"Tschach": Ein Inferno an Überraschungen
Wer schon immer Spass an Schach hatte, jedoch selten weiter als bis zur "ehrenvollen Niederlage" gelangte, der hat, Karpow hin, Kasparow her, nun endlich eine ziemlich reelle Möglichkeit, gestandenen Schachprofis den "Meister zu zeigen." Zu Dank verpflichtet sind die "ewigen Verlierer" Pierre Clequin und Bruno Faidutti, die zusammen mit dem Illustrator Mathieu ein Kartenspielchen herausgebracht haben, das schon so manchen Schachprofi an den Rand einer Niederlage getrieben hat. "Tschach" heisst das Wunderding, das aus der Zusammenarbeit der beiden Kleinverlage "Ludodélire" und "Heidelberger Spielverlag" entsprungen ist, und aus 51, im witzigen Comicstil gehaltenen Karten besteht.
Dem Glück etwas nachhelfen
Um "Tschach" spielen zu können, ist ein Schachbrett mit den dazugehörigen Figuren notwendig. Die beiden Spieler losen aus, wer anfangen darf. Weiss beginnt. Gezogen wird wie beim Schach. Doch bei "Tschach" setzen die Spielgötter nicht nur auf die strategischen Planungskünste der Kontrahenten, sondern sie helfen dem Glück ein wenig nach, indem sie raffinierte Karten ins Spiel bringen, von denen jeder Spieler zu Beginn drei erhält, die er nach jedem Ausspielen ergänzt. Die Karten enthalten eine ganze Reihe Anweisungen, die raffiniert-gemeiner Natur sind. Oberstes Ziel ist und bleibt es, den gegnerischen König matt zu setzen. Durch überlegten Ausspielen der Ereigniskarten können jedoch einzelne Regelelemente des Spieles variiert oder gar ausser Kraft gesetzt werden.
Von Kamikaze und Kannibalen
Ein Beispiel gefällig? So kann jemand nach getanem Zug die Karte "Kamikaze" ausspielen, auf welcher folgendes steht: "Da die Figur, die ich gerade gezogen haben, keine andere geschlagen hat, lasse ich sie jetzt explodieren. Sie sprengt damit sich selber und alle Figuren auf den acht umgebenden Feldern in die Luft. - so wird das Schlachtfeld übersichtlicher"... aber auch eine "Feuerpause" sowie weitere Karten, die "Kannibalismus", "Saufgelage" oder "Selbstverteidigung" anordnen, dürften manch einem Schachspieler die Schweissperlen auf die Stirn treiben. Da "Tschach" ein Spiel ist, das auf gelungene Weise Taktik- und Bluffelemente kombiniert, dürfte das Spiel sowohl bei herkömmlichen Schachspielern, als auch bei strategisch unbedarfteren Spielern seine Anhänger finden. Der günstige Preis dürfte das seine dazutun. Dennoch ist das Spiel nicht für jedermann empfehlenswert: Naturen, die nicht austeilen und einstecken können, sollten lieber ihre Finger davon lassen.
Damit das Ganze aber nicht zu einer reinen Kartenschlacht ausartet, bei der die Schachkünste gar keine Rolle mehr spielen, haben die Autoren drei Einschränkungen für den Kartengebrauch vorgesehen: a) Pro Spielzug darf jeder Spieler nur eine Karte spielen. Der Spieler kann somit maximal eine Karte während seines und eine Karte während des Zuges seines Gegners einsetzen. b) Die meisten Karten dürfen nur zu einem bestimmten Zeitpunkt eingesetzt werden, der auf der Karte angegeben ist, und c) eine Karte wird anulliert und abgelegt, wenn ihr Ausspielen direkt zu einer Schachmatt-Situation des gegnerischen Königs führen sollte.
Verlag: Ludodélire/Heidelberger Spieleverlag, Alter : ab 12 Jahren/Erwachsene, Spieldauer: 30 bis 60 Minuten, Anzahl: 2 Personen, Preis: rund 13 Franken
Mit freundlicher Genehmigung des Autors Christof Lampart im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -
© 1998 - Felsberger S & A Spiel & Art AG, Leimatstrasse 32, CH-9000 St. Gallen. Update: 08.03.1999