Faites vos jeux erschienen in der Neue Zürcher Zeitung in LEBENSART
Wer bastelt das optimale Raumschiff?
tom. Hoppla. Da düsen wir im All herum und sind
doch prompt in eine Raum-Zeit-Zerrung geraten, in unendlichen Weiten stecken
geblieben, mit knappen Rohstoffen an Bord und einem serbelnden Antrieb. Um nach
Hause sausen zu können, muss das Raumschiff erst ein paar technologische
Entwicklungsschritte nachvollziehen. Nicht nur stärkere Antriebe und bessere
Bordkanonen sind gefragt. Auch an der übrigen Infrastruktur muss tüchtig
geschraubt werden. Zum Glück helfen leutselige Aliens mit ein bisschen
Startkapital aus; mit der galaktischen Einheitswährung «Astro» etwa oder
einer Kolonie, die den ersten Rohstoffbedarf deckt. Es gilt, weitere Kolonien zu
gründen, neue Rohstoffe zu fördern, auf Handelsplaneten zu kaufen oder zu
verkaufen. Denn die verschiedenen Infrastrukturausbauten des Schiffs verlangen
nach unterschiedlichen Mengen und Kombinationen von Rohstoffen.
Infrastrukturausbau durch unterschiedliche Rohstoffkombinationen? Das klingt
doch ganz nach einem Spiel aus der «Siedler von Catan»-Familie. Dazu gehört
«Sternenschiff Catan» tatsächlich und ergänzt die Reihe der
Zwei-Personen-Spiele des Kosmos- Verlags mit einem eher anspruchsvollen Titel.
Dank einer «Professor Easy»-Spielregel, die den Spielaufbau Schritt für
Schritt erklärt, ist der Einstieg für Leute, die schon einmal ein Brettspiel
gesehen haben, trotzdem in kurzer Zeit machbar. Die Materialfülle macht die
Schachtel dicker und den Preis höher, als bei Kosmos-Zwei- Personen-Spielen üblich
ist. Jeder Spieler hat ein in detailverliebter, technischer Grafik gestaltetes
Raumschiff vor sich liegen. An Bord befinden sich fünf Lager für Erz,
Treibstoff, Nahrung, Carbon und Handelswaren. Die Lagerbestände sind dank
variablen Anzeigen im Raumschiff gut ablesbar. In einem Labor wird zudem der
Stand des quasi sechsten Rohstoffs «Wissen» markiert. Mit diesen sechs Zutaten
können auf jedem Raumschiff ein Verwaltungs-, ein Handels-, ein Wissenschafts-,
ein Logistik-, ein Produktions- und ein Nachrichtenzentrum ausgebaut werden.
Eine Investition in die Logistik ermöglicht zum Beispiel die Lagerung von mehr
Rohstoffen. Durch einzelne Errungenschaften erhält man Siegpunkte, wer zehn
davon hat, gewinnt.
Die sehr vielfältigen Facetten und Strategiemöglichkeiten des Spiels können
hier nur rudimentär beschrieben werden. Wer an der Reihe ist, führt drei
Spielphasen aus. Wie bei allen «Catan»-Spielen wird zunächst mit einem Würfel
zufällig bestimmt, ob die Spieler einen Rohstoff erhalten. Die entsprechenden
Lagerbestände werden allenfalls erhöht. In der dritten Phase können
vorhandene Rohstoffe zum Handeln oder zum Ausbau des Raumschiffes genutzt
werden. Das wesentliche, originelle Element von «Sternenschiff Catan» macht
aber die Phase dazwischen, die Flugphase, aus. In der Mitte des Tisches liegen
vier verdeckte Kartenstapel: die «Raumsektoren». Der Spieler sucht sich einen
Sektor aus und deckt gemäss der gegenwärtigen Stärke des eigenen
Raumschiffantriebs eine Anzahl Karten auf. Je nach Ausbau seines
Verwaltungszentrums kann er eine kleinere oder grössere Anzahl dieser Karten für
Aktionen nutzen. Wichtig sind die Handelsplaneten, mit denen Rohstoffe zu sehr
unterschiedlichen Preisen gekauft oder verkauft werden können. Einige Karten
darf man behalten, sie zählen fortan zur eigenen Infrastruktur, andere werden
nach den Aktionen wieder unten in den Kartenstapel hineingeschoben. Das
Besondere: Die Stapel werden nie, nie, nie gemischt; deshalb ist es wichtig,
sich zu merken, in welchen «Raumsektoren» an welcher Stelle jene Karten
liegen, mit denen man billig einkaufen oder teuer verkaufen kann.
«Sternenschiff Catan» spielt sich nur am Anfang etwas schleppend, bis man die
Abläufe erkannt hat. Dann wird das Spiel immer interessanter und kurzweilig.
Interaktion zwischen den Spielern gibt es jedoch fast nicht,
Verhandlungsgeschick ist nicht notwendig, sondern ein gutes Gedächtnis. Während
des Spiels werkelt jeder mehr oder weniger unabhängig und konzentriert vor sich
hin. Ärgern kann man den Gegner nur, indem man ihn zum Rohstoff- Zwangsverkauf
zwingt oder ihm einen bestimmten Zentrumsausbau vor der Nase wegschnappt. Eine
erste Partie dürfte gegen drei Stunden dauern, später wird sich die Spieldauer
eher bei neunzig als bei sechzig Minuten einpendeln. Wer das Spiel kennt, ist
gegenüber einem Anfänger extrem im Vorteil. Es gilt, beim Ausbau Schwerpunkte
zu setzen. Das Glück spielt aber – vor allem mit dem gelegentlichen
Auftauchen von Weltraumpiraten – eine nicht unwesentliche Rolle. Fazit: «Sternenschiff
Catan» ist ein gutes Zwei-Personen-Spiel, geeignet für geübte Spieler oder
solche, die es werden wollen.
«Sternenschiff Catan»: Aufbauspiel von Klaus Teuber für 2 Personen ab 12 Jahren. Spieldauer: bis zu zwei Stunden. Verlag: Kosmos. Preis: etwa Fr. 40.–. Vertrieb in der Schweiz: Lemaco SA, Chemin du Croset 9, 1024 Ecublens. Internet: www.kosmos.de
Mit freundlicher Genehmigung des Autors Thomas Felber im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -
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