„Tikal“: Spannung bis zur letzten Runde
Bei den Spielen ist es wie beim Wein: Es gibt einige schlechte, viele mittelmässige, wenige gute und ganz selten herausragende Jahrgänge. Der letzte herausragende Jahrgang war das Jahr 1988. Und nun scheint es wieder einmal so weit zu sein: Der Jahrgang 1999 ist sowohl qualitativ als auch quantitativ dermassen gut, dass man problemlos 30 bis 40 Spiele aufzählen könnte, die zumindest die Nominierung für die Auswahlliste „Spiel des Jahres“ verdient hätten. Und auch die Anwärter auf den Hauptpreis umfasst locker ein Dutzend Titel. So auch das hier zu besprechende „Tikal“, das, aufgrund des beschränkten Platzes, hier nur unzureichend vorgestellt werden kann. Der grüne Spielplan, welcher den guatalmatekischen Dschungel um die alte Maya-Ruinenstadt „Tikal“ zeigt, zieht die Spieler sofort in seinen Bann. Ziel eines jeden ist es, mit seinem Expeditionsteam möglichst viele Schätze und Tempel auszugraben, und letztere gegebenenfalls zu besetzen. Dies bringt in vier Wertungsrunden Punkte und wer am meisten davon hat, gewinnt das Spiel. Wer in der Grundversion an der Reihe ist, zieht zuerst ein Plättchen und legt es an die bisher ausgelegten Plättchen an. Beim Basislager beginnend lichtet sich der Urwald dabei Stück für Stück und gibt seine Schätze preis. Anschliessend kann der Spieler nun in jeder Runde zehn Aktionspunkte (AP) verteilen, indem er zum Beispiel ein Camp baut (5 AP), eine Tempelschicht freilegt (2 AP) und ein Schatz hebt (3 AP). Man kann aber auch Expeditionsteilnehmer einsetzen (je 1 AP) Schätze tauschen (3 AP pro Schatz), Tempel besetzen (5 AP) oder sich im Dschungel bewegen. Es gibt also viele Möglichkeiten. Um so mehr überrascht es, dass sich die Spieler in der Grundversion kaum in minutenlangem Grübeln verlieren. Dass ist dann bei der Profiversion schon ganz anders: Dort werden die Plättchen nämlich nicht gezogen, sondern zuerst ausgelegt und versteigert, wobei die Plättchen mit AP bezahlt werden. Wie weit man in den Urwald vordringen kann, hängt davon ab, wie viele Markierungen auf den angelegten Plättchen sind, geben doch diese die Wegkosten an. Diese schwanken zwischen einem und sechs AP. Ist auf keinem der beiden aneinander liegenden Plättchen eine Markierung, so kann dort auch nicht gewechselt, sondern muss ein anderer Weg gesucht werden. Fazit: „Tikal“ ist ein Spiel, das sich sowohl Familien mit Flair für taktische Spielereien als auch Freakspieler bedenkenlos zulegen können, befriedigen doch sowohl die Einsteiger-, als auch die Profiversion vollauf. Der Spielspass ist hoch, die Grafik und das Material sehr schön, womit auch der Preis in Ordnung ist. Meine Empfehlung: Unbedingt kaufen!
Verlag: Ravensburger, Autoren: Michael Kiesling und Wolfgang Kramer, Spieldauer: 90 Minuten, Spieler: 2 bis 4 Personen, Preis: rund 60 Franken
Mit freundlicher Genehmigung des Autors Christof Lampart im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -
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Tannenstrasse 40, CH-9010 St. Gallen. Update: 17.05.2000