Faites vos jeux  erschienen in der Neue Zürcher Zeitung in LEBENSART

«Dschunke»: Kisten stapeln in China

tom. Für einmal versuchen wir im fernen China, wo Händler ihre Waren auf «schwimmenden Märkten» anbieten, möglichst lukrative Geschäfte zu machen. Die mit Reis, Fisch, Gemüse und Gewürzen voll beladenen Dschunken liegen dicht beieinander im Hafen. Über schmale Holzstege wechseln Kaufleute und ihre Gehilfen von Boot zu Boot. Nur wer zur richtigen Zeit auf der richtigen Dschunke ist, kann Kisten stapeln, Waren zu guten Preisen kaufen und verkaufen und beim «Warenpoker» seine Konkurrenten ausstechen.
Rein äusserlich macht «Dschunke» einen hervorragenden Eindruck: Ein schön gestalteter Spielplan, atmosphärisch passendes Spielmaterial und eine gut geschriebene Regel, bei der man allerdings unbedingt alle Beispiele lesen muss, um bei Spezialfällen den Durchblick zu wahren, wecken Lust auf das Spiel. Dieses ist nicht allzu schwer, dauert nicht allzu lange und spricht all jene an, die Freude am Geschäftemachen, am Handeln und vor allem am Bieten und Steigern haben. Es gewinnt, wer am meisten Geld scheffelt. Schon zu Beginn ist das Spielende absehbar. Eine Partie «Dschunke» dauert nämlich genau zehn Runden. Die Zahl der Züge und Einflussmöglichkeiten ist somit vorgegeben. Die Schlussabrechnung droht und rückt immer näher, so entsteht durchaus ein dramaturgischer Spannungsbogen. Die eigenen Aktionen können einerseits ziemlich linear über die ganze Partie geplant, aber auch immer wieder neu angepasst werden.
Fünf Dschunken liegen im Hafen. Es gibt je eine für den Handel mit Fisch, Reis, Gemüse und Gewürzen. Auf der fünften kann mit allen vier Warensorten gehandelt werden. Die Waren liegen in Form von Karten auf den Schiffen bereit. Die Spieler versuchen im Laufe des Spiels, Kisten auf die Schiffe zu stapeln und zu verhindern, dass die eigenen von andersfarbigen Kisten der Gegner überdeckt werden. Von der Anzahl Kisten, die man auf einem Schiff hat, hängt es nämlich ab, wie viele Warenkarten und wie viel Geld man erhält, wenn man auf dem Schiff eine Aktion tätigt. Um überhaupt ins Marktgeschehen eingreifen zu können, muss man aber Kaufleute oder Gehilfen anheuern. Es gibt drei verschiedene Kaufleute, jeder ist in jeder Runde einem bestimmten Schiff zugeordnet. Sie verschieben sich von Runde zu Runde von Schiff zu Schiff. Der eine Kaufmann lädt Kisten auf das Schiff, der zweite zahlt Geld für die Anzahl vorhandener Kisten, der dritte rückt für jede Kiste eine Warenkarte heraus. Die Gehilfen können auf jenen Dschunken eingesetzt werden, auf denen sich keine Kaufleute befinden, und verfügen jeweils über eine der drei Fähigkeiten.
In jeder Runde wird durch das Aufdecken einer «Marktkarte» der Marktpreis jeder Ware neu bestimmt. Dann darf jeder Spieler der Reihe nach einen Kaufmann oder Gehilfen aussuchen und die entsprechende Aktion auf dem entsprechenden Schiff ausführen. Jeder Kaufmann und jeder Gehilfe ist pro Runde nur für einen Spieler verfügbar. Nervenkitzel kommt mit dem «Warenpoker». Verdeckt bieten die Spieler Warenkarten einer Sorte, um jenen Betrag zu kassieren, der am Anfang der Runde für jede Ware bestimmt worden ist. Wer jeweils die meisten Karten einer Sorte abgibt, erhält das Geld. Das Gemeine dabei ist aber, dass man seine eingesetzten Warenkarten selbst dann verliert, wenn man den Zuschlag nicht bekommt! Auch um Sonderkarten, die spezielle Vorteile bringen, wird geboten. Die Kaufleute werden dann auf das nächste Schiff gezogen, und der Startspieler wechselt. Dies alles geschieht, wie erwähnt, insgesamt zehnmal während des Spiels.
Es gilt, vorausschauend zu planen, sich die Warenkarten der Gegner zu merken und intuitiv zu erraten, welche dieser Karten sie beim «Warenpoker» einsetzen werden – darauf beruht der Reiz des kurzweiligen Spiels. Vieles ist über mehrere Runden hinweg planbar: Wann ist man wieder Startspieler? Wann ist welcher Kaufmann auf welchem Schiff? Ergibt sich wirklich eine Konstellation, bei der man mit den gestapelten Kisten den grossen Reibach machen kann? Vieles läuft über die Einschätzung der kommenden Züge der Mitspieler. Wenn die Gegner allerdings konzeptlos agieren oder suboptimale Züge machen, kann das die eigene Planung völlig durcheinander bringen. Weil man beim «Warenpoker» nur bei einer Warenart mitbieten darf, kann das oft ziemlich in die Hose gehen, und man verliert viele Warenkarten, ohne einen Gegenwert zu erhalten. Falls das passieren sollte, beherzigt man am besten das chinesische Sprichwort: «Ärger ist so nutzlos wie des Meeres Wellen ohne Wind.»

«Dschunke»: Wirtschaftsspiel von Michael Schacht für 3 oder 4 Personen ab 10 Jahren. Spieldauer: 45 bis 60 Minuten. Verlag: Queen Games. Preis: etwa 55 Franken. Internet: www.queen-games.de


Mit freundlicher Genehmigung des Autors Thomas Felber im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -


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