Apero der Neuen Luzerner Zeitung

Ruhm und Götter
In "Ra" geht es um den Kampf ägyptischer Dynastien

Die Geschichte Ägyptens bildet den Hintergrund des neuen Spiels "Ra".Die Dynastien kämpfen um ewigen Ruhm. Dabei machen sie ihr Land mit den Wassern des Nils fruchtbar, errichten Monumente, berufen Pharaonen und huldigen dem Sonnengott Ra, weil nur er über Anfang und Ende einer Epoche bestimmt.

Eine neuer Spielverlag ist in diesem Frühjahr an die Öffentlichkeit getreten. "Alea" (Würfel) laut sein für die Branche nicht abwegiger Name. Er ist eine Tochter des bekannten Ravensburger Verlags, der mit dieser Markendiversifizierung eine neue Strategie fahren will: Unter dem Label "Alea" sollen künftig Erwachsenenspiele laufen, während die Marke F. X. (Schmid) für Karten- und trendige Spiele reserviert bleibt. Familien- und Kinderspiele spiele wiederum tragen das berühmte blaue Ravensburger Dreieck. Den Spielinteressierten mag das egal sein, was sich Marketingstrategen aushecken, solange das nicht dazu führt, dass die gleichen Spiele, wie etwa der wunderbare "Kuhhandel" jedes Jahr in einer neuen Verpackung sowie etwas teurer als früher auf den Markt kommt.

Das hervorragend ausgestattete "Ra" ist als Erwachsenenspiel richtig situiert. Spielerinnen und Spieler unter zwölf Jahren hätten mit dem Thema eh schon etwas Mühe. Zudem verlangt der Spielverlauf einen hohen Abstraktionsgrad, denn der Kampf altägyptischer Dynastien spielt sich nicht als geradlinige Auseinandersetzung ab, bei der Front gegen Front steht wie beispielsweise beim Schach. Vielmehr muss man um einige Ecken denken, wie das bei den Spielen des Autors Reiner Knizia meistens der Fall ist.

Auf dem sandgelben Spielplan werden im Verlauf des Spiels zwei Reihen von quadratischen Plättchen abgelegt. Auf der oberen werden jene plaziert, auf denen der Sonnengott Ra abgebildet ist. Liegen (bei fünf Spielern) zehn Ra-Plättchen dort, ist eine Epoche beendet, und es kommt zur Abrechnung, insgesamt dreimal pro Spiel. Auf den unteren acht Feldern werden jene Plättchen abgelegt, auf denen das abgebildet ist, was den Teilnehmerinnen und Teilnehmern schliesslich Punkte bringt: Pharaonen, Monumente, Errungenschaften der menschlichen Zivilisation, Götter.

Im Spiel geht es darum, möglichst viele dieser machtvermehrenden Plättchen zu erringen. Dazu muss man in den entsprechenden Bietrunden eine Sonne mit möglichst hoher Punktezahl einsetzen können. Knizia hat den Auktionsmechanismus in "Ra" noch um ein gutes Stück verfeinert, nachdem er in schon in "Modern Art" (Hans im Glück) zur hohen Kunst entwickelt hatte. Vor allem muss man in "Ra" sehr gut darauf achten, wie sich die Mitspielenden verhalten: Denn es sind nicht bloss die absoluten Werte ausschlaggebend, sondern auch die Verhältnisse. So erhält der Spieler mit den meisten Pharaonen bei den Abrechnungen jeweils fünf Punkte, der mit den wenigsten jedoch zwei Minuspunkte. Zudem darf man nie vergessen, dass die Monumente erst in der dritten Abrechnung gewertet werden, so dass man seine Reihen hier mit dem Blick auf das Ende aufbauen und daher in den Bietrunden möglichst darauf achten muss, dass die Planung nicht durch irgendwelche Katastrophen zunichte gemacht werden.

"Ra" ist für Menschen gedacht, die gerne mit dem Kopf spielen und bei denen sich das spielerische Wohlbefinden dann einstellt, wenn ihre langfristigen Rechnungen zum Schluss aufgehen. Ihnen kann man dieses Spiel nur empfehlen.

Titel: Ra, Autor: Reiner Knizia, Verlag: Alea/Ravensburger, Gattung: Strategiespiel, Für: 3 bis 5 Spieler, Ab: 12 Jahren, Preis: ca. Fr. 45.--


Mit freundlicher Genehmigung des Autors Synes Ernst im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -


© 1998 - Felsberger S & A Spiel & Art AG, Leimatstrasse 32, CH-9000 St. Gallen. Update: 15.04.1999