Neue Zürcher Zeitung LEBENSART
Faites vos jeux «Formula Dé»: Wer konstruiert den schnellsten Rennwagen?tom. Am Sonntag startet in Melbourne die neue Formel-1-Saison. Während in Computerspielläden Simulationen von Autorennen ganze Regale füllen und Autorennbahnen nach wie vor zu den Verkaufsschlagern der Spielwarenbranche gehören, fristen Brettspiele zum Thema doch eher ein Schattendasein. Geschwindigkeit und Reaktionsvermögen lassen sich halt nur schwer auf dem Spielbrett simulieren. Ausnahmen gibt es. Eine der gelungenen Kreationen zum Thema ist das ursprünglich französische Spiel «Formule Dé», das nach dem Konkurs des Verlages Ludodélire nun von Eurogames/Descartes unter dem leicht abgewandelten Namen «Formula Dé» in einer deutschen Ausgabe aufgelegt worden ist.
Positiv hervorzuheben an diesem Spiel ist zunächst, dass die Zahl der verfügbaren Mitspieler egal ist. Es ist sowohl zu zweit als auch zu fünft oder zu zehnt reizvoll. Ausserdem sind die Grundregeln in verschiedenen Stufen ausbaubar, so dass aus «Formula Dé» je nach Lust und Laune ein einstündiges, einfaches oder ein langes, anspruchsvolleres Spiel wird. Allein schon sehenswert sind die verschiedenen liebevoll gestalteten Spielpläne, welche Luftaufnahmen heutiger und ehemaliger Formel-1-Rennstrecken nachempfunden sind und viele winzige und witzige Details enthalten. Dem Grundspiel sind die Rennstrecken von Monte Carlo und Zandvoort beigelegt. Vier weitere Pläne mit je zwei Zusatz- Strecken sind bisher separat erhältlich. Im Laufe dieses Jahres sollen sechs neue Pläne mit zwölf zusätzlichen Strecken veröffentlicht werden.
Wie der Name schon sagt (Dé ist französisch und heisst Würfel), werden die Motoren der Rennboliden bei «Formula Dé» von Würfeln auf Touren gehalten. Jedes Auto hat sechs Gänge. Für jeden Gang gibt es einen eigenen Würfel mit eigener Flächenzahl: einen Vierseiter für den ersten Gang, sowie einen Sechs-, Acht-, Zwölf-, Zwanzig- und Dreissigseiter. Vor jedem Zug muss der Fahrer bestimmen, in welchem Gang er weiterfahren und welchen Würfel er benützen will. So kommt man im ersten Gang je nach Wurf ein oder zwei Felder weit, im sechsten Gang mindestens 21 Felder und höchstens 30. Dank ausgeklügelten Regeln ist «Formula Dé» aber alles andere als ein langweiliges Würfelspiel. Eine entscheidende Rolle spielt die Risikobereitschaft der Fahrer bei der Wahl des Ganges. Denn es gilt nicht, möglichst hohe Werte zu würfeln. Die Kurven lassen nur eine bestimmte Höchstgeschwindigkeit zu, die durch die Zahl der Stopps bestimmt wird, welche ein Auto in der Kurve einlegen muss. So ist ein hoher Wurf sogar ziemlich oft ziemlich schlecht. Fährt ein Auto nämlich über die Kurve hinaus, gibt es Reifenschäden, man strapaziert seine Bremsen, oder das Auto scheidet gar aus. Dazu muss man wissen, dass jeder Rennwagen über eine bestimmte Anzahl von Bonuspunkten in den Bereichen Bremsen, Motor, Karosserie, Benzinverbrauch, Reifen und Strassenlage verfügt. Zur Herausforderung wird «Formula Dé» in der Fortgeschrittenen-Version, wenn jeder Fahrer insgesamt zwanzig solcher «Verschleisspunkte» selber auf die sechs Fahrzeugeigenschaften verteilen muss, den Wagen also selber konstruiert. Von der gewählten Verteilung hängen dann die Fahreigenschaften des Wagens ab, etwa wie oft man Gänge überspringen kann, in wie vielen Feldern man insgesamt abbremsen kann oder wie viele Rempler mit anderen Wagen die Karosserie zulässt, bis sie auseinanderbricht. Mit jedem Auto kann so eine ganz andere Fahrstrategie angewendet werden. Für erfahrene Fahrer gibt es sechs weitere Zusatzregeln, die je nach Geschmack integriert werden können und den Spielverlauf noch packender machen.
Dazu zählen unterschiedliche Reifentypen, Boxenstopps, Windschatten-Fahren und überraschender Wechsel der Wetterverhältnisse während des Rennes. Letzterer kann schon mal dazu führen, dass ein zehnköpfiges Fahrerfeld schlagartig auf die Hälfte dezimiert wird. Damit wären wir auch schon bei einem wichtigen Negativpunkt: Man kann in diesem Spiel ausscheiden, im Extremfall bereits nach zehn Minuten. Dann ist man möglicherweise den ganzen Rest der Partie zum Zuschauen verdammt. Bei zwei bis fünf Spielern (was dem Normalfall entspricht) wird dieses Risiko verkleinert, da jeder zwei Autos lenkt. Ansonsten kann ein Computerspiel im Nebenzimmer das Problem lösen. «Formula Dé» ist ein waschechtes Zocker-Spiel. Fährt man auf Sicherheit, kommt man zwar bestimmt ins Ziel, gewinnt aber nicht. Die Erfolgschancen sind vor jedem Wurf mit dem Wahl des Würfels kalkulierbar. Dank den verschiedenen Strecken können über Monate hinweg Formel-1-Weltmeisterschaften mit wechselnden Gastgebern ausgetragen werden. Weil es bei zehn Fahrern relativ lange dauert, bis man wieder an der Reihe ist, haben wir auch schon zwei Rennen simultan durchgeführt, was keinerlei Probleme bereitete. Lange Abende sind dann aber programmiert. Bei zehn Rennfahrern benötigt man für die Absolvierung einer Runde etwa zwei Stunden.
«Formula Dé» von Laurent Lavaur und Eric Randall, Verlag: Eurogames/Descartes. 2 bis 10 Spieler ab 12 Jahren. Dauer einer Partie: je nach Spieler- und Rundenzahl 1 bis 4 Stunden. Preis des Basis-Spiels mit zwei Rennstrecken: etwa 59 Franken. Weitere Streckenpläne: je 29 Franken.
Mit freundlicher Genehmigung des Autors Thomas Felber im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -
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