Neue Zürcher Zeitung LEBENSART

Faites vos jeux

 Fussball-WM-Fieber mit Fred Ballermann, Gerd Rumsteher und Co.

tom. Falls die kommende Fussball-WM am TV zeitweise öde und langweilig wird, kann ein Spiel vor dem Fernseher Abhilfe schaffen. Fussballfans brauchen dabei nicht auf ihr Lieblingsthema zu verzichten. Neben Klassikern wie dem «Jöggeli- Kasten» oder dem legendären «Tipp Kick», erobern stets neue Fussballspiele die Regale der Spiele-Läden. Die Firma Hasbro, die mit den bekannten Marken «Parker» und «MB» den Markt beglückt, hat ihr Sortiment dieses Jahr völlig auf die Fussball-WM abgestimmt. Fussball-Editionen gibt es sowohl vom Frage-und-Antwort-Spiel «Trivial Pursuit» als auch von «Monopoly». Die «Trivial Pursuit»-Ausgabe richtet sich eher an waschechte Freaks, die zum Beispiel wissen, wie der Chefkoch hiess, der 1966 in England für das leibliche Wohl der deutschen Spieler sorgte. Viele Fragen sind zudem ziemlich Deutschland- lastig.
Die «Monopoly-WM-Fussball-Edition» ist ein Marketing-Gag. Die Regeln entsprechen bis ins Detail dem Standard-Monopoly. Von den Spielern werden aber nicht Grundstücke, sondern Spielfelder für 22 Nationalmannschaften gekauft, auf die – statt Häuser und Hotels – Tribünen und Stadien gebaut werden. Auch die Schweiz ist vertreten, auf dem zweitbilligsten Platz. Das schnelle Aktionsspiel «Pro Action Football», bei dem ein Ball auf einer Spielmatte mit Fingerspitzengefühl durch Figuren ins gegnerische Tor befördert werden muss, ist dagegen ein echtes Fussballspiel. Leider sind die als Comic strips gestalteten Regeln für einen Laien schlicht unbrauchbar, so dass es einen Routinier braucht, der das Spiel erklärt. Clever, kurzweilig und empfehlenswert für anspruchsvolle Spieler ist «Finale» aus dem Hause Kosmos. Nach dem Siedler-Kartenspiel und «Caesar und Cleopatra» ist es das dritte Kartenspiel für zwei Personen, das der Kosmos-Verlag innerhalb eines Jahres auf den Markt gebracht hat. Es ist sehr taktisch, verfügt aber über einen ausgewogenen Glücksfaktor. Der SV Stollen tritt gegen den FC Acker an, jeder Verein hat 30 individuelle Kicker unter Vertrag: Stürmer, Mittelfeldspieler, Verteidiger und Torhüter. Sie tragen Namen wie Timo Brecher, Fred Ballermann, Clint Durchschuss, Karl Rempler oder Erwin Pfosten. Auf den 60 Fussballerkarten sind Porträts der Kicker, ihre Position, Spielstärke, Verletzungsanfälligkeit und Aggressivität vermerkt.
Zu Beginn einer Partie muss jeder Trainer ein Team von 15 Spielern zusammenstellen. Es darf eine gewisse Gesamtstärke nicht überschreiten. Elf Spieler treten an, vier sind Ersatz. Wie viele Stürmer, Mittelfeldspieler und Verteidiger in der Startaufstellung stehen, ist Sache des Trainers. «Taktik-Karten», welche die Trainer ausspielen, bestimmen später im Spiel jeweils Anzahl und Positionen eigener und fremder Kicker, die an einer Spielaktion beteiligt sind. Die Stärken der taktisch ausgewählten beteiligten Kicker werden zusammengezählt und mit der Zahl eines glücksabhängigen Würfelwurfs addiert. Das Team, das die höhere Summe erzielt, bleibt – je nach Spielphase – im Angriff, kontert oder erzielt ein Tor. Dass die Spielstärke jedes Kickers schwankt, ist der besondere Reiz des Spiels: Die Stärke ist mit einer Anzahl von Bällen an jeder Seite der quadratischen Kicker-Karte dargestellt. Wenn ein Kicker an einer Aktion beteiligt war, wird seine Karte um 90 Grad gedreht. Die Zahl der Bälle, die nun oben auf der Karte ist, gibt die neue Stärke an. Durch das Drehen der Karten wechselt das Leistungsvermögen eines Teams ständig.
Als Trainer muss man versuchen, diesen Mechanismus vorausschauend zum eigenen Vorteil zu steuern. Die Kicker sind zudem – je nach Symbol – unterschiedlich anfällig auf Verletzungen, auf gelbe und rote Karten und können ausscheiden. Diese Effekte treten bei bestimmten Würfelzahlen ein. Risikobereitschaft beeinflusst somit die Mannschaftsaufstellung und den Erfolg des Trainers. Die Auswahl von zueinander passenden Taktik- und Kicker-Karten vor einer Partie ist entscheidend und kann als wahre Wissenschaft betrieben werden. Unzählige Möglichkeiten sorgen für immer neue spannende Partien.

«Finale» von Oliver Abendroth, Verlag: Kosmos. 2 Spieler ab 12 Jahren, Spieldauer: 30 Minuten, Preis: etwa 26 Fr. «Trivial Pursuit World Cup Edition», Parker, 2 bis 6 Fussballfans ab 15 Jahren, Spieldauer: je nach Wissensstand; etwa 65 Fr. «Monopoly-WM-Fussball-Edition», Parker, 2 bis 8 Spieler ab 8 Jahren. Dauer: 1 bis 3 Stunden; etwa 60 Fr. «Pro Action Football», Parker, 2 Teams oder Spieler ab 8 Jahren; etwa 87 Fr.


Mit freundlicher Genehmigung des Autors Thomas Felber im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -


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