Neue Zürcher Zeitung LEBENSART
Faites vos jeux «Gambler»: Passen oder weitermachen? Nur der letzte Würfel zählttom. Der Ravensburger-Verlag hat in diesem Frühjahr eine neue Marke für Spiele lanciert. Die beiden Buchstaben «FX» stehen für eine Reihe, die sich speziell an Erwachsene richten soll. Unter dem Markennamen «Ravensburger» werden weiterhin Kinder- und Familienspiele sowie Spielserien mit pädagogischer Ausrichtung oder Bildungsinhalten wie «Think» vertrieben. Die dritte Marke, «F.X. Schmid», soll in Zukunft vor allem für klassische Spielkarten verwendet werden. Die «FX»-Reihe wurde mit acht Titeln gestartet. Allerdings befinden sich darunter die fünf bewährten Spiele «Bluff», «Nobody is perfect», «Haste Worte», «Personality» und «Partytime», die nur optisch der neuen Linie angepasst wurden. Die drei Titel «Tres», «Rondo» und «Gambler» sind eigentliche Neuheiten. Bei «Gambler» handelt es sich um die deutsche Lizenzausgabe eines Würfelspiels, das 1996 in den USA bei MB unter dem Titel «Sharp Shooter» erschienen ist.
«Gambler»: Der Name weckt Assoziationen an glitzernde Kasinosäle, verrauchte Pokerrunden, scheppernde Würfelbecher und Spielkarten, die sich in schweissnassen Händen biegen. Dass das Spiel in einer Erwachsenenreihe erschienen ist, muss mit diesem Namen zusammenhängen. Komplex ist es nämlich überhaupt nicht. Zwar steht auf der Packung als Altersangabe «12 bis 99». Bereits wesentlich jüngere Spieler begreifen den einfachen Mechanismus aber mit Leichtigkeit. «Gambler» bedient sich des Grundprinzips, das von «Yatzy» bekannt ist. Mit Würfeln wird versucht, Kombinationen wie Zahlenpaare oder Strassen zu schaffen. «Gambler» bringt aber Interaktion ins Spiel. Jeder beteiligt sich an der selben Aufgabe und kann versuchen, die Mitspieler für seine Zwecke arbeiten zu lassen. Es gilt, Zahlenreihen, die auf einem Spieltableau vorgegeben sind, mit seinen Würfeln abzudecken. Jedes Spieltableau enthält sechs unterschiedlich lange und unterschiedlich wertvolle Reihen mit Würfelsymbolen. Eine Reihe darf allerdings immer nur von links nach rechts abgedeckt werden. Ausserdem herrscht Zugzwang; hat man mindestens einen passenden Würfel, muss man ihn ablegen. Danach kann der Spieler entscheiden, ob er weitere Würfel legt, mit den ihm verbliebenen Würfeln nochmals würfelt oder passt und das Spiel an seinen Nachbarn weitergibt. Der Clou der Sache: Nur wer den allerletzten Würfel in eine Reihe legt, erhält die dafür vorgesehenen Punkte, die in Chips ausgezahlt werden. Allerdings gibt es auch schwarze Reihen, die es zu vermeiden gilt, weil man dort Chips verliert. Da jeder nie über mehr als fünf Würfel verfügt, sind wertvolle Reihen von sechs Symbolen gar nie alleine zu schaffen. Um lukrative Gewinne einzustreichen, ist deshalb die Vorarbeit der Mitspieler notwendig. Soll man nicht lieber versuchen, die Punktewerte kleiner Reihen zu kassieren, oder soll man abwarten und hoffen, dass sich die Gegner an den wertvollen Reihen die Zähne ausbeissen und ihre Würfel frühzeitig verheizen? Neben Risiko und Würfelglück machen auch fiese Entscheidungen der Mitspieler, die einen absichtlich ins Pech laufen lassen, eine Partie unberechenbar. Oft liegen die Nerven blank, und bei überraschenden Schicksalswendungen kann leicht die ganze Runde aus dem Häuschen geraten.
«Gambler» ist ein kurzweiliger Party-Spass, der jung und alt an einem Tisch vereinen kann. Das Spiel eignet sich, um eine Gästeschar zu Beginn eines fröhlichen Abends richtig in Schwung zu bringen. Es ist rasch erklärt, benötigt keine besonderen Fähigkeiten und bleibt stets hochspannend. Je mehr Gambler mitzocken, desto lustiger kann es werden. Wahre Zocker werden allerdings ein grundlegendes Element des Gamblens vermissen: Zu Bluffen gibt es in diesem Spiel gar nichts.
«Gambler», Würfelspiel für 2 bis 6 Spieler ab 10 Jahren. Verlag: Ravensburger, Lizenzgeber: Breslow, Morrison and Terzian (BMT), Spieldauer: 30 bis 60 Minuten. Preis: etwa 55 Franken.
Mit freundlicher Genehmigung des Autors Thomas Felber im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -
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