„Evo“: Der Evolution etwas nachgeholfen

„Evo“ ist ein vergnügliches Taktikspiel, in dessen Verlauf jeder Spieler seine Dinos zu entwickeln und über eine Insel auszubreiten versucht. Natürlich auf Kosten anderer. Damit die Echsen gedeihen, ist gutes Wetter von Nöten. Was „gut“ und was „schlecht“ ist, hängt jedoch vom gegenwärtigen Klima ab, das vor jeder Runde ausgewürfelt wird. Es gibt vier Klimazonen, nämlich Wüste, Ebene, Hügel und Gebirge. .Der Begriff „heiss“ ist jedoch relativ. Natürlich ist es in einer Wüste immer heiss, aber wenn Eiszeit herrscht, ist bereits die Ebene ein lebensfeindliches Gebiet, während man sich auf den Hügeln noch mit einem Sonnenschirm (!) behaupten kann. Die Spieler müssen ihre Dinos also so setzen, dass, ungeachtet aller möglichen Wetterturbulenzen,  möglichst viele ihrer Tiere überleben, denn pro Dino gibt es am Ende einer jeden Runde einen Punkt – und wer am meisten davon hat, gewinnt das Spiel. Dieses endet, wenn der Meteor, welcher jede Runde ein Feld in Richtung „Einschlag“ vorrückt (das genaue Ende wird jedoch ausgewürfelt)  einschlägt; was frühestens bei acht spätestens nach 14 Runden der Fall ist. Der Sonnenschutz gehört zu den Evolutionsmerkmalen, die je einmal pro Runde aus einem Beutel gezogen und versteigert werden. Ein ausgeklügelter Mechanismus sorgt dafür, dass jeder Schöpfer günstig zu einem Ausstattungsteil kommen kann. Zur Auswahl stehen Ei (Nachwuchs), Sonnenschutz, langer Schwanz (Startspieler), Hörner (Kampf), Felle, Aktionskarten etc. Diese Ausstattungsteile kann er seinen Dinos zuordnen, allerdings kann jedes Teil nur für einen Dino verwendet werden. Wird also eine fünfköpfige Dinoherde von einem plötzlichen Kälteeinbruch überrascht, so überleben, bei einem Besitz von drei Fellen, nur drei Urzeitechsen. Aktionskarten, von welchen alle zu Beginn drei Stück haben, können zudem die ausgeklügeltsten Taktiken über den Haufen werfen. Da wird beim Kampf schon einmal der „Grosse Bruder“ zur Hilfe gerufen oder das Wetter geändert. Zwar ist keine Karte schlecht, aber es gibt doch sehr starke und weniger starke, so dass ein Spieler bei einseitigen Kartenglück einen nicht wesentlichen Vorteil herausholen kann. Das Spiel ist also nicht in allen Belangen ausgewogen, aber das war die Evolution ja noch  nie. „Evo“  ist ein komplexes, aber nicht kompliziertes und zudem kurzweiliges Familienspiel, das jene ansprechen dürfte, die gerne Taktikspiele mit einem relativ grossen Glückanteil spielen. Die im Comicstil gehaltenen Zeichnungen sind schön, die Regel übersichtlich. Nur bei den Regelzusammenfassungen (nur zwei für fünf Spieler, und diese in winziger Schrift) hat der Verlag unnötigerweise geknausert und auch die Zählleiste ist ein wenig mickrig ausgefallen.

Verlag: Eurogames, Autor: Philippe Keyaerts, Alter: ab 12 Jahren/Erwachsene, Spieldauer: 60 bis 120 Minuten, Spieler: 3 bis 5 Personen, Preis: rund 60 Franken


Mit freundlicher Genehmigung des Autors Christof Lampart im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -


© 1998 - Felsberger S & A Spiel & Art AG, Tannenstrasse 40, CH-9010 St. Gallen. Update: 03.10.2001