Faites vos jeux erschienen in der Neue Zürcher Zeitung in LEBENSART

Quadratische Kärtchen – mal geschickt gesammelt, mal geschickt gelegt

tom. «Fossil» und «Carat» sind Spiele, die ausgesprochen ruhig ablaufen. Konzentriertes Denken beherrscht die Spielatmosphäre. Beide Spiele werden mit quadratischen Kärtchen auf quadratischen Spielplänen gespielt. Die Spielmechanismen sind aber völlig anders.
Der Hauptunterschied: bei «Carat» legt man Kärtchen, bei «Fossil» sammelt man sie vom Spielplan auf. Trotzdem gibt es weitere Gemeinsamkeiten: beide Spiele haben simple Regeln, sind aber anspruchsvoll, da von reiner Mathematik beherrscht. Beides sind abstrakte Taktikspiele, denen ein beliebiges Spielthema verpasst worden ist, allerdings sehr zu ihrem Vorteil. Vor allem bei «Fossil» verdanken wir der optischen Umsetzung des Themas eines der schönsten Brettspiele des Jahres.
Bei «Fossil» sind zu Beginn neun Scherben von neun verschiedenen Versteinerungen in Form von Kärtchen zufällig auf einem Spielplan mit 81 Feldern ausgelegt. Die Werte der einzelnen Teile sind unterschiedlich. Auf zwei der Kärtchen liegen Wertungssteine. Wer an der Reihe ist, muss einen solchen Stein in waagrechter oder senkrechter Linie auf ein neues Kärtchen versetzen. Dieses darf er in seine Sammlung aufnehmen. Für den Zug muss er allerdings je nach Zugweite eine Anzahl von Punkten bezahlen. Sind alle neun Teile eines Fossils gesammelt worden, kommt es zur Abrechnung. Je nach Werten und Menge der gesammelten Kärtchen erhält man Punkte.
Durch das schöne Material wird die Übersichtlichkeit zwar etwas beeinträchtigt, und die missratene Gestaltung der Punkte-Zählleiste kann leicht zu Abrechnungsfehlern führen. Trotzdem ist die amerikanische Ausgabe von «Fossil» 1998 von der Spielszene in den USA auf den 1. Platz einer «Top 100»-Liste gesetzt worden.

«Carat» ist ein Spiel, das bereits 1993 im Eigenverlag «db-Spiele» des Autors Dirk Henn erschien und nun – genau wie «Showmanager» oder «Stimmt so» – von Queen Games neu herausgebracht worden ist. Hier gibt es 36 Spielfelder, an deren Eckpunkten Zahlenchips mit Punktewerten liegen. Die Kärtchen sind – nicht wie auf der Photo – knallbunt. Auf jedem Kärtchen sind vier Diamanten mit jeweils einem identischen Carat-Wert zwischen 1 und 6 in den vier vorhandenen Spielerfarben abgebildet. Reihum legt nun jeder Spieler ein solches Kärtchen auf den Plan, wofür es natürlich unzählige verschiedene Möglichkeiten gibt. Mit jedem Zug verschafft man unweigerlich allen vier Spielern Ansprüche auf Punkte. Denn sobald ein Zahlenchip vollständig von Diamanten umschlossen ist, erhält jener Spieler, an dessen Farbe die meisten Carat an den Zahlenchip angrenzen, den Chip.
In der Zwei-Personen-Variante werden beide Spiele zu hochgradigen Denkspielen. Die richtige Würze bekommen sie aber nur mit dem Zufallsfaktor und den kleinen Gemeinheiten im Vier-Personen-Spiel. Es sind solide, aber wenig spektakuläre Spiele. Eminent wichtig ist es, an welcher Position man am Tisch sitzt. Die taktischen und mathematischen Fähigkeiten aller Mitspielenden sollten etwa ausgeglichen sein. Als Familienspiele für gemischte Runden mit Erwachsenen und Kindern verschiedener Altersstufen sind sie nicht geeignet. Durchschaut nämlich ein Spieler den Mechanismus weniger gut als die anderen, so wird jener gewinnen, der nach diesem Schwächsten an die Reihe kommt, weil er ständig von dessen Fehlern profitieren kann.

«Fossil», Denkspiel von Klaus Palesch für 2 bis 6 Spieler ab 10 Jahren. Verlag: Goldsieber. Spieldauer: 30 bis 60 Minuten. Preis: etwa 30 Franken.
Verlagsadresse: Werkstrasse 1, D-90765 Fürth, Tel. (0049) 911 97 65 01.

«Carat», Legespiel von Dirk Henn für 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren. Verlag: Queen Games. Spieldauer: 30 bis 60 Minuten. Preis: etwa 55 Franken.
Verlagsadresse: Langbaurghstr. 7, D-53842 Troisdorf-Spich, Tel. (0049) 2241 4900 0.


Mit freundlicher Genehmigung des Autors Thomas Felber im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -


© 1998 - Felsberger S & A Spiel & Art AG, Ilgenweg 8, CH-8270 Sirnach. Update: 08.04.2004