Faites vos jeux erschienen in der Neue Zürcher Zeitung in LEBENSART
Kinderspiele 2000: Pokémon, Piraten, Riesen, Kobolde und Bäume
fsi. Auch gut ein Jahr nach ihrem
Auftauchen auf den hiesigen Pausenplätzen lassen die Pokémon-Figuren kaum
jemanden kalt. Die Erwachsenen finden die japanischen Gameboy- und
Trickfilm-Monster banal und kindisch, die Kinder lieben sie heiss und geben
Unmengen von Geld für bunte Spielkärtchen aus. Nun gibt es auch ein
Brettspiel, bei dem es gilt, durch Würfelglück, Taktik und geschickte
Tauschstrategien eine möglichst starke Monstertruppe zusammenzustellen und
bester Pokémon-Trainer zu werden. Zwei bis sechs Spieler kämpfen gegeneinander
um Figuren und sogenannte Item-Karten. Sie können mit Ereignis-Karten das
Spielgeschehen beeinflussen und ihr Monsterteam zusätzlich verstärken, wenn es
ihnen gelingt, alle Pokémons einer sogenannten Entwicklungsgruppe zu ergattern.
Wie bei den Spielkarten und beim Gameboy können sich einige der bunten
Phantasiefiguren weiterentwickeln und zusätzliche Kraftpunkte gewinnen, was
deren Besitzer einen Bonus einbringt, der ihn beim finalen Showdown auf dem
Indigo Plateau zum Sieg führen kann. – Das klingt alles furchtbar verwirrend
und kompliziert, ist es aber nach zwei oder drei Proberunden nicht mehr. Hat man
das Prinzip einmal begriffen, ist «Pokémon-Meistertrainer» ein Vergnügen
nicht nur für Kinder, sondern auch für deren Eltern. Bloss schade, dass das
Spielbrett recht lieblos aus zu dünnem Karton gefertigt ist.
Gängigeren Mustern für Kinderspiele folgen «Zauberwald» und «Piraten-Pitt».
Bei beiden geht es darum, mit Würfelglück, Merkfähigkeit und geschickter
Routenwahl Edelsteine zu sammeln. Freche Kobolde flitzen durch den Zauberwald
und müssen aufpassen, dass sie nicht dem gefrässigen Riesen Rudi in die Finger
kommen. Fängt der Gigant einen der Zwerge, gibt es einen Rollentausch. Der
bisherige Riese darf wieder mit seinem Kobold Glitzersteine erwürfeln oder auf
dem Spielbrett abholen, während das Opfer neu zum Riesen wird und die
Gegenspieler zu fangen versuchen muss. Dazu zieht Rudi durch einen hübschen
Wald, dessen Bäume sich mehr oder weniger auseinander schieben lassen. Sein Zug
endet jeweils, wenn er zwischen Stämmen stecken bleibt. Wer sich die Wege
zwischen den Bäumen hindurch gut merken kann, ist im Vorteil.
Ein gutes Gedächtnis hilft auch den Matrosen, die versuchen müssen, am Piraten
Pitt vorbei Edelsteine ihrer Farbe zu sammeln und in die eigene Schatztruhe und
später aufs Schiff in Sicherheit zu schmuggeln. Je nach Fall des Würfels sind
die Spieler Seeräuber oder Matrose. Ist jemand während eines Spielzugs Pitt,
darf er versuchen, einem Gegner seiner Wahl die Steine wieder abzunehmen. Dazu
dreht er die jeweilige, in zwei Fächer unterteilte hölzerne Schatzkiste ein
bis drei Mal, um den Matrosen zu verwirren. Öffnet dieser das Fach mit den
Steinen, verliert er den Schatz, zeigt er das leere Fach, kann er ihn behalten.
Manchmal dürfen die Matrosen auch gegeneinander ihre Schatzkisten drehen. Weil
die grösseren normalerweise keine Mühe haben, sich stets die Position des
Steinfachs zu merken, bleibt «Piraten-Pitt» ein Spiel für kleinere
Kinder. Für einmal kann die von Haba gewohnte gediegene Ausführung des Spiels
zum Nachteil werden: Die hölzernen Kistchen haben naturgemäss feine
Maserungen, die von cleveren Kids als zusätzliche Orientierungshilfen
missbraucht werden.
Äusserst gediegen ausgestattet ist auch «Arbos, das Baumspiel». Bei
diesem hölzernen Geschicklichkeitsspiel gilt es, aus 16 Ästen und 25 Blättern
an einem Sockel einen wackeligen Baum zusammenzufügen. Fallen Teile ab, gehen
diese auf den Haufen des jeweiligen Verursachers; Sieger ist, wer zuerst keine
Äste und Blätter mehr vor sich liegen hat.
Ein Satz Ereignis-Kärtchen garantiert zusätzliche Spannung. Nach Vorgabe der
Karten müssen die Spieler Teile anfügen, wegnehmen oder umplacieren und können
sich auch gegenseitig durch schikanöse Befehle das Leben schwer machen: Ein
toller Spass nicht nur für Kinder, sondern auch für abendliche Spielrunden
unter Erwachsenen, der mit dem Preis «Kinderspiel des Jahres 2000»
ausgezeichnet worden ist.
Apropos Kinderspiel des Jahres: «Zicke Zacke Hühnerkacke» hat eine Ergänzung
erhalten. Mit «Zicke Zacke Entenkacke» kommen nun zusätzlich zwei Wasservögel
in den auf sechs Teilnehmer ausgebauten Hühnerhof, auf dem neu auch bunte Häufchen
zu verhängnisvollen Fallen werden. Das steigert das Vergnügen bei diesem
ohnehin sehr lustigen Gedächtnisspiel zusätzlich.
«Pokémon-Meistertrainer», für 2 bis 6 Spieler ab 7 Jahren. Verlag: Hasbro, Fr. 59.–. «Zauberwald», von Gunter Baars für 2 bis 4 Spieler ab 6 Jahren, Verlag: Ravensburger, Fr. 40.–. «Piraten-Pitt», von Wolfgang Kramer für 2 bis 4 Spieler ab 6 Jahren, Verlag: Haba, Fr. 55.–. Vertrieb: Carletto AG, Wädenswil. «Arbos», von Armin Müller und Martin Arnold für 1 bis 8 Spieler ab 6 Jahren, Verlag: M+A Spiele, Fr. 55.–. Vertrieb: Max Bersinger AG, St. Gallen. «Zicke Zacke Entenkacke», von Klaus Zoch, nur als Ergänzung spielbar für 2 bis 6 Spieler ab 4 Jahren, Verlag: Zoch, Fr. 27.–. Vertrieb: Carletto AG, Wädenswil.
Mit freundlicher Genehmigung des Autors Alois Feusi Felber im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -
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