Faites vos jeux erschienen in der Neue Zürcher Zeitung in LEBENSART

 «Quarto!»,  «Pylos», «Quivive»: kurze Taktikspiele mit einfachen Regeln

tom. Die Lektüre von Spielregeln ist nicht jedermanns Sache. Die Ernüchterung beim Auspacken eines neuen Spiels kann gross sein, wenn man realisiert, dass vor dem Spielspass erst ein mühsamer Kampf durch hochkomplizierte mehrseitige Regeln bevorsteht. Wenn am Spielabend erbarmungslose Diskussionen zur Regelauslegung mehr Zeit in Anspruch nehmen als das eigentliche Spiel, ist definitiv etwas schiefgelaufen. Solcherlei kann mit den Taktikspielen aus dem französischen Gigamic-Verlag, die in der Schweiz von Carletto vertrieben werden, nicht passieren.
Bei sämtlichen Gigamic-Spielen bestehen die Regeln nur aus wenigen Sätzen. Sie sind derart einfach, dass die Spiele sofort in Angriff genommen werden können und Missverständnisse ausbleiben. Es handelt sich durchwegs um anspruchsvolle Denkspiele mit sehr kurzer Spieldauer. In der klassischen Holzausgabe (zum Teil sind auch Plastic- und kleine Magnetausgaben erhältlich) eignen sich die Spiele zudem als schöne Ausstellungsobjekte. Neun Spiele sind im Sortiment. Drei haben wir herausgepickt:
«Quarto!» ist schon fast ein Klassiker. Es erhielt 1992 den französischen Spielepreis «Super As d'Or» und wurde 1993 in Deutschland auf die Auswahlliste zum «Spiel des Jahres» gesetzt. 16 Spielfiguren haben jeweils vier Merkmale: sie sind entweder gross oder klein, schwarz oder weiss, rund oder eckig und haben entweder ein Loch in der Mitte oder keines. Keine Figur ist wie die andere. Abwechselnd setzen die Spieler je eine Figur auf das quadratische Spielbrett, das aus vier mal vier Feldern besteht. Wer eine Reihe von vier Figuren schafft, bei denen eines der Merkmale identisch ist, gewinnt. Allerdings: Der Gegner wählt jeweils die Spielfigur aus, die man setzen darf. So gilt es nicht nur zu überlegen, wohin man eine Figur setzen will, sondern auch, welche Figuren man dem Gegner überhaupt noch zugestehen kann, damit seine Kombinationsmöglichkeiten nicht zum Sieg führen. Weil bei erfahrenen Spielern, welche das Prinzip einmal intus haben, die Partien oft unentschieden enden, gibt es eine Variante, bei der auch im Viereck angeordnete Figuren mit gleichem Merkmal den Sieg bringen.
Auch die Basis von «Pylos» ist eine Grundplatte aus 4 mal 4 Feldern. Diese sind allerdings Vertiefungen, in welche Kugeln gelegt werden. Jeder Spieler hat 15. Durch Aufeinanderstapeln der 30 Kugeln wird eine Pyramide aus vier Ebenen gebildet. Es gewinnt, wer die letzte Kugel auf die Spitze legen kann. Dabei gibt es zwei Regeln, um Kugeln zu sparen. Man darf nicht nur eine Kugel aus seiner Reserve auf die Platte setzen, sondern auch eine bereits gespielte Kugel in eine höhere Ebene der Pyramide auf ein Kugelquadrat legen. Ein Spieler, der ein vollständiges Kugelquadrat in seiner Farbe bilden konnte, darf zudem sofort eine oder zwei seiner Kugeln von der Platte wieder in seine Reserve zurücknehmen. Da Zugzwang besteht, hat sofort verloren, wer keine Kugel mehr setzen kann. Das klingt zwar alles recht einfach, im Spiel staunt man dann aber doch ordentlich, wenn der Gegner eine Kugel nach der anderen zurücknimmt, während der eigene Kugelvorrat ständig schwindet.
«Quivive» ist eine Neuerscheinung dieses Frühjahrs, Das Spiel funktioniert als Taktikspiel mit zwei Spielern ebenfalls sehr gut; im Gegensatz zu «Quarto!» und «Pylos» lässt es aber bis zu fünf Teilnehmer zu. Während im Zweierspiel der Glücksfaktor gänzlich fehlt, wird das Spiel mit zunehmender Spielerzahl naturgemäss immer unberechenbarer und glücksbetonter. Verschwörungen gegen einzelne Mitspieler sind möglich. Auf einem Brett mit 37 vertieften Feldern werden 49 flache runde Steine placiert. So entsteht eine Spiellandschaft mit unterschiedlich hohen Podien. Wer an der Reihe ist, muss zuerst seine Spielfigur in der Landschaft um ein Feld verschieben und anschliessend einen beliebigen runden Stein vom Brett entfernen. Dadurch werden die Zugmöglichkeiten immer beschränkter, als ob die Landschaft im Meer versinken würde. Kann ein Spieler seine Figur nicht mehr bewegen, weil es keine angrenzenden Steine mehr gibt, scheidet er aus. Der letzte Überlebende gewinnt. In einer grösseren Runde eignet sich «Quivive» sehr gut als kurzes, lustiges Ärgerspiel für zwischendurch.

«Quarto!» von Blaise Müller, für zwei Spieler ab 8 Jahren, «Pylos» von David G. Royffe, für zwei Spieler ab 8 Jahren, «Quivive» von Francis Pacherie, für 2 bis 5 Spieler ab 8 Jahren. Alle drei Spiele sind im französischen Gigamic-Verlag erschienen. Eine Partie dauert jeweils zwischen 10 und 20 Minuten. Ladenpreis der Holzausgaben: je etwa 59 Franken. Internetadresse des Verlages: www.gigamic.com


Mit freundlicher Genehmigung des Autors Thomas Felber im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -


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