Faites vos jeux erschienen in der Neue Zürcher Zeitung in LEBENSART
Fischende Eskimos, platzende Schweinebäuche und hungrige Steinbeisser
Eine bunte Palette von empfehlenswerten Kinderspielen
fsi. Das Anglerspiel gehört zu den Klassikern unter
den Kinderspielen. Man fischt mit einem Magnet an der Rute im Verborgenen, zieht
mit etwas Glück einen fetten Brocken an Land und hofft, in der Endabrechnung
den bestgefüllten Fischkasten zu haben. «Kayanak», das mehrfach
ausgezeichnete Kinderspiel des Jahres 1999, baut auf dieser Spielidee auf. Die
Fischer sind hier Eskimos, oder politisch korrekt: Inuit, die zum Angeln auf das
Packeis ziehen und erst einmal mühsam Löcher in die Eisdecke schlagen müssen.
Je nach Würfelglück können die Spieler mehr oder weniger Eislöcher
aufbrechen. Dies geschieht mit dem angespitzten Schaft der hölzernen Angelrute,
mit dem ein in den Spielplan geklemmtes Blatt Papier aufgestochen wird – ein
besonderes Vergnügen für kleine wie grosse Kinder und ein reizvolles Mittel,
um die Eisdecke sozusagen wirklichkeitsnah zu simulieren.
Sind die Löcher einmal offen, bestimmen wiederum die Würfel, ob der Spieler
sein Anglerglück versuchen darf, ob er weiterziehen muss oder weitere Löcher
schlagen kann. Wirft er ein Fragezeichen, darf er seine Punkte auf diese drei
Aktionsmöglichkeiten verteilen. Und damit auch etwas Taktik ins Spiel kommt,
gibt es einen Temperaturwürfel. Zeigt dieser eine Abkühlung an, kann man
geschlagene Löcher – idealerweise natürlich solche im Angelbereich der
Gegenspieler – wieder zufrieren lassen. Wird das Wetter wärmer, darf man
ganze Eisschollen antauen und damit unbegehbar machen. Dies ärgert natürlich
jene Konkurrenten, die gerade dort ein paar Löcher gemacht und sich auf das
Fischen vorbereitet haben. Mit fortlaufender Dauer des Spieles werden immer mehr
Löcher offen oder auch vorübergehend wieder zugefroren sein, und es braucht
ein gutes Gedächtnis, um seine Angel nicht in ein bereits leergefischtes Loch
zu tauchen und damit wertvolle Aktionspunkte zu vergeben. Diese Kombination von
Memory- und Taktikelementen zusammen mit der sehr gediegenen Ausführung macht
«Kayanak» zu einem Spiel, das immer wieder gerne hervorgeholt wird und das
sich unter jedem Christbaum prächtig macht.
Der Name Klaus Teuber steht für Spielvergnügen, und mit «Fette Bäuche»
wird der Erfinder der «Siedler von Catan» einmal mehr seinem Ruf gerecht. Bei
diesem Spiel geht es darum, nach Vorgabe eines Farb- und eines Zahlenwürfels fünf
rosa Schweinchen mit möglichst vielen eigenen Spielchips zu füttern, ohne sie
platzen zu lassen. Man darf die gewürfelte Anzahl Futterchips nach eigenem Gutdünken
auf ein durch den Farbwürfel vorgegebenes sowie ein frei wählbares weiteres
Schwein aufteilen. Der Pechvogel, der einen Bauch überfüllt, muss zusehen, wie
seine Konkurrenten ihre Spielfiguren nach Massgabe der freigegebenen Chips ihrer
jeweiligen Farbe auf dem Weg zum Ziel weiterziehen, während er selber leer
ausgeht. Und damit das Füttern nicht zu einfach wird, haben die identisch
aussehenden Schweine verschieden grosse Mägen. Ein gutes Gedächtnis hilft,
diese Tücke zu umschiffen und sich den Titel eines Futtermeisters zu erspielen.
Ein gutes Gedächtnis und einiges taktisches Gespür braucht auch, wer die tückischen
«Steinbeisser» überlisten will. Die Spieler müssen versuchen, ihre
Waldzwerge möglichst viele Steine an den gefrässigen Riesenmäulern vorbei
durch den Felsenwald schleusen zu lassen. Von einem Farbwürfel gesteuert, können
die lustigen Monster unvermittelt auf den Waldweg hüpfen und dort deponiertes
Transportgut verschlingen – es sei denn, es lägen gleich drei Steine auf dem
entsprechenden Spielfeld. Diese sind so lange geschützt, wie sie ein Trio
bleiben. Zieht ein Stein weiter, werden die beiden anderen unverzüglich
gefressen. Sind die Steinbeisser einmal aus ihrer Höhle gekommen, bleiben sie
an ihrem Ort. Bewegt werden können sie nur, wenn jemand einen Pfeil würfelt.
