Samurai: Ein Taktikspiel für die ganze Familie

Alles unterliegt den Trends; auch die Spieleszene ist ihnen unterworfen. Kamen Mitte der achtziger Jahre Detektivspiele den Markt, so folgten ihnen Anfangs der neunziger die Kommunikations- und Partyspiele, bevor Mitte der neunziger Jahre die Welle der anspruchsvollen Abenteuer- und Mittelalterspiele über uns hereinbrach. Auch das hier vorzustellende "Samurai" gehört in letztere Spielegruppe, die nur gewinnt, wer fortwährend taktisch zu agieren versteht; wer sich treiben lässt und auf das oft zitierte "Spielglück" vertraut, hat, bei gleich starken Mitspielern, nicht den Hauch einer Chance. Dennoch ist "Samurai" kein reines Erwachsenen-, geschweige denn Freakspiel, sind doch langfristige Planungen kaum möglich und die Spieldauer kurz. Doch um was geht’s beim Brettspiel, das die Spieler in ein Japan entführt, in welche Tokio noch Edo hiess und die Samurai ihre Untergebenen mit Reis statt harten Yen entlöhnten? Ganz einfach: Um Macht. Jeder Spieler muss versuchen, auf die drei Nippon beherrschenden Gesellschaftsklassen Krieger, Priester und Bauern Einfluss zu nehmen. Diese Gruppen werden durch je 13 schwarze Plexiglasbuddhas, -bauern und –krieger symbolisiert, welche alle beim Spiel zu viert zuerst auf die Städte des Landes verteilt werden. Anschliessend erhält jeder Spieler 20 Einflussplättchen einer Farbe. Mittels diesen Plättchen muss man nun versuchen die Städte so einzukreisen, dass man auf die Figuren in den Städten am meisten Einfluss ausübt. Ist dies der Fall, kann man sich die Figur(en) nehmen und hinter seinem Paravent verstecken. Anschliessend darf man so viele Plättchen verdeckt nachziehen wie man gerade gelegt hat. Die Plättchen lassen sich in normale und Sonderplättchen aufteilen. Während man mit den normalen lediglich auf eine Gruppe, zB. die Bauern, Einfluss nehmen kann, üben die Sonderplättchen auf alle sich in der angrenzenden Stadt befindlichen Figuren Einfluss aus. Ausserdem gibt es Sonderplättchen, die das nochmalige Legen eines Plättchens erlauben. Besonders stark sind jedoch das Figurentausch- und das Plättchentausch-Plättchen; richtig eingesetzt können sie schon die "halbe Miete" auf dem Weg zum Sieg darstellen. Das raffinierte am Spiel ist jedoch der Abrechnungsmechanismus. Um überhaupt das Spiel gewinnen zu können, ist es nötig, dass man am Ende (welches dann eintritt, wenn von einer Gruppe alle Figuren abgeräumt sind) von mindestens einer der drei Gruppen eine Mehrheit hat. Diese Mehrheit wird nun von den übrigen Figuren abgezogen. Wer nun noch am meisten Figuren übrig hat, gewinnt das Spiel. Fazit: Samurai ist ein schönes Spiel mit einem hohen Spielreiz, so dass Spielernaturen mit Flair für taktische Spiele einen Kauf sicherlich nicht bereuen werden.

Verlag: Hans im Glück, Autor: Reiner Knizia, Spieldauer: 45 bis 60 Minuten, Spieler: 2 bis 4 Personen, Preis: rund 55 Franken


Mit freundlicher Genehmigung des Autors Christof Lampart im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -


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