Faites vos jeux erschienen in der Neue Zürcher Zeitung in LEBENSART
Ans Meer und in die Berge: Ferien und Abenteuer auf dem Spielbrett
tom. Auch Daheimgebliebene können während der Sommerferien, mit den entsprechenden Spielen ausgerüstet, durchaus Touristenstimmung simulieren. Wer zum Beispiel jene Ferienbekanntschaften vermisst, die jeweils bereits beim ersten Hahnenschrei die Liegestühle am Hotel-Swimmingpool mit ihren Badetüchern in Beschlag zu nehmen pflegen, dem sei das recht witzige Spiel «Pool Position» empfohlen. Der Jahreszeit angepasst, handelt es sich dabei nicht um ein fettes Strategiespiel, sondern um leichte, kurzweilige spielerische Kost, bei dem man die Mitspieler ärgern kann, indem man ihre Badetücher in den Pool schmeisst und durch eigene ersetzt. Auf Grund seines handlichen Schachtelformats hat «Pool Position» sogar Platz im Feriengepäck.
Auf dem Spielbrett sind ein Swimmingpool und Reihen von Liegestühlen abgebildet. Je näher ein Liegestuhl am Pool ist, desto höher ist sein Wert. Jeder Spieler verfügt über Handkarten mit den Werten 1 bis 12. Alle Spieler müssen jeweils gleichzeitig und verdeckt eine ihrer Karten ausspielen. Der Gag ist, dass der Spieler mit dem höchsten Kartenwert die Punkte der zweithöchsten gespielten Karte verwenden muss, der Spieler mit der zweithöchsten Karte bekommt den Wert der dritthöchsten Karte zugesprochen und so weiter. Den höchsten Wert kriegt der Spieler mit der tiefsten gespielten Karte. Mit den erhaltenen Punkten darf man Badetücher (in Form von Kartonplättchen) auf die Liegestühle legen, die entsprechend ihrem Wert Punkte kosten. Wenn eine Reihe komplett belegt ist, sorgt Bademeister «Luigi» für Ordnung. Ab jetzt dürfen gegnerische Handtücher in der betreffenden Reihe in den Pool geschmissen werden. Es gewinnt, wer zum Schluss die wertvollsten Liegestühle erobert hat. Die Würze des Spiels liegt in den Überraschungsmomenten und im ständigen Scheitern, die gegnerischen Absichten im voraus zu durchschauen.
Gar nichts denken muss man bei «Viva El Arenal»: Mit 100 000 Peseten ausgestattet, versucht jeder, die längsten Ferien auf Mallorca zu verbringen, ohne den Rückflug zu verpassen. Es ist ein einfaches, billig gemachtes, glücksbetontes Würfelspiel mit kleinem Risikofaktor. Die Spieler ziehen ihre Figuren gemäss Würfelergebnis über einen Rundkurs. Auf Ereignisfeldern wird ihnen dabei ständig das Geld aus der Tasche gezogen: 8000 Peseten für einen Tauchgang bei der Platja de Palma, 2000 Peseten für ein Bier im «Oberbayern», 30 000 Peseten für eine Kreuzfahrt in der Bucht von Pollença. Nach jeder Runde auf dem Brett muss man sich entscheiden, ob man mit dem verbliebenen Geld weitermachen oder den Rückflug antreten will. Wem auf Mallorca das Geld ausgeht, der scheidet aus. Es gewinnt, wer als letzter erfolgreich zurückfliegen kann: ein Spiel für wahre Ballermänner, das wohl betrunken am meisten Spass macht.
Wer mit der Hitze nichts anzufangen weiss, der kann sich mit «Himalaya» Abkühlung verschaffen. Hier geht es ab ins Hochgebirge. Jeder Spieler versucht auf einem Gebirgsparcours als erster den Gipfel zu erreichen. Vier Sherpas und ein Bergsteiger nehmen den Weg in Angriff. Der Bergsteiger getraut sich allerdings nur auf Felder, die von zwei seiner Sherpas gesichert sind, was bedeutet, dass diese vorausklettern und immer wieder auf den Chef warten müssen. Der Zugmechanismus ist speziell: Aus fünf bis acht gleichzeitig geworfenen Würfeln sucht sich der erste Spieler einen aus und zieht eine seiner Figuren entsprechend voran. Alle nachfolgenden Spieler tun dasselbe, bis nur noch ein Würfel übrigbleibt. Man hat also ständig die Möglichkeiten der nächsten Spieler vor Augen und muss entsprechend taktieren. Auf dem Spielplan warten Besonderheiten wie Lawinen, Zwischenlager und ein hungriger Yeti. «Himalaya» eignet sich gut als Familienspiel und bietet durchaus mehr Spielspass, als die schlichte Graphik und die etwas unbefriedigend geschriebene Regel vermuten lassen.
«Pool Position», Legespiel von Thorsten Gimmler für 2 bis 5 Spieler ab 10 Jahren. Verlag: FX (Ravensburger), Spieldauer: etwa 30 Minuten, Preis: etwa Fr. 33.–, Vertrieb in der Schweiz: Carlit & Ravensburger AG, Grundstr. 9, 5436 Würenlos.
«Viva El Arenal», Würfelspiel für 2 bis 6 Spieler ab 8 Jahren. Autor nicht genannt. Verlag: Noris, Spieldauer: 30 bis 60 Minuten, Preis: etwa Fr. 35.–, Verlagsadresse: noris-Spiele, Georg Reulein GmbH + Co.KG, Waldstr. 38, D-907643 Fürth.
«Himalaya», taktisches Laufspiel von Günter Burkhardt für 2 bis 5 Spieler ab 10 Jahren, Verlag: Piatnik, Spieldauer: etwa 45 Minuten, Preis: etwa Fr. 50.–, Vertrieb in der Schweiz: Roco Modellspielwaren GmbH, Balgacherstr. 14, 9445 Rebstein.
Sämtliche bisher in der NZZ erschienenen Spielbesprechungen sind übrigens auf dem Internet abrufbar über die Adresse: www.toy-net.ch/forum/spielebesprechung/index.htm
Mit freundlicher Genehmigung von Thomas Felber im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -
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