Dabei wird die verschlungene Beute freigegeben. Hat man bereits alle Steine
verloren, kann man sich so wieder ins Spiel bringen. Es ist aus, wenn alle
Steinbeisser aus der Höhle gekommen sind oder nur noch ein Spieler Steine hat.
Richten sich «Kayanak», «Steinbeisser» und «Fette Bäuche» an Spieler ab
sechs bis sieben Jahren, so sprechen «Sammy der Seehund» und «Sternenhimmel»
eher die Kleineren an. Wer es schafft, einen Plasticring über Sammys
batteriebetriebenen, hin und her tänzelnden Hals zu werfen, wird mit einem
munteren Quieken, Flossenklatschen und einer Verneigung belohnt. Die Kinder können
Wettkämpfe austragen oder alleine spielen, und mit einiger Übung lässt sich
auch ein tolpatschiger Vater beim Ringewerfen bezwingen: ein Erfolgserlebnis für
jeden Dreikäsehoch, das noch mehr zählt als Sammys Klatschen und Jubeln. – Während
«Sammy» die Kleinen eher aufputscht, ist «Sternenhimmel» als Gute-Nacht-
Spiel konzipiert. Die Spieler müssen dem kleinen Paul und seinem Lämmchen
helfen, vor dem Zubettgehen die auf die Wiese gefallenen Sterne wieder am Himmel
zu befestigen. Wer als erster seine vier Sterne an den Nachthimmel gewürfelt
hat, ist Sieger und darf den Mond aufhängen. Anschliessend wird das lieblich
gestaltete Spielbrett am besten ins Kinderzimmer gestellt, wo die
fluoreszierenden Sterne den Spielern nach dem Lichterlöschen den Weg ins
Traumland leuchten.
Neue Massstäbe in bezug auf eine qualitativ hochstehende graphische Gestaltung
setzt «Anigma», ein Kartenspiel, das der Basler Gestalter HFG Daniel
Siegenthaler zusammen mit Schülern des Studienbereichs Wissenschaftliches
Zeichnen an der Zürcher Schule für Gestaltung erarbeitet hat. Auf 72 Karten
werden 18 bedrohte einheimische Tierarten und deren Lebensräume vorgestellt. Es
geht darum, in einer Kombination aus Memory- und Quartettspiel möglichst viele
Tierfamilien ganz oder teilweise zusammenzustellen und mit ihrer Lebensraumkarte
zu ergänzen. Um den Sammlern die Aufgabe etwas zu erleichtern, gibt es vier
Joker, die, einmal gespielt, von Mitspielern behändigt und durch die jeweilige
«echte» Karte ersetzt werden können. Sieger ist, wer die meisten Tierfamilien
mit ihren Lebensräumen ablegen kann. Will man «Anigma» mit kleineren Kindern
spielen, kann man es entweder als normales Memory mit Kartenpärchen oder als
Quartett einsetzen und den Knirpsen bei dieser Gelegenheit mit Hilfe des
beigelegten Begleitbüchleins die bedrohte einheimische Fauna vorstellen.
«Kayanak», Würfelspiel von Peter-Paul Joopen für 2
bis 4 Spieler ab 6 Jahren. Verlag: Haba. Spieldauer etwa 20 Minuten, etwa Fr.
50.–. Vertrieb in der Schweiz: Carletto AG, Einsiedlerstr. 31a, 8820 Wädenswil.
«Fette Bäuche», Würfelspiel von Klaus Teuber für 2 bis 4 Spieler ab 6
Jahren. Verlag: Klee. Spieldauer: 15 Minuten, Fr. 35.–. Vertrieb: Lemaco SA, Chemin du Croset 9, 1024 Ecublens.
«Steinbeisser», Würfelspiel von Hajo Bücken für 2 bis 6 Spieler ab 7
Jahren. Verlag: Schmidt. Dauer: 30 Minuten, Fr. 40.–.Vertrieb: Bevilacqua AG,
Markircherstrasse 5, 4025 Basel.
«Sammy der Seehund», Geschicklichkeitsspiel für 1 oder mehr Spieler ab 3
Jahren. Verlag: MB (Hasbro), Fr. 49.90. Vertrieb: Hasbro AG, Alte
Bremgartenstrasse 2, 8965 Berikon.
«Sternenhimmel», Würfelspiel für 2 bis 4 Spieler ab 3 Jahren. Verlag:
Ravensburger. Spieldauer 15 Minuten, Fr. 40.–. Carlit + Ravensburger,
Grundstrasse 9, 5436 Würenlos.
«Anigma», Kartenspiel von Daniel Siegenthaler für 3 bis 5 Spieler ab 9
Jahren. Verleger und Herausgeber: Daniel Siegenthaler. Spieldauer 20 Minuten,
Fr. 42.–. Vertrieb: Froschkönig, Rathausgasse 2, 8080 Bülach.
Mit freundlicher Genehmigung des Autors Alois Feusi im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -
© 1998 - Felsberger S & A Spiel & Art AG, Leimatstrasse 32, CH-9000 St. Gallen. Update: 21.12.1999