Städte und Ritter: Ein Muss für Freaks
Es gibt nur wenige Spiele, die innerhalb von wenigen Jahren den Ruf eines modernen Klassikers erreicht haben. „Memory“, „Scrabble“ oder „Monopoly“ gehören dazu. Nun kam Mitte der neunziger Jahre „Die Siedler von Catan“ hinzu. Mittlerweile sind weit über zwei Millionen „Siedler“ über den Ladentisch gegangen, dem Basisset folgte die Erweiterung für fünf und sechs Spieler, dieser die „Seefahrer“ und nun endlich, als Abschluss (?) der Serie: „Städte und Ritter“. Und diese Fortsetzung - welche nur mit dem Basisset zusammen spielbar ist - hat es in sich. Denn sie ist nicht für den Gelegenheits-„Siedler“ gedacht (also zB. Familien mit jüngeren Kindern), sondern einzig und alleine für die Freaks unter den Spielern, die sich schon seit langem mal ein komplexeres Szenario, eine längere Spieldauer und – vor allem – eine feindliche Bedrohung des idyllischen Inselreichs wünschten. Kurzum: Wer im Spieleladen zu „Städte und Ritter“ greift, sollte sich bewusst sein, dass die Spieldauer gegenüber dem „Siedler“-Basisspiel um mindestens eine bis zwei Stunden verlängert wird. Barbarenschiffe nähern sich dem friedlichen Catan, um es zu überfallen. Mit einem Ereigniswürfel wird entschieden, ob die Piraten sich der Küste nähern, oder ob – bei entsprechend fortgeschrittenen Stadtausbau – eine Aktionskarte gezogen werden kann. Letztere kann entweder gegen die Mitspieler oder die Barbaren eingesetzt werden. Daneben können auch Ritter aktiviert werden. Sie verhindern entweder a) den Weiterbau einer Strasse durch einen Rivalen oder b) dass die Barbaren, welche mitunter häufiger landen, als einem lieb ist, gerade die eigene Stadt dem Erdboden gleich machen, d.h., als Siedlung zurücklassen. Zwar greifen die Barbaren keine Siedlungen an, doch bekommt man mächtige Aktionskarten nur dann, wenn man im Besitz von Handelswaren (Tuch, Geld und Papier) ist – und dieser erhält man nur, wenn man mindestens eine Stadt hat. Hat man aber viele Städte, so werden auch dementsprechend viele Ritter zur Verteidigung, resp. deren „Aufwertung“ gebraucht. Oder sollte man seine Ressourcen lieber in Stadtmauern investieren, um sich gegen den Räuber zu schützen? Ausserdem können Ritter auch zum Vertreiben fremder Ritter eingesetzt werden etc. Je weiter das Spiel fortschreitet, desto grösser wird das Dilemma: Man möchte mindestens zwei, drei Sachen auf einmal tun, doch leider reichen dafür die Mittel meistens nicht. Ausser dem etwas dünn ausgefallenen Rahmen, der dem Spiel beiliegt, sind material- und spielmässig keine Schwachpunkte bei „Städte und Ritter“ erkennen. Wer also gerne drei und mehr Stunden vor einem Spielbrett verbringt, sich als Spielefreak und Stratege versteht, dem kann nur eine Rat gegeben werden: Zugreifen!
Verlag: Kosmos Spielegalerie, Autor: Klaus Teuber, Alter: ab 10 Jahren, Dauer: Mindestens 150 Minuten, Anzahl: 3-4 Personen, Preis: zirka 50 Franken
Mit freundlicher Genehmigung des Autors Christof Lampart im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -
© 1998 - Felsberger S & A Spiel & Art AG,
Tannenstrasse 40, CH-9010 St. Gallen. Update: 25.06.2001