Erschienen in der Zürichsee-Zeitung: www.zsz.ch/spielend

Elfen reisen ungewöhnlich

Hohe, spitze Berge, dunkle Wälder, saftig grüne Wiesen, tiefe, unergründliche Seen und heisser Wüstensand breiten sich vor einem aus. Inmitten all dieser märchenhaften Landschaften liegen die Ortschaften des sagenumwobenen «Elfenlandes» (Spiel des Jahres 1998). Doch nicht wie in der «unendlichen Geschichte», reicht der Gedanke aus, um von Ort zu Ort zu reisen. Im Elfenland sind die Möglichkeiten nicht unbegrenzt. Es gilt die landesüblichen Transportmittel zu benutzen. Dies sind Trollwagen, Einhörner, Riesenschweine, magische Wolken, Drachen, Elfenräder, Fähren oder Flösse.

Nun ist es wichtig, möglichst die besten Fortbewegungsmittel einzusetzen, doch die sind nicht immer und überall erlaubt oder vorhanden. Die Spieler, das heisst die jungen Elfen, die vor Eintritt ins Erwachsenenleben eine Prüfung bestehen müssen, haben während vier Runden möglichst viele Elfenorte zu besuchen, um von dort ihre Ortssteine mitzunehmen. Gewonnen hat, wer die meisten Ortssteine eingesammelt hat, oder wer, bei Gleichstand, die meisten Reisekarten besitzt. Hindernisse, Kartenpech oder falsche Wegplanung können zum Sieg des Gegenspielers führen.

So geheimnisvoll die Spielidee auch klingen mag, so viele Geheimnisse birgt auch die Spielanleitung. Sie ist so komplex beschrieben, der Spielablauf wird so detailliert ausformuliert und die einzelnen Schritte sind so genau einzuhalten, dass man praktisch nur mit der Anleitung vor den Augen spielen kann. Man konzentriert sich so sehr auf die einzelnen Funktionen, dass das Spiel wenig interaktiv ist. Die Spieler sind mit sich und den unzähligen Regeln zu stark beschäftigt. Zudem, so scheint es, braucht es weniger Köpfchen und Orientierungsgeist, um den richtigen Weg von Stadt zu Stadt zu finden, als vielmehr das Glück, die richtigen Transportmittel- und Reisekarten gezogen zu haben.

Das separate Erweiterungsspiel «Elfengold», welches mit dem gleichen Grundspiel spielbar ist, verspricht mit Zusätzen wie dem Einsatz von Goldwerten, Zaubersprüchen und Auktionsphasen spannender zu werden. Es gelten in etwa die gleichen Regeln wie beim Grundspiel «Elfenland». Mit «Elfengold» geraten die Spieler mehr in Situationen, in denen sie effektiv auch mit-, beziehungsweise gegeneinander spielen. Vor allem bei der Auktion, bei der es möglich ist, durch geschickte Taktik die günstigsten Plättchen, das heisst Transportmittel, Hindernisse, Zaubersprüche und Goldstücke, zu ersteigern. Das Planen des Reisewegs wird so spannender und aktionsreicher. Mit schlauem Verhalten ist es einfacher, den Gegner von seinem Weg abzubringen.

Weder «Elfenland» noch «Elfengold» sind Spiele für Kinder ab 10, wie es auf der Schachtel angegeben ist. Bei Vorbereitungs- und Spielregellesen von bis zu 25 Minuten reisst die Geduld bei jüngeren, manchmal auch bei älteren Mitspielern vorher. Es ist auf jeden Fall empfehlenswert, sich bei diesem Spiel sehr viel Zeit und erfahrene Elfenlandreisende als Mitspieler zu nehmen. Erst so kann die Spielidee wirklich umgesetzt und auch ein gewisses Tempo in den Ablauf gebracht werden. Nur dann ist es möglich, auf all die verschiedenen Punkte zu achten und gleichzeitig auch auf den Gegner einzuwirken. Beide Spiele bieten zusätzlich Varianten in der Spielanleitung.

«Elfenland» und «Elfengold» von Alan R. Moon, für zwei bis sechs Personen ab ca. zwölf Jahren, Spieldauer rund eine Stunde (nur «Elfenland») bzw. eineinhalb Stunden (mit «Elfengold»). Preis rund 50 Franken bzw. 23 Franken. Verlag: Amigo, Importeur: Carletto AG, Einsiedlerstrasse 31a, 8820 Wädenswil.


Mit freundlicher Genehmigung der Autorin Bettina Bernet-Hug im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -


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