Faites vos jeux  erschienen in der Neue Zürcher Zeitung in LEBENSART

Küssende Käfer, rutschende Detektive,
Benny der Bär und Hannelore Harmlos

tom. Am Sonntag werden in Berlin die Auszeichnungen «Spiel des Jahres» und «Kinderspiel des Jahres» für das Jahr 2002 verliehen. Die Preisträger stehen noch nicht fest. Der Hauptpreis «Kinderspiel des Jahres» wurde von der Jury aus deutschsprachigen Spiele-Kritikern erst im letzten Jahr geschaffen. Kindergärten, Vorschulen und Familien nutzten die Empfehlungen als Orientierungshilfe, forderten aber gleichzeitig auch mehr Breite. Diesem Wunsch kam die Jury dieses Jahr nach und stellte aus der Vielzahl guter Kinderspiele eine Auswahlliste mit sieben Titeln zusammen, auf der für jeden Geschmack und für jedes Alter zwischen drei und acht Jahren etwas dabei ist. «Maskenball der Käfer» (Selecta), «Höchst verdächtig» (Haba) und «Bärenstark» (Goldsieber) sind für den Hauptpreis nominiert. Auf der Auswahlliste stehen zudem: «Cocotaki» (Amigo), «Krokodil unterm Bett» (Jumbo), «Lotti Karotti» (Ravensburger) und «Schnapp zu!» (Haba).

«Maskenball der Käfer» ist ein kooperatives Aktionsspiel mit magnetischen Effekten. Alle Spieler gewinnen oder verlieren gemeinsam. Acht Marienkäfer wollen zum Maskenball und haben ihre Punkte angemalt. Die Spieler müssen versuchen, die Krabbler ausgehfertig zu machen, bevor gefrässige Ameisen das Partybuffet stürmen. Die acht aus Holz niedlich gearbeiteten Marienkäfer stehen zu Beginn im Kreis auf acht Blütenblättern. Jeder Käfer hat an der Nase einen Magneten und im Rücken fünf Löcher, in die fünf Stäbchen identischer Farbe gesteckt werden. Die Käfer wollen die Punkte untereinander tauschen, so dass am Ende jeder fünf Punkte verschiedener Farben besitzt. Wer am Zug ist, setzt einen Drehpfeil in Fahrt. Zeigt dieser auf einen Käfer, wird dieser Gesicht an Gesicht einem anderen Käfer gegenübergestellt. Ziehen sie sich an und küssen sich, gefällt den Käfern die Farbe des Artgenossen, und sie tauschen einen Punkt. Der Drehpfeil kann auch auf Blütenblättern zwischen den Käfern stehenbleiben; dann kommt eine Ameise ins Spiel. Wenn es den Kindern gelingt, alle acht Käfer mit fünf verschiedenfarbigen Punkten auszustatten, bevor sieben Ameisen aufgetaucht sind, gewinnen sie das Spiel. Die Kinder werden dabei zu Teams, fiebern gemeinsam und beraten sich gegenseitig.
Bei «Höchst verdächtig» sind vier Detektive auf dreidimensionaler Ganovenjagd im Stadtpark. Das Spielbrett liegt dabei nicht einfach auf dem Tisch, sondern auf einem Fuss, so dass es auf alle vier Seiten gekippt werden kann. Der labyrinthartige Bewegungsspielraum der Detektive und der Ganovenfigur wird durch Hindernisse wie Blumenbeete, Teiche und Parkbänke begrenzt. Drückt man auf eine der vier Seiten des Spielfeldes, neigt sich dieses, so dass alle Spielfiguren bis zum nächsten Hindernis rutschen und dort stehenbleiben. Ein Würfelwurf gibt jedem Kind vor, wie oft es den Plan kippen darf. Wenn nach den Rutschpartien ein Detektiv und der Ganove direkt nebeneinander stehen, darf sich der entsprechende Spieler eine «Belohnungskarte» ziehen, die 0 bis 3 Punkte einbringt; nicht jeder Verdächtige ist nämlich ein Krimineller: Hannelore Harmlos oder Walter Warsnich bringen keine Punkte. Wer Fritz Finsterling stellt, hat da schon mehr Erfolg. Lustige Ganovenbilder mit originellen Namen tragen zum Spielspass bei. Wer die höchste Gesamtsumme erreicht, gewinnt.
Heinz Meister stand bereits im vergangenen Jahr mit «Zapp Zerapp» auf der Nominierungsliste zum «Spiel des Jahres». Diesmal bringt er mit «Bärenstark» ein einfaches Geschicklichkeitsspiel für Kinder. Der kleine Bär Benny hat Lust auf Honig. Also sammelt er, so viel er tragen kann, und hilft sich dabei mit einem Tablett. Die Spieler laden nach und nach unterschiedlich grosse «Honig-Steine» auf ein hölzernes Bärenfigürchen und versuchen dieses auf einem Rundkurs vorwärts zu bewegen, ohne dass etwas herunterfällt. Wer an der Reihe ist, würfelt, zieht Benny auf dem Rundkurs mit 12 Wiesen-Plättchen vorwärts und lädt einen Stein auf das Tablett. Falls Steine herunterfallen, muss er zur Strafe ein Plättchen aufnehmen. Es gewinnt, wer schliesslich am wenigsten Plättchen besitzt.

Der Autor dieses Artikels, Tom Felber, ist Mitglied der beiden Jurys «Spiel des Jahres» und «Kinderspiel des Jahres».

«Maskenball der Käfer»: kooperatives Aktionsspiel von Peter-Paul Joopen für 2 und mehr Spieler ab 4 Jahren. Spieldauer: etwa 15 Minuten. Verlag: Selecta. Preis: etwa Fr. 48.–. Vertrieb in der Schweiz: Generalvertretung Emil Stutz, Industriestrasse 26–28, 5600 Lenzburg, Internet: www.selecta-spielzeug.de.

«Höchst verdächtig»: dreidimensionales Detektivspiel von Manfred Ludwig für 2 bis 4 Spieler ab 6 Jahren. Spieldauer: etwa 20 Minuten. Verlag: Haba. Preis: etwa Fr. 58.–. Vertrieb in der Schweiz: Carletto AG, 8820 Wädenswil. Internet: www.haba.de.

«Bärenstark»: Geschicklichkeitsspiel von Heinz Meister für 2 bis 4 Spieler ab 5 Jahren. Spieldauer: etwa 15 Minuten. Verlag: Goldsieber. Preis: etwa Fr. 25.–. Vertrieb in der Schweiz: Carletto AG, 8820 Wädenswil. Internet: www. goldsieber.de.


Mit freundlicher Genehmigung des Autors Thomas Felber im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -


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