Fallen auf die Helden warten, ist Kooperation unabdingbar, was dazu führt, dass Opfer – und sei es das eigene Spielerleben – unabdingbar sind. Arbeiten nicht alle zusammen und ist einer nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht, dann ist das Unternehmen mit Garantie zum Scheitern verurteilt, denn in neun von zehn Fällen gewinnt Sauron. Doch die Truppe kann sich ein anderes Ziel setzen; zum Beispiel dieses Mal weiter zu kommen als je zuvor. Die Schwierigkeiten, die sich dem Ringträger im Buch entgegen stellen, sind gut umgesetzt worden. Das mit einem hohen Glücksfaktor ausgestattete Taktikspiel dürfte auch in einigen Jahren immer wieder einmal auf dem Spieltisch landen. Für Vielspieler und Tolkien-Fans ist das Spiel geradezu ein Muss, weniger jedoch für schlechte Verlierer oder solchen, die mit der phantastischen Welt der Fantasyhelden nichts am Hut haben.
Verlag: Kosmos, Autor: Reiner Knizia, Alter: ab 10 Jahren/Erwachsene, Spieldauer: 60 bis 90 Minuten, Spieler: 2 bis 5 Spieler, Preis: rund 69 Franken
Mit freundlicher Genehmigung des Autors Christof Lampart im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -
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