Faites vos jeux  erschienen in der Neue Zürcher Zeitung in LEBENSART

«Stimmt so!»: Tante Emma auf Einkaufstour an den Börsen dieser Welt

tom. Solange Leute, die mit Geld an der Börse spekulieren, sich gerne selber als «Spieler» bezeichnen, kann es nicht erstaunen, dass Aktienhandel auch des öfteren als Thema von Brett- oder Kartenspielen auftaucht. Leider werden sich echte Börsianer kaum mit solchen Spielereien abgeben. Spekulationen in spielerischer Form haben zwar den Vorteil, dass sie nicht wirklich in den Ruin führen können, andererseits wird man dabei aber auch nicht reich, lediglich Spass und eine Prise häuslichen Ruhms gibt es zu gewinnen. Auch im vergangenen Jahr sind Aktienhandels- Spiele erschienen. Der neu gegründete Relaxx-Verlag brachte zum Beispiel ein «Millionenspiel für ausgebuffte Spekulanten» namens «Business» heraus. Ironie des Schicksals: der Relaxx- Verlag hat inzwischen Konkurs angemeldet und ist wieder vom Markt verschwunden.
Erhältlich ist hingegen nach wie vor «Stimmt so!» aus dem Verlag Queen-Games, das mit dem Untertitel «Tante Emma geht an die Börse» auf Kundenfang geht. Wie «Showmanager» und «Carat» stammt «Stimmt so!» ursprünglich aus der Küche von Dirk Henn und seinem Kleinverlag «db-Spiele». Im Original, das «Al Capone» hiess, rangen Mafiabosse um Anteile an illegalen Geschäften wie Schnapsbrennereien und Wettbüros. In der neuen Aufmachung schlägt Tante Emma zurück, nachdem sie jahrelang hat miterleben müssen, wie ihre beschaulichen Läden von grossen Ladenketten aufgekauft wurden. An den Börsen von Tokyo, New York, Moskau und Frankfurt versucht sie mit dem Kauf von Aktienanteilen, verschiedene Konzerne wie Banken, Airlines, oder Petrolfirmen unter ihre Kontrolle zu bringen. Leider krankt die neue aufwendige Aufmachung des Spiels am selben Syndrom wie viele Queen-Games-Spiele: sie sind im Vergleich zu anderen Brettspielen zu teuer. Bei «Stimmt so!» handelt es sich eigentlich um ein Kartenspiel. Das Brett dient «nur» sehr funktionell als Ablagefläche für Karten und als Punktezählleiste.
Der Spielmechanismus stimmt hingegen. «Stimmt so!» ist ein kurzweiliges Spiel für die ganze Familie, bei dem sich Glück und Taktik etwa die Waage halten. Es gibt Geldkarten in den vier Währungen Euro, Rubel, Dollar und Yen in Werten zwischen einer Million und neun Millionen. Das Geld benötigt man, um Anteile an den sechs Konzernen zu erwerben. Jeder Konzern hat eine andere Anzahl von Aktienanteilen, die in Nominalwerte zwischen 2 und 13 Millionen gestückelt sind. Fünf Geldkarten erhält jeder Spieler zu Beginn zufällig. Während des Spiels liegen jeweils vier weitere Geldkarten auf dem Plan offen aus. Dazu werden immer vier Konzernanteile zum Verkauf angeboten, in jeder Börse einer.
Wer an der Reihe ist, darf nun entweder einen offen liegenden Aktienanteil kaufen oder eine offen liegende Geldkarte nehmen. Beim Kauf von Aktien muss man natürlich in der Währung der jeweiligen Börse bezahlen. Dabei geschieht es immer wieder, dass man gerade die falschen Währungen zur Hand hat oder dann zuviel zahlen muss, weil die Börse kein Wechselgeld herausgibt, was dem Spiel auch seinen Namen «Stimmt so!» gab. Im Verlauf des Spiels kommt es zu drei Wertungen. Je nach Anzahl der Konzernanteile erhält man dann Punkte gemäss einer Wertungsskala. Entscheidend für den Sieg ist, welche Währungen man sammelt und wann man beim Aktienkauf zuschlägt. Da die offerierten Aktien und Geldscheine nach dem Zufallsprinzip auf dem Spielplan erscheinen, ist Risikobereitschaft gefragt. Oft gehen die lukrativsten Aktien direkt vor der Nase weg. Die Spannung hält bis zum Schluss, weil in den späteren Wertungen mehr Punkte verteilt werden als zu Beginn, wodurch führende Spieler noch überholt werden können.
Wem «Stimmt so!» zu teuer ist, für den hat Queen-Games auch ein Kartenspiel zu einem Wirtschaftsthema in einer kleinen Schachtel parat. «Schnäppchenjagd» ist ein originelles Stichspiel. Kartenwerte in sechs Farben von 1 bis 9 sind verschiedenen Haushaltgeräten zugeordnet. Jede 3 ist zum Beispiel ein Fön, jede 9 eine Waschmaschine. Jeder Spieler muss nun ein bestimmtes Gerät zu seinem persönlichen «Schnäppchen» bestimmen. Während des folgenden Stichspiels versucht man, möglichst viele Schnäppchen zu sammeln. Farben müssen dabei bedient werden. Wer nicht bedienen kann, spielt eine andere Farbe und darf dabei entscheiden, ob sie für diesen Stich Trumpf oder Fehlfarbe ist. Gestochene Schnäppchen kommen auf den persönlichen «Schnäppchenstapel», alle anderen Karten sind wertloser Krimskrams. Nach jeder Runde kann man sein Schnäppchen wechseln. Das Spiel endet nach einer festgesetzten Rundenzahl. Es gilt dabei, ein möglichst günstiges Verhältnis zwischen Schnäppchen und Krimskrams zu erreichen. Das klingt zwar banal, ist aber taktisch doch eher anspruchsvoll. Ist der Mechanismus einmal durchschaut, kann man leicht süchtig werden.

«Stimmt so!», Kartenspiel von Dirk Henn für 3 bis 6 Spieler ab 10 Jahren. Verlag: Queen-Games. Dauer: 40 bis 60 Minuten. Preis: etwa 55 Franken. «Schnäppchenjagd», Kartenspiel von Uwe Rosenberg für 3 bis 4 Spieler ab 10 Jahren. Verlag: Queen- Games. Dauer: 30 bis 40 Minuten. Preis etwa 20 Franken. Verlagsadresse: Queen-Carroms Spielwaren GmbH, Langbaurghstr. 7, D-53842 Troisdorf-Spich, Tel. (0049) 22 41 49 000.


Mit freundlicher Genehmigung von Thomas Felber im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -


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