Faites vos jeux erschienen in der Neue Zürcher Zeitung in LEBENSART

«Kahuna» und andere Spiele für die Insel der Zweisamkeit 

tom. Mit der Veröffentlichung des Siedler-Kartenspiels entdeckte der Kosmos-Verlag im Herbst 1996 erfolgreich die Zwei-Personen-Haushalte als Zielgruppe. Es folgten die Kartenspiele «Cäsar & Cleopatra» und «Finale»: schon war eine Reihe von neuartigen, anspruchsvollen Zwei-Personen- Spielen geboren, an denen auch Menschen ihre Freude haben, die abstrakte Denkspiele meiden. Mittlerweile ist die Reihe mit «Kahuna», «Lost Cities» und «Druiden-Walzer» bereits auf ein halbes Dutzend Titel angewachsen.
Merkmal sämtlicher Spiele ist die handliche quadratische Schachtel, ein Preis um 30 Franken sowie ein Spieldesign, das im Gegensatz zur doch eher trockenen Aufmachung vieler taktischer Zweierspiele steht, bei denen geometrische Spielpläne, Linien und Zahlenwerte die Spiellust von sinnlichen Menschen bremsen. Alle Spiele der Kosmos-Reihe sind bunt und thematisch in eine Geschichte mit einer speziellen mehr oder weniger dichten Spielatmosphäre verpackt.
So entführt «Kahuna», das als erstes Spiel der Reihe einen Spielplan besitzt, in die azurblaue Inselwelt der Südsee. Als «pazifischer Priester» versucht jeder, die Mehrheit von zwölf Inseln eines Atolls unter seine Kontrolle zu bringen. Die Inseln sind mit Linien netzartig untereinander verbunden. Während vom zentralen Eiland «Elai» sechs Nachbarinseln erreicht werden können, verfügt etwa «Aloa» nur über drei Verbindungen. Durch das Ausspielen von entsprechenden Insel-Karten dürfen Stäbchen auf Verbindungen gelegt werden. Wer bei einer Insel mehr als die Hälfte der Linien schafft, nimmt sie in Besitz. Bei einer Machtübernahme dürfen sogar die Stäbchen des Gegners entfernt werden. Eine Partie «Kahuna» bietet ein wahres Wechselbad der Gefühle. Die Besitzverhältnisse ändern oft und ziemlich überraschend. Obwohl wesentlich taktischer im Ablauf als etwa «Cäsar & Cleopatra», spielt der Glücksfaktor eine nicht zu unterschätzende Rolle, was dem Spiel seine Leichtigkeit bewahrt. Nicht immer kommt man an die passende Karte, die man für die Besitznahme eines Eilands benötigt. Dann heisst es Abwarten, Karten sammeln, Nägel kauen und sich am guten Spiel erfreuen.
«Lost Cities» ist ein lockeres, relativ einfaches Karten-Ablege-Spiel, das süchtig machen kann. Eine Partie dauert nur etwa zehn Minuten, und selbst «Dumpfbacken» haben die Regeln schnell kapiert. Der hohe Wiederholungsreiz, der auf den Revanchegelüsten des Verlierers basiert, verhilft zu durchspielten Nächten, nach denen man um 7 Uhr morgens beim Stand von 21 zu 17 schon mal über dem Spieltisch einschläft. Das Spielthema ist leider etwas aufgesetzt. Man muss «Expeditionsrouten» in entlegene Weltgegenden führen, um «Ruhmespunkte» zu ergattern. Das bedeutet nichts anderes, als möglichst lange Reihen gleichfarbiger Karten zu legen, wobei jede neue Karte einer Reihe einen höheren Wert als die zuletzt gelegte Karte haben muss. Das ist ziemlich nervenaufreibend, weil man nie die passenden Karten in der Hand hat und mit abgeworfenen Karten womöglich noch dem Gegner zum Sieg verhilft.
Eindeutig schwerer verdaulich ist «Druiden- Walzer», ein «sagenhafter Kartentanz», bei dem sich der Mond- und der Sonnenkult duellieren. Jeder Spieler ist Druide und besitzt vier Bäume. Das Spielfeld wird aus einem Kreis der acht Bäume gebildet. An jedem Baum liegen Geister- Karten. Diese Baumgeister haben unterschiedliche Zahlenwerte. Durch das Legen zusätzlicher Geister wird jeweils ein «Druiden-Walzer» ausgelöst, was bedeutet, dass sich Baumgeister entlang der Bäume in eine bestimmte Richtung eine bestimmte Strecke weit fortbewegen, um sich am Ankunftsort auf Grund ihrer Stärken zu duellieren. Je nach Ausgang der Duelle werden eigene oder fremde Bäume geschwächt. Sobald ein Spieler zwei Bäume verloren hat, verliert er das Spiel. «Druiden-Walzer» spielt sich eher spröde. Es muss viel vorausgeplant werden, was aber nicht so recht zum sehr hohen Glücksfaktor passen will. Uns ist der besondere Reiz des Spiels bisher leider verborgen geblieben.

«Kahuna», taktisches Legespiel von Günter Cornett für 2 Spieler ab 10 Jahren. Spieldauer: 30 bis 60 Minuten. Preis: etwa Fr. 30.–.
«Lost Cities», Kartenspiel von Reiner Knizia für 2 Spieler ab 10 Jahren. Spieldauer: 15 bis 30 Minuten, Preis: etwa Fr. 25.–.
«Druiden-Walzer», Kartenspiel von Michael Rieneck für 2 Spieler ab 12 Jahren. Spieldauer: 30 bis 50 Minuten. Preis: etwa Fr. 30.–.
Alle erschienen im Kosmos-Verlag. Vertrieb in der Schweiz: Lemaco SA, Chemin du Croset 9, 1024 Ecublens.


Mit freundlicher Genehmigung des Autors Thomas Felber im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -


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