Faites vos jeux erschienen in der Neue Zürcher Zeitung in LEBENSART
Schiebereien mit Viererreihen und ein Kreuzworträtsel mit Zahlen
tom. An der diesjährigen Spielwarenmesse in Nürnberg war auffallend, wie viele
abstrakte Denkspiele, meist für zwei Personen, präsentiert wurden. Taktische
Zweierspiele sind Dauerbrenner. Die bekanntesten historischen Spiele wie Schach, Go, Dame
oder Mühle entstammen diesem Genre. Auch viele neue abstrakte Zweierspiele
«Abalone» oder «Quarto» wurden schnell zu Klassikern. Einige dieser Spiele
gehören zum Besten, was das Kulturgut Spiel im Laufe der Geschichte hervorgebracht hat,
leider sind sie aber nicht jedermanns Sache. Sie haben nämlich oft den Nachteil, dass
jener Spieler, der sich intensiver mit dem Spiel befasst und mathematisch begabter ist,
auch meistens gewinnt. Jener, der verliert, tut dies oft in Serie und kommt sich
regelmässig relativ dumm vor, was bereits zu mancherlei unschönen Auseinandersetzungen
in Zweipersonen-Haushalten geführt haben soll.
Ein abstraktes Zweierdenkspiel hat es 1998 auf die Auswahlliste zum «Spiel des Jahres»
geschafft: «Gipf» von Kris Burm. Es wird mit je 15 weissen und schwarzen Steinen auf
einem netzartigen Spielfeld mit 37 Schnittpunkten gespielt. Jeder neue Stein muss dabei
von einem Ausgangspunkt ausserhalb des Bretts in das Spielfeld hineingeschoben werden, so
dass Spielsteine, die sich auf der gleichen Linie befinden, weiter geschoben werden. Ziel
ist es, die Steine des Gegners zu schlagen, bis er keine eigenen Steine mehr ins Spiel
bringen kann. Geschlagen wird, wenn es einem Spieler gelingt, vier eigene Steine in einer
Linie auf das Spielfeld zu bringen. Diese vier Steine kommen dann in die Reserve des
Spielenden zurück. Befinden sich gegnerische Steine auf der gleichen Linie wie der
«Vierer», gehen diese aus dem Spiel. So verschwinden dauernd Steine vom Brett und kommen
wieder zurück, was die Originalität von «Gipf» ausmacht.
Die Spielregel führt von einem Basis- über ein Standard- zum Turnier-Spiel. Im
Regelanhang kündet Autor Kris Burm zudem ein «Projekt Gipf» an, das eine ganze Gruppe
von verschiedenen Spielen umfassen soll, die auf der «Gipf»- Idee aufgebaut sind. Schon
«Gipf» allein hat jedoch das Potential zum Dauerbrenner. Wie wäre es etwa mit ersten
Schweizer Meisterschaften in der aargauischen Ortschaft Gipf-Oberfrick?
«Zatre» ist ein älteres Spiel, das bereits 1993 auf der deutschen Auswahlliste zum
Spiel des Jahres stand. Dieses Jahr gewann es den französischen Spielepreis «Super As
d'Or». Im Gegensatz zu vielen anderen Denkspielen ist es mit bis zu 6 Teilnehmern
spielbar. Der Berliner Manfred Schüling hat es auf einem «Scrabble»-Spielbrett
erfunden. Bereits 1990 tauchte es in der Berliner Kneipenszene auf. Statt Buchstaben wie
bei «Scrabble» werden bei «Zatre» Zahlensteine mit den Werten 1 bis 6 auf die Felder
gelegt. Der Name ist eine Abkürzung für «Zahlentreppe».
Zwei quadratische Steine mit Würfelaugen, die aus einem Sack gezogen werden, müssen bei
diesem Zahlen-Kreuzworträtsel jeweils zu Reihen auf das Brett gelegt werden. Dabei
punktet man aber nur mit Reihen, die eine Augensumme von 10, 11 oder 12 aufweisen.
Zehnerreihen geben einen Punkt, Elferreihen zwei Punkte und Zwölferreihen 4 Punkte. Wie
bei «Scrabble» gibt es auch Spezialfelder, die «Doppeltreppchenfelder». Belegt ein
Spieler mit einem Stein ein solches Feld, muss er damit eine neue Zehner-, Elfer- oder
Zwölferreihe erzielen. Das Ganze ist sehr einfach zu begreifen. Die der Packung
beigegebene Spielregel widmet sich denn auch zum grösseren Teil dem richtigen Notieren
der Punkte in einen Wertungsblock als dem eigentlichen Spiel.
«Zatre» ist mittlerweile eines jener Spiele, bei denen regelmässig internationale
Turniere und Schweizer Meisterschaften durchgeführt werden. Es gibt sogar eine
Weltrangliste. Beim nächsten Open-Turnier im April 1999 auf Mallorca kann man zudem 10
000 US-$ Preisgeld gewinnen.
«Zatre», Denkspiel von Manfred Schüling für 2 bis 6 Personen ab 8 Jahren. Verlag: Perner Publishing Group (Peri). Spieldauer einer Partie: 45 bis 60 Minuten. Preis etwa 49 Franken. Auch als Computerspiel erhältlich. Internet: www.perner.com
«Gipf», Denkspiel von Kris Burm für 2 Personen ab 8 Jahren. Verlag: Schmidt International. Spieldauer einer Partie: etwa 45 Minuten. Preis: etwa 35 Franