Faites vos jeux
erschienen in der Neue Zürcher Zeitung
in LEBENSART
«Samurai»: Je knapper der Vorsprung, desto
sicherer der Sieg
tom. Obwohl er noch nie den Preis «Spiel des
Jahres» gewonnen hat, ist der 41jährige Bayer Reiner Knizia der wohl gefragteste
Spielautor in Europa. Gemäss einer Recherche der österreichischen Fachzeitschrift
«Spielwiese» sind 1999 nicht weniger als 14 neue Spiele des studierten Mathematikers,
ehemaligen Bankmanagers und seit kurzem professionellen Spielerfinders von verschiedensten
Verlagen neu ins Programm genommen worden. Der Ravensburger-Verlag lanciert sein neues
Prestigeobjekt, die Erwachsenenspielmarke Alea, mit einem Knizia-Spiel («Ra»), und sogar
der Hasbro-Konzern, der mit den Marken MB und Parker vor allem Spiele «made in USA»
international vertreibt, bringt exklusiv für den deutschsprachigen Markt ein
Autoren-Spiel von Knizia («Rheinländer») in die Läden. Bei dieser Fülle von
Neuerscheinungen, die im Februar an der Spielwarenmesse in Nürnberg vorgestellt wurden,
möchte man das Knizia-Spiel «Samurai», das noch vor Weihnachten vom «Hans im
Glück»-Verlag herausgegeben worden war, fast als «historisch» bezeichnen.
Historisch ist auf alle Fälle das Spielthema: Als Spielfläche dient eine alte japanische
Landkarte, die je nach Anzahl Spieler aus bis zu vier Teilen zusammengesetzt werden muss.
Bei zwei Spielern wird nur auf der Insel Honshu gespielt, bei drei Spielern kommen die
Inseln Kyushu und Shikoku hinzu, bei vier Spielern wird das Machtgerangel auf Hokkaido
ausgedehnt. Die Inseln sind in sechseckige Felder unterteilt. Es geht darum, durch
geschicktes Legen von Einfluss-Plättchen Figuren, die zu Beginn auf Japans Städte
verteilt sind, in seinen Besitz zu bringen. Die Figuren aus Plexiglas stellen Reisfelder,
Buddhas und Helme dar und repräsentieren die drei Berufsgruppen Bauern, Priester und
Krieger. Schwarz glänzend muten sie recht edel an. Überhaupt wirkt das Material beim
Auspacken sehr einladend und animiert sofort zum Drauflosspielen.
Aber keine Angst: im Gegensatz zu anderen Knizia-Brettspielen wie etwa «Euphrat &
Tigris», bei denen ein Sieg nur über ständiges Kopfrechnen führt, ist «Samurai» ein
eher einfaches Familienspiel, das sich recht schnell und locker bewältigen lässt und bei
dem der Zufall wacker mitmischt. Die Spieler besitzen je 20 Einfluss-Plättchen, von denen
sie sich als Ausgangslage 5 nehmen dürfen und hinter einem Sichtschirm vor den Blicken
der Gegner verstecken. Die restlichen 15 Plättchen werden verdeckt gemischt und später
zufällig nachgezogen. Wer an der Reihe ist, darf Plättchen auf den Spielplan legen und
danach seinen Vorrat hinter dem Schirm auf 5 ergänzen.
Wann immer im Verlauf des Spiels eine Figur auf allen benachbarten Landfeldern
vollständig von Plättchen umgeben ist, wird sie an jenen Spieler vergeben, der den
grössten Einfluss auf sie ausgeübt hat. Plättchen, welche die Symbole Reisfeld, Buddha
oder Helm tragen, beeinflussen die entsprechenden Figuren mit einem aufgedruckten
Zahlenwert. Die Plättchen Samurai, Reiter und Schiffe wirken wie Joker auf alle Figuren.
Schiffe dürfen nur auf Meerfelder gelegt werden. Auf Grund der unterschiedlichen
Plättchensymbole ist es möglich, dass unterschiedliche Figuren in derselben Stadt
unterschiedliche Besitzer finden. Es gilt also, seine Plättchen möglichst effizient
einzusetzen. Plättchen, die erlauben, Figuren oder Plättchen auf dem Brett
auszutauschen, machen das Ganze noch zusätzlich unberechenbar.
Gewonnen hat am Ende allerdings nicht einfach, wer am meisten Figuren besitzt. Nach dem
Lüften der Sichtschirme wird erst mal geschaut, wer in einer Figurenart die alleinige
Mehrheit besitzt. Nur solche Spieler kommen überhaupt in die Wertung. Die Figuren mit der
Mehrheit werden allerdings beiseite gelegt: es zählen lediglich die Figuren der übrigen
zwei Arten. Das Ziel ist es also, einen möglichst knappen Vorsprung in einer
Figurenart zu sammeln und seine ganzen Kräfte auf die übrigen Arten zu konzentrieren.
Ein Memory-Effekt rundet die Taktik ab: man sollte die bereits gewonnenen Figuren der
Gegner zählen, um den Überblick zu behalten.
«Samurai» wurde in unseren Spielrunden durchwegs als stimmiges und kurzweiliges Spiel
beurteilt, das man schnell mal zwischendurch für eine Stunde hervorholen kann und das
eine gut redigierte, reich bebilderte, eingängige und auch recht kurze Regel besitzt. Es
erleidet zudem keinen grossen Verlust an Spielreiz, wenn einmal nur zwei oder drei Spieler
zur Verfügung stehen. Für Strategen ist es denkbar, mit einer kleinen Regeländerung das
zufällige Nachziehen von neuen Plättchen zu ersetzen, damit der Glücksfaktor kleiner
wird. Der spezielle Wertungsmechanismus ist allerdings nicht überall auf ungeteilte
Gegenliebe gestossen. Oft hat sich am Ende einer Partie ein Patt ergeben. Eine andere Art
der Wertung wäre deshalb sicher auch ein Probespiel wert.
«Samurai», Legespiel von Reiner Knizia für 2 bis 4 Spieler ab 10
Jahren. Verlag: Hans im Glück. Spieldauer einer Partie: 30 bis 60 Minuten. Preis: etwa 59
Franken. Verlagsadresse: Birnauer Str. 15, D-80809 München, Tel: 0049 89 300 54 19,
www.hans-im-glueck.de
Sämtliche bisher in der NZZ erschienenen Spielbesprechungen sind
übrigens auf dem Internet abrufbar über die Adresse:
www.toy-net.ch/forum/spielebesprechung/index.htm
Mit freundlicher Genehmigung von Thomas Felber im toy-net.ch. - Weitere
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