Faites vos jeux erschienen in der Neue Zürcher Zeitung in LEBENSART
«Siesta» und «Cabale»: edles Holz, schlichtes Design, schlaue Taktik
tom.
Wer Spiele danach aussucht, ob deren Design zur Kleidung der Gäste passt, der
sollte zur «Royal»-Reihe des Goldsieber-Verlags greifen, wenn wieder mal
Werber zu Besuch kommen. Eine schwarze Schachtel, schwarze Stoffsäcke, in
welchen das aus edlen Hölzchen bestehende Spielmaterial ruht, eine dunkle
Holzplatte als Spielfeld und ein schlichtes Design ohne Schnickschnack zeichnen
alle Exemplare dieser «königlichen» Reihe von Taktikspielen aus. Drei Titel
sind bisher erschienen, «Cabale» und «Siesta» heissen die beiden
interessanteren. «Cabale» ist eine Neubearbeitung des Roland-Siegers-Spiels «Winkeladvokat»,
das 1986 bei Schmidt-Spiele produziert worden war. Dessen aufgesetztes Thema ist
nun weggefallen, was gut tut angesichts des unsäglichen Bestrebens vieler
Verlage, jedem noch so abstrakten Spiel ein möglichst originelles Thema zu
verpassen.
Zunächst aber zu «Siesta», das nicht ganz so abstrakt daherkommt. «Siesta»
heisst nämlich nicht nur das Spiel selber, sondern der Begriff steht auch für
eine Kombination von drei im Spiel enthaltenen Spielsteinen, welche die Sonne,
ein Hausdach und den dadurch geworfenen Schatten repräsentieren. Es gewinnt,
wer die meisten Schatten auf dem Spielfeld für sich werten kann (klingt ja
irgendwie logisch, denn nur im Schatten kann man eine Siesta abhalten). «Sonnen-»,
«Dach-» und «Schattensteine» müssen in einer Linie liegen, um eine «Siesta»
zu bilden. Jeder Stein darf dabei beliebig häufig vorkommen (zwei Sonnen, die
über zwei Dächern fünf Schatten werfen, sind nichts Aussergewöhnliches),
jedoch nur in der festgelegten logischen Reihenfolge.
Wer am Zug ist, muss drei Steine beliebiger Art setzen und dabei vier Setzregeln
einhalten. Zum Beispiel dürfen Steine nie alleinstehend und Sonnen nie neben
Schatten placiert werden. Sonnenfiguren und Schattenplättchen stammen aus einem
gemeinsamen Pool. Die Dächer gehören den Spielern und tragen deren Farben.
Jedes Schattenplättchen in einer «Siesta» mit einem Dach eigener Farbe zählt
in der Endabrechnung einen Punkt. Falls es gelingt, eine Reihe von Schatten auf
beiden Endseiten von Dächern und Sonnen zu begrenzen, nennt man das eine «Doppelsiesta»,
die zwei Bonuspunkte einbringt.
«Siesta» ist ein kurzweiliges Taktikspiel mit leichten Regeln, das sich für
zwei, drei oder vier Spieler eignet. Erfolgreich ist, wer die Gegner möglichst
oft dazu verleitet, an seinen «Siestas» mitzubauen. Nach mehreren Partien
verliert das Spiel allerdings etwas an Reiz, weil der Spielablauf mit immer ähnlichen,
beschränkten, relativ gut durchschaubaren Möglichkeiten doch recht gleichförmig
ist. Die Entscheidung über Sieg und Niederlage fällt deshalb stets knapp aus,
falls alle Beteiligten einigermassen aufpassen.
Mehr Spieltiefe bietet «Cabale», eine sehr spannende Angelegenheit, die
auf einem sechseckigen Spielbrett mit fünf konzentrischen Kreisen gespielt
wird. Je näher sich ein Feld dem Zentrum des Bretts befindet, desto höher ist
sein Punktwert. Jeder Spieler besitzt einen «Läufer» genannten Spielstein.
Mit diesem muss er in seinem Zug jeweils geradeaus über eine Reihe von Feldern
ziehen, genau einmal abbiegen und ihn dann auf ein beliebiges Endfeld setzen.
Auf das Feld, auf dem der Läufer abgebogen war, wird ein sogenannter «Punktestein»
eigener Farbe gesetzt. Steht der Stein bei Spielende noch dort, bekommt der
Spieler den Wert des Feldes gutgeschrieben.
Weil ungeschützte Steine vom Gegner geschlagen werden können, ist es wichtig,
die eigenen Steine möglichst in schlauen Formationen zu placieren. Zusätzlich
können auch «Blockadehölzer» eingesetzt werden, über die später nicht mehr
hinweggezogen werden darf. Geschlagene fremde Steine erhöhen ausserdem zum
Schluss den eigenen Punktwert. «Cabale» ist ein hochkarätiges Denkspiel, das
den Vergleich mit bekannten Klassikern dieses Genres nicht zu scheuen braucht
und zudem noch einen wichtigen Vorteil bietet: Nicht nur zu zweit, sondern auch
zu dritt oder zu viert kann man damit seinen Spass haben.
«Siesta», taktisches Legespiel von Guido Hoffmann für 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahren, Spieldauer: 45 bis 70 Minuten. «Cabale», taktisches Legespiel von Roland Siegers für 2 bis 4 Spieler ab 12 Jahren, Spieldauer: 30 bis 60 Minuten. Beide Spiele erschienen im Goldsieber-Verlag. Preis: je etwa Fr. 59.–. Vertrieb in der Schweiz: Max Bersinger AG, Zürcherstrasse 505, 9015 St. Gallen.
Mit freundlicher Genehmigung des Autors Thomas Felber im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -
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