Erschienen in der Zürichsee-Zeitung: www.zsz.ch/spielend
Mensch, ärgere Dich!
Ich gebe gerne zu: Kaum etwas bereitet mir in einem Spiel mehr Spass, als andere
zu ärgern. Besonders schön an dieser Schadenfreude ist, dass ich selber der
Urheber des Schadens bin, nicht jemand anders und auch nicht der Zufall. Dass
sich der Gepiesackte bei der nächsten Gelegenheit bei mir revanchieren wird,
damit muss ich leben. Nicht alle Spiele haben ein gleiches Ärgerpotenzial. Auch
in "Monopoly" ärgert es den Mitspieler, wenn er auf meinem Hotel am
Paradeplatz landet, aber die Schuld tragen vor allem die Würfel, und er hat
auch nicht direkt die Gelegenheit, mir die Fiesheit zurückzuzahlen.
Sich und andere sehr direkt zu ärgern, dafür bietet das Kartenspiel
"Nicht die Bohne!" ausreichend Gelegeheit. Es geht darum, in vier
Farben möglichst viele Punkte zu sammeln. Neben Zahlkarten von 1 bis 10 gibt es
in jeder Farbe fünf Sonderkarten: Kassiert man eine der drei Minuskarten, zählen
alle Punkte der Farbe negativ. Dann sollte man sich bemühen, noch eine zweite
zu ergattern, damit der Betrag wieder ins Positive kippt. Die
"x2"-Karte verdoppelt die Punkte einer Farbe, was im Normalfall sehr
erstrebenswert ist, in Kombination mit der Minuskarte dagegen ganz und gar
nicht. Und die Karte "Nicht die Bohne" macht alle Punkte einer Farbe
zunichte. Dies ist ärgerlich, wenn man bereits Punkte gesammelt hat, bei
negativem Saldo kann sie natürlich als Geschenk des Himmel erscheinen. Nur ist
es aber nicht der Himmel, sondern die Mitspieler, die entscheiden, wer welche
Karten bekommt, und da werden keine Geschenke gemacht. Der Verteilmechanismus
von "Nicht die Bohne" ist einigermassen vertrackt und gerade deshalb
sehr reizvoll: Der Spieler, der gerade den so genannten Bohnenchip hat, spielt
eine Karte offen aus und legt den Chip darauf. Nun spielen alle anderen eine
Karte verdeckt und decken sie gleichzeitig auf. Der Inhaber des Bohnenchips
sucht sich nun aus den anderen Karten eine aus. Nun darf sich der Spieler,
dessen Karte genommen wurde, aus den restlichen eine auswählen, nicht aber
diejenige mit dem Bohnenchip, die ist für den letzten bestimmt. Alle Karten
werden offen abgelegt, so dass immer ersichtlich ist, wem eine betreffende Karte
nützlich oder schädlich ist. Da kein Spieler seine eigene Karte nehmen darf,
ist die Auswahl - je nach Spielerzahl - bald nicht mehr so gross: Bereits der
drittletzte Spieler entscheidet, wie die restlichen Karten verteilt werden, und
hier liegt eben das schöne Ärgerpotenzial von "Nicht die Bohne!".
Man hat nämlich häufig die Wahl, entweder eine Karte zu nehmen, die einem
Vorteile bringt, oder aber einen kleinen Nachteil in Kauf zu nehmen, weil dann
ein Mitspieler eine - für ihn - noch schädlichere Karte kassiert.
Man muss also meist um mehr als eine Ecke herum denken. Bei vier Spielern könnte
ein Gedankengang etwa so gehen: "Ich will die Karte mit dem Bohnenchip eher
nicht, meine anderen beiden Mitspieler aber sehr wohl. Sie werden also eine
Karte legen, die der Startspieler sicher nicht nimmt. Nimmt er meine Karte, habe
ich dann die Wahl zwischen ihren beiden Karten. Könnte da eine darunter sein,
die ich eher will als die Karte mit dem Chip?" Ärgerlicherweise gehen
solche Überlegungen nicht immer auf. Ich habe es auch schon erlebt, dass der Ärgerpegel
einiger Mispieler (oder von mir) nach einer Partie deshalb schon so hoch war,
dass keine zweite Partie mehr
zustande kam.
"Nicht die Bohne!" von Horst-Reiner Rösner, für 3 bis 6 Spieler ab
10 Jahren. Spieldauer rund 30 Minuten, Preis ca. 13 Fr. Verlag: Amigo,
Importeur: Carletto AG, Einsiedlerstrasse 31 A, 8820 Wädenswil.
Mit freundlicher Genehmigung des Autors Christian Egg im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -