Faites vos jeux erschienen in der Neue Zürcher Zeitung in LEBENSART
«Think» Mentaltraining in spielerischer Form für Nichtspieler tom. Der Ravensburger Verlag erhielt 1997 für die Reihe «Think» den Sonderpreis zum Deutschen Spielepreis, der für herausragende Leistungen im Spielebereich verliehen wird. Der Verlag habe «das Angebot für anspruchsvolle Erwachsenenspiele um eine neue Facette erweitert und die Eröffnung eines neuen Segments in der deutschen Spielelandschaft geschaffen», wird die Preisvergabe begründet. Zielgruppe von «Think» sind laut Verlagswerbung «alle, die mit beiden Beinen im Berufsleben stehen, gefordert werden und sich ständig neuen Aufgaben stellen». Die Beschäftigung mit «Think» helfe effizient und optimal zu denken, Stress besser zu bewältigen und mental fit zu sein. Das Marketing zielt somit auf Erfolgsmenschen, die Spiele bisher möglicherweise als reine Zeitverschwendung empfanden, nun aber erfahren, dass Spielen ihrer Karriere förderlich sein kann. Dazu passt auch die graphische Aufmachung der «Think»-Reihe, die dazu führt, dass man «Think» im Buchladen schon mal unter dem Begriff «Unternehmensführung» eingereiht vorfindet; was wohl doch etwas zu hoch gegriffen ist.«Think» richtet sich klar an Nichtspieler. Für geübte Spieler sind die «Think»-Produkte von unterschiedlicher Herausforderung. Im Vergleich zu herkömmlichen Spielen sind sie zudem eher teuer. Die Reihe umfasst mittlerweile neun verschiedene Titel mit Büchern, Spielen, Puzzles und CDs. Sie sind in handlichen Boxen verpackt, die zum Aufstellen im Büchergestell gedacht sind.
Der neueste «Think»-Titel heisst «Namen und Gesichter» und ist diesen Frühling erschienen. Die Box enthält ein eigenständiges 64seitiges Trainingsbuch mit einer Anleitung zu einem «perfekten Namensgedächtnis» sowie das Würfelspiel «Who is Who?» von Gunter Baars für zwei bis sechs Personen. Jeder Spieler verfügt dabei über eine Anzahl Partygäste. Diese werden durch drei zufällig zusammengestellte Karten definiert: eine Karte zeigt ein Porträt des Gastes, die zweite trägt seinen Namen, und die dritte bezeichnet ein Hobby. Wer an der Reihe ist, würfelt und zieht mit einer Champagnerflasche von einem Gast zum anderen. Dadurch erfährt man zum Beispiel, dass ein Partygast Emma Kornspitz heisst und Ahnenforschung betreibt. Zieht ein Mitspieler später auf diese Person, muss er den genauen Namen und das Hobby nennen. Je nach Resultat verliert oder gewinnt man Gästekarten. Wer am Schluss am meisten Gästekarten hat, ist Sieger. Fazit: «Who is who?» trainiert zwar tatsächlich das Gedächtnis, der Spielreiz ist aber sehr schnell verflogen.
Wesentlich lustiger ist «Memo Crime». Dieses «Think»-Spiel stammt von Max Kobbert, der an der Universität Münster Kunstdidaktik und Psychologie lehrt. Er hat bereits die Ravensburger-Spiele «Das verrückte Labyrinth» und «Labyrinth der Meister» geschaffen. «Memo Crime» ist eine Variante des altbekannten «Koffer packen»: Begriffe müssen in einer bestimmten Reihenfolge gemerkt, wiederholt und um einen weiteren Begriff ergänzt werden. In «Memo Crime» werden diese Begriffe von zwei bis sechs Spielern nicht in einen Koffer, sondern in Geschichten verpackt. Die Schwierigkeit ist dabei, dass an vier bis sechs verschiedenen Geschichten gleichzeitig gedichtet wird und man sich alle merken muss.
Jeder Spieler verkörpert einen Kriminalpolizisten und würfelt auf einem Spielplan seine Figur an sechs Schreibtischen vorbei. Auf den Tischen liegen Stapel mit Kärtchen bisher verwendeter Begriffe eines Kriminalfalls. Zieht man seine Figur auf einen Schreibtisch, muss man die Geschichte des Falls wiederholen und ergänzen. Je nach Erfolg gewinnt oder verliert man Punkte auf der Polizei-Karriereleiter, steigt zum Polizeipräsidenten auf oder wird zum Abstauben ins Archiv verbannt.
Falls kreative und fabulierfreudige Spieler am Tisch sitzen, eignet sich «Memo Crime» hervorragend als Partyspiel. Durch originelle Wendungen in der Geschichte und ständiges verzweifeltes Wiederholen dieser abstrusen Begebenheiten kann eine Runde immer wieder von Lachanfällen unterbrochen werden. Fraglich ist jedoch, ob das Spiel in der ausschliesslich für Erwachsene gedachten «Think»-Reihe richtig situiert ist. Vom Spielablauf her, zu dem Ereigniskarten gehören, sowie bezüglich der graphischen Aufmachung, die an ein Comic erinnert, dürften sich auch Kinder angesprochen fühlen. Das Würfelglück ist zudem sehr entscheidend, um eine Geschichte überhaupt weiterspinnen und Punkte sammeln zu können. Das klassische «Koffer packen» ist sicher fairer, weil jeder gleich oft an die Reihe kommt.
Die «Think»-Reihe umfasst sieben weitere Titel. Bei «Memo Story» geht es ebenfalls darum, Geschichten zu erfinden, jedoch anhand von Bilderkarten. Hinter dem Namen «Krypt» verbergen sich drei unbedruckte Puzzles, die nur über die Form der Teile zu lösen sind. «Mindpack» enthält verschiedene Denksportaufgaben, Strategiespiele und Bilderrätsel, «Mega Memo» bietet beidseitig bedruckte Bilderkarten für Memoryspiele. «Gehirn Potential» versucht mit Legespielen die Konzentration zu schulen. Mit «Mindcoach» kauft man neben einem allgemeinen Trainingsbuch auch das klassische Legespiel «Tangram» sowie eine CD mit Musik von Vivaldi, Händel und Bach zur Entspannung. Die kleinen «Logo Cards» mit Denksportaufgaben schliesslich kann man überallhin mitnehmen. Im Herbst wird zudem «Think Mindgym» als CD-Rom für den Computer erscheinen.
«Think», verschiedene Autoren, Verlag: Ravensburger. Je nach Titel: Mentaltraining und Spiele für Singles oder bis zu acht Personen ab 16 Jahren. Sowohl im Buch- als auch im Spielwarenhandel erhältlich. Preis: je nach Titel etwa 23 bis 80 Franken. «Think» auf dem Internet: http://www.think-online.de
Mit freundlicher Genehmigung von Thomas Felber im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -
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