Erschienen in der Weltwoche
INPUT: Klare Formen, klare Farben
So viele Charaktere und Temperamente, so viele Spiele: Manche lieben Spiele mit Action, andere mögen Strategie und Taktik oder lieben es, wenn bei einem Spiel ihre detektivischen Fähigkeiten zum Zuge kommen. Schliesslich gibt es Menschen, die ruhige Spiele vorziehen, Legespiele beispielsweise, bei denen sich auf dem Tisch etwas zu einem Ganzen entwickelt oder mit farbigen Teile immer wieder neue Formen gebildet werden. Weil bei dieser Art von Spielen nie direkt gegeneinander gekämpft und keine Figuren geschlagen (oder getötet) werden, sind sie erfahrungsgemäss bei Frauen sehr beliebt. «Input» dürfte demnach hier grossen Anklang finden, auch wenn es über ein reines Legespiel hinausgeht.
Edelbert Wiedmann, der Autor des Spiels, ist ein bayerisches Original. Den Übernamen «Sepp», der auf der Verpackung aufgedruckt ist, gaben ihm seine Kommilitonen während des Architekturstudiums in Berlin. Aus dieser Zeit stammt auch die Idee für das Spiel. Unverkennbar ist die Handschrift des Designers: Klare Formen und klare Farben prägen Inhalt, Gestalt und Material des attraktiven Spiels, das alle in seinen Bann zieht, wo es auch aufliegt.
Bei «Input» geht es darum, die Zahlen auf den zehn Karten aus jeweils fünf Steinen zusammenzusetzen und mit den fertigen Zahlen Punkte für sich zu ergattern. Jeder der zwei oder drei Mitspieler verfügt über sieben Setzsteine in seiner Farbe. Sie sind beidseitig mit Symbolen bedruckt. Der Witz des Spiels besteht darin, dass der Setzstein umgedreht werden muss, bevor man ihn auf eine Zahlenkarte legen kann. Man muss sich also vor jedem Zug gut überlegen, wo das Symbol verborgen sein könnte, mit dem man beim Ablegen am meisten profitieren könnte. Dabei ist es möglich, Steine entweder aus dem eigenen Vorrat, aus einer begonnenen oder einer abgeschlossenen Zahl zu verwenden. Diese Bestimmung hat eine dauernde Veränderung auf den Zahlenkarten zur Folge, was «Input» eine eigene Dynamik verleiht.
Besonders gefragt ist in «Input» die Merkfähigkeit der Mitspielenden. Nicht nur beim Setzen des punktebringenden Schlusssteins, den man nur ablegen darf, wenn man ihn auch angesagt hat, sondern bei jedem Zug. Wer vergisst, was sich unter den Steinen verbirgt, hat gegenüber Gedächtniskünstlern keine Chance. Erfahrene Memory-Spieler wissen, dass Erwachsene bei solchen Spielen sehr oft den kürzeren ziehen. Jedenfalls sind Kinder hier gleichberechtigte Partner. Ob sie vom abstrakten «Input» allerdings angezogen werden, ist fraglich. Deshalb scheint es eher für Erwachsene geeignet, die an Farbe und Form Freude haben und gleichzeitig eine unterhaltende geistige Herausforderung suchen.
Titel: Input, Autor: Edelbert Wiedmann
Mit freundlicher Genehmigung des Autors Synes Ernst im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -
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