Faites vos jeux erschienen in der Neue Zürcher Zeitung in LEBENSART
Magier beim Molchaugen-Shopping
tom. Auch Magier haben es nicht leicht. Da
schickt man sich an, einen Zaubertrank zu brauen, mit dem man Dummschwätzer und
Wichtigtuer im Stadtpräsidenten-Wahlkampf entlarven kann, und hat gerade nicht
genug Rattenohrenschmalz und Molchaugen zur Hand. Zum Glück gibt es die «Kupferkessel
Compagnie», das Geschäft für qualitätsbewusste Hexen und Zauberer, in dem es
all die marktüblichen magischen Zutaten wie Katzenschnurrhaare, Spinnweben,
Drachenblut, Kürbisköpfe, getrocknete Fledermäuse, Froschschleim,
Schlangenpulver und Rabenfedern zu kaufen gibt.
Vierzehn Zutaten sind insgesamt im Angebot, leider nicht alle immer zur selben
Zeit und in genügender Quantität. Kauft man von einer Ingredienz zu wenig, ist
das auch schlecht. Zudem hat das Zaubertrank-Brauen auf offenem Feuer seine Tücken,
weil der Zauberkessel explodieren kann. – Hexen, Magier, Harry Potter, der
Herr der Ringe: Zauberwelten und -themen sind en vogue wie nie zuvor. Das
Zweipersonenspiel «Kupferkessel Co.» stammt vom schwäbischen Realschullehrer
Günter Burkhardt. Nachdem bereits der Kosmos-Verlag vor wenigen Jahren die
Zweipersonenhaushalte als Zielgruppe entdeckt und eine sehr erfolgreiche Reihe
mit nicht denk- und grübellastigen Zweipersonenspielen lanciert hat, versucht
sich nun der Goldsieber-Verlag in diesem Marktsegment. Das Resultat kann sich
durchaus sehen lassen.
Wer «Kupferkessel Co.» spielen will, darf zuerst zwei Minuten lang basteln.
Mit einer Schere werden die Kanten von vier quadratischen Eckkärtchen
abgerundet, was für den Spielverlauf völlig unerheblich ist, aber schicker
aussieht. Im Spiel sind 56 quadratische Kärtchen mit den vierzehn Zutaten in
sieben verschiedenen Farben (jeder Farbe sind zwei Zutaten zugeordnet). Von
jeder Zutat gibt es die Zahlenwerte 1 bis 4. Nach gründlichem Mischen werden 32
Zutaten sowie die vier neutralen Eckkärtchen so offen ausgelegt, dass ein
Quadrat von sechs mal sechs Kärtchen entsteht. Ferner zieht jeder Spieler eine
Zutat vom verdeckten Stapel und legt sie offen vor sich hin. Sie bildet nun die
Basis seines eigenen Zauberkessels, dessen Inhalt fortan wachsen wird. Jeder
Spieler hat eine Spielfigur, die von einem Eckfeld aus startet. Wer am Zug ist,
muss die Figur aussen um die Kartenauslage herumziehen, jeweils so viele
Schritte vorrückend, wie die Zahl auf der obersten Zutatenkarte in seinem
Kessel angibt. Jede Kartenreihe und jede Eckkarte zählt als ein Schritt. Dann
nimmt der Spieler aus der Reihe, neben der seine Figur gerade steht, eine Karte
und legt sie offen auf die Karten in seinem Zauberkessel. Auf den leeren Platz
in der Auslage kommt eine neue Karte vom verdeckten Stapel.
Was der Spieler unter seiner obersten Zutat im Zauberkessel bereits gesammelt
hat, darf er sich nie, nie, nie wieder anschauen. Es gilt also, taktisch gut
vorauszuplanen, um an lukrative Kärtchen zu kommen, und sich zugleich zu
merken, was schon vergeben ist. Zutaten mit Aktions-Symbolen machen das Spiel
unberechenbar. Nimmt man einen «Explodierenden Kessel», wird die oberste Zutat
im gegnerischen Kessel vernichtet, nimmt man den «Zauberstab mit Zauberhut»,
ist man nochmals am Zug. Beim Sammeln muss man versuchen, Serien zu bilden.
Erwischt man nur eine einzige Karte einer Zutat, zählt ihr Wert zum Schluss des
Spiels minus! Zwei Karten einer Zutat zählen nichts, drei Karten zählen die
Summe ihrer Werte, und vier Karten zählen glatt fünfzehn Punkte. Karten der
eigenen Farbe zählen doppelt, und jede Karte mit dem Wert 1 zusätzlich fünf
Punkte. Ausserdem gibt es eine Profi-Variante, bei der man zu Beginn des Spiels
verdeckt Sammelaufgaben bekommt, deren Erfüllung Zusatzpunkte einbringt.
«Kupferkessel» ist ein kurzweiliges, taktisch interessantes Spiel mit leichtem
Gedächtnistraining, bei dem Grundversion und Profi- Variante gleich viel Freude
machen. Trotz Memory-Effekt ist es aber nicht für jüngere Kinder geeignet,
weil diese von den taktischen Komponenten und der subtilen Auswertung überfordert
sind. In der ersten Auflage empfahl der Verlag das Spiel für Kinder ab sechs
Jahren; diese Altersangabe war eindeutig zu tief. Die gelungene Grafik der nicht
immer ganz leckeren Zutaten ist themen- und spielgerecht. Will einmal ein
Dritter mitspielen, ist das kein Problem. Der Autor hat auf seiner Homepage eine
Regel veröffentlicht, die das Spielen zu dritt mit gleich viel Spielspass ermöglicht.
«Kupferkessel Co.», Merk- und Laufspiel von Günter Burkhardt für 2 (allenfalls 3) Personen ab 8 Jahren. Spieldauer: 20 bis 30 Minuten, Verlag: Goldsieber. Preis: etwa 22 Franken. Vertrieb in der Schweiz: Carletto AG, Einsiedlerstrasse 31a, 8820 Wädenswil. Internet: www.goldsieber.de; www.burkhardt-spiele.onlinehome.de
Mit freundlicher Genehmigung des Autors Thomas Felber im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -
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