Erschienen in „Der Landbote“ in der Beilage „spots“
Kleine Machtspiele im Mittelalter: „Kardinal und König“
Die diesjährige GOLDSIEBER-Neuerscheinung „Kardinal und König“ weiss zu überzeugen. Der Spielplan zeigt eine mittelaltterliche Karte Europas mit den Ländern Frankreich, England, Schwaben, Lothringen, Italien, Burgund, Bayern, Franken und Aragon. Ziel der Spieler ist es, am meisten Punkte zu haben, wenn der Kartenstapel zweimal durchgespielt und das Spiel somit zu Ende ist. Punkte erhält, wer Klöster gründet, diplomatische Bündnisse zwischen Ländern knüpft und Strassen baut. Was hier nach einer Mammut-Aufgabe klingt, ist jedoch viel einfacher, denn stundenlange Planung ist nicht nötig, um bei „Kardinal und König“ Erfolg zu haben. Das Spiel ist zwar nicht kompliziert, jedoch ziemlich komplex. Unter anderem sehen sich die Spieler immer wieder dazu gezwungen, ihre soeben gemachten Überlegungen über den Haufen zu werfen, was dem Spiel viel Dynamik und einen hohen Reiz zum Wiederspielen verleiht. Oft schliesst sich einer ersten Partie noch eine zweite an, da man etwas entdeckt hat, was man - bei der Revanche - anders machen würde.
Zu Beginn erhält jeder Spieler drei Karten; die Restkarten bilden den Nachziehstapel. Zwei Karten werden offen neben den Stapel gelegt; die Spieler dürfen nach ihrem Zug also offen oder/und verdeckt nachziehen. Jede Karte zeigt eine Farbe und zwei Ländernamen, z.B. Grün und Bayern/Burgund. Wer diese Karte spielt, kann nun ein Kloster oder einen Rat in Bayern oder Burgund einsetzen. Jeder Spieler kann bis zu drei Karten ausspielen und bis zu zwei Figuren einsetzen. Allerdings darf in leere Länder nur ein Kloster gesetzt werden. Jeweils am Ende der beiden Wertungsrunden wird geschaut, wer die relative Mehrheit in den Ländern hat, wobei der Erste die Anzahl aller in diesem Land befindlichen Klöster gutgeschrieben erhält. Der Zweite erhält so viele Punkte, wie der Erste in diesem Land Klöster eingesetzt hat usw..
Ein Rat darf erst eingesetzt werden, wenn im Land mindestens ein Kloster vorhanden ist. Grundsätzlich gilt: Die Mehrheit an Klöstern in einem Land gibt die maximale Anzahl an Räten dort vor. Dabei darf ein Spieler auch Räte in ein Land setzen, in dem er selbst keine Klöster besitzt. Räte sind für Bündnisse wichtig. Wer bei Spielende in zwei bündnisfähigen Ländern jeweils die Rätemehrheit hat, kann sich die Anzahl aller Räte als Punkte gutschreiben.
KARDINAL UND KÖNIG ist ein fein abgestimmtes, taktisches Setzspiel mit ausreichend grossen Glücksmomenten. Es ist einen Kauf wert für jeden Taktiker. Glückspilze brauchen einen langen Atem, um zu gewinnen.
Verlag: Goldsieber, Autor: Michael Schacht, Alter: ab 12 Jahren, Spieldauer: 50 bis 60 Minuten, Spieler: 3 bis 5 Personen, Preis: ca. Fr. 35.--
Mit freundlicher Genehmigung des Autors Heinz Lanz im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -
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