Faites vos jeux erschienen in der Neue Zürcher Zeitung in LEBENSART

Klassiker der Kinderliteratur auf dem Spieltisch

fsi. Wenn sich die Disney-Studios eines Märchens, einer Sage oder einer Kindergeschichte annehmen, wird daraus in der Regel ein Kinoerfolg. Und zu den Filmen gibt es stets allerlei Puppen, Geschirr, Kleider, Tonträger, Bilderbücher und auch Spiele. Allerdings ist es nicht immer einfach, ein Szenario zu entwerfen, das den jeweiligen Geschichten gerecht wird. Im Falle von Andersens kleiner Meerjungfrau, die in der Figur der niedlichen rothaarigen Arielle Ende der achtziger Jahre das Revival der Disney-Trickfilme als abendfüllende Kino-Unterhaltung eingeläutet hat, ist die Umsetzung auf das Spielbrett nur bedingt gelungen. Zwei bis vier Arielles müssen vier verschiedenfarbene Edelsteine aus Unterwassergrotten holen. Dabei besteht immer die Gefahr, dass die Nixen von der bösen Seehexe Ursula oder deren Gehilfen Flotsam und Jetsam gefangengenommen werden. Da vor allem das Würfelglück entscheidet und kaum taktische Kurzzeitallianzen mit anderen Spielern oder kleine Gemeinheiten auf Kosten der Konkurrenten möglich sind, lässt «Arielle» bezüglich Spannung Wünsche offen. Sehr gelungen allerdings sind das Spielbrett und die Figuren; insbesondere kleine Mädchen haben Freude an den Glitzereffekten, den pastellfarbenen Würfeln und den hübschen Meerjungfrauen.

Eher an die ganz Kleinen richtet sich «Winnie the Pooh», ein Merkspiel mit Figuren aus den gleichnamigen Büchern und Trickfilmen. Eine batteriebestückte Spielkonsole dudelt auf Knopfdruck die Melodie der Winnie-Filme, derweil die Freunde des Pooh-Bären sowie eine böse Stachelbiene ihre Gesichter kurz aus sieben Honigtöpfen strecken. Die Spieler haben Gelegenheit, sich die Position der Figuren zu merken, und müssen diese dann nach Vorgabe von Spielkarten aufdecken, ohne von der Biene gestochen zu werden: eine kleinkindgerechte Memory-Variation, die dank ihrer Gestaltung nicht schnell verleidet.

Marcus Pfisters «Regenbogenfisch» ist – auch ohne das Vorbild zu einer Trickfilmfigur abgegeben zu haben – auf dem besten Weg, ein Kinderbuchklassiker zu werden. Wie im Buch gibt der Regenbogenfisch seine Glitzerschuppen an andere Fische ab. Die zwei bis sechs Spieler können die Aktionen ihrer Konkurrenten nur beeinflussen, indem sie mit entsprechendem Würfelglück einen Punkt an einen Mitspieler ihrer Wahl abgeben. Das Spiel propagiert wie die Vorlage das Miteinander und das Teilen und gefällt vor allem durch seine Gestaltung.

Ebenfalls an einen Klassiker angelehnt ist, wenngleich das Vorbild unerwähnt bleibt, Rüdiger Dorns «Der kleine Riese Kasimir». Wie Gulliver im Lande Liliput wacht Kasimir nach einem Nickerchen auf und stellt fest, dass er von kleinen Männchen gefesselt worden ist. Zwei bis vier Spieler müssen nun die Pflöcke, symbolisiert durch Chips mit verschieden hohen Punktzahlen, entfernen und den gutmütigen Riesen aus seiner misslichen Lage befreien. Sie ziehen dazu ihre Figuren mit farbigen Bewegungssteinen von Feld zu Feld und decken dabei nach und nach alle Zahlenchips auf und gegebenenfalls auch wieder zu. Sie können einander blockieren, sich gegenseitig Punkte abluchsen oder auch ein vorzeitiges Ende der Partie herbeiführen: Wenn die etwas komplizierten Regeln einmal begriffen sind, ist «Kasimir» ein grosser Spielspass für Aufgeweckte mit guter Merkfähigkeit und Freude am Kombinieren.

Ein Klassiker nicht aus der Welt der Literatur, aber aus jener der Gesellschaftsspiele ist übrigens kürzlich in einer Version für Kinder auf den Markt gekommen. «Stratego Junior» kann bereits von Kindergartenschülern gespielt werden. Beim Kampf um die Flagge des Gegners braucht es neben ein wenig Würfelglück die Fähigkeit zum Kombinieren und ein gutes Kurzzeitgedächtnis. Weil letzteres bei den Kleinen meist besser funktioniert als bei Erwachsenen, können Kinder und Eltern «Stratego Junior» durchaus als gleichberechtigte Partner spielen. Dies gilt auch für «Halli Galli Junior», die Kinderausgabe von einem der erfolgreichsten Spiele von Amigo. Wie bei der Ausgabe für die Grossen sind Schnelligkeit und gute Konzentrationsfähigkeit Voraussetzung, damit ein Spieler beim Aufdecken zweier identischer Clown-Bilder als erster eine Glocke in der Tischmitte anschlagen und sich damit Spielkarten erklingeln kann: ein rasanter Spass für die ganze Familie.

«Arielle die kleine Meerjungfrau». Würfelspiel nach dem gleichnamigen Disney-Film für 2 bis 4 Spieler ab 5 Jahren. Verlag MB, Spieldauer um die 20 Minuten. Preis etwa 35 Fr.
«Winnie the Pooh». Merkspiel mit Musik nach der Zeichentrick-Serie für 2 bis 4 Spieler ab 3 Jahren. Verlag MB, Spieldauer etwa 10 Minuten. Preis rund 55 Fr.
«Der Regenbogenfisch». Würfelspiel nach dem gleichnamigen Bilderbuch für 2 bis 6 Spieler ab 5 Jahren. Verlag Ravensburger, Spieldauer eine Viertelstunde. Preis etwa 30 Fr.
«Der kleine Riese Kasimir». Kombinations- und Merkspiel von Rüdiger Dorn für 2 bis 4 Spieler ab 7 Jahren. Verlag Goldsieber, Spieldauer rund 30 Minuten. Preis etwa 25 Fr.
«Stratego Junior». Strategie- und Merkspiel für 2 Spieler ab 6 Jahren. Verlag Jumbo, Spieldauer rund eine halbe Stunde. Preis etwa 40 Fr.
«Halli Galli Junior». Geschicklichkeitsspiel für 2 bis 4 Spieler ab 4 Jahren. Verlag Amigo, Spieldauer rund 10 Minuten. Preis etwa 20 Fr.


Mit freundlicher Genehmigung des Autors Alois Feusi im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -


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