"Wucherer": Wenn die Bombe im eigenen Haus tickt

Welcher Mehrfamilienhaus-Besitzer sehnt sich nicht nach der Zeit zurück, wo die Wohnungen knapp und die Zahl der potentiellen Mieter gross war? Wer wieder einmal in den "guten alten Zeiten" schwelgen möchte, ist mit dem Kartenspiel "Wucherer" bestens bedient. Der Untertitel verrät denn auch, dass das Handeln der Spieler nicht gerade von ethischen Grundsätzen bestimmt wird: "Ist der Ruf erst ruiniert, vermietet sich’s ganz ungeniert!" Das Spielziel ist simpel: Wer die besten Mietshäuser erstellt und die zahlungskräftigste Klientel anlockt, sprich: am Schluss am meisten Geld hat, gewinnt. Eine Partie endet bei zwei bis vier Spielern eine Runde nachdem die letzte Karte vom Talon gezogen wurde. Mischen fünf bis sechs "Wucherer" mit, so wird der Abwurfstapel noch einmal gemischt und aufgebraucht. Danach dauert das Spiel noch eine Runde. "Wucherer" besteht aus 118, beidseitig bedruckten Spielkarten. Während vorne diverse Aktionen, Gestalten und Ausbauarten abgebildet sind, ist auf der Rückseite jeder Karte die Aussenansicht eines Stockwerkes zu sehen. Vor Beginn wird die Karte "Knast" aussortiert. Zudem erhält jeder Spieler ein "Dach" und fünf Karten vom Stapel sowie drei Einheiten "Deutsche Mietwährung" (DMW). Ein Spieler, der an die Reihe kommt, baut sich zuerst ein Haus, wobei Wohnblöcke mit bis zu sechs Etagen möglich sind. Zu guter Letzt kommt noch ein Dach drauf und schon kann eine Mietpartei – sofern man eine Mieterkarte auf der Hand hat - einziehen. Der Akademiker, zB., benötigt drei Stockwerke und zahlt 5 DMW. Nicht schlecht, also rein mit ihm! Anschliessend darf man Aktionen gegen eigene und fremde Mietobjekte und deren Bewohner ausführen. Danach darf man, wenn gewünscht, für das soeben eingenommene Geld Karten vom Stapel kaufen, bevor der nächste Spieler an die Reihe kommt. Vor allem bei den Aktionen "menschelt" es so richtig. Da wird gerne mal eine Bombe ins Haus des "Kollegen" gelegt, was den Abriss des Gebäudes ohne Umzug der Mieter zur Folge hat... Oder man betätigt sich als Rausschmeisser resp. hetzt die lieben Hausbesetzer in die Luxusvillen der Gegner... Klar, dass da die passende "Antwort" nicht ausbleibt. Doch wer es darauf anlegt, allen stets nur schaden zu wollen, der wird zumindest eines nicht schaffen, nämlich das Spiel zu gewinnen. Denn wenn alle plötzlich gegen einen spielen, sieht man auf einmal ganz alt aus. Es gilt bei diesem "gemeinen" Spiel stets den goldenen Mittelweg Kooperation und Aggression zu finden. Mein Tip: Wer comicartige Karten und eine pfiffige Spielidee mag und über eine hohe Frustrationstoleranz verfügt, der sollte sich "Wucherer" zulegen. Zartbesaitete Naturen sollten hingegen lieber die Finger davon lassen.

Verlag: Abacus, Autor: Friedemann Friese, Alter: ab 10 Jahren, Dauer: 20 Minuten, Anzahl: 2 bis 6 Personen, Preis: etwa 13 Franken


Mit freundlicher Genehmigung des Autors Christof Lampart im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -


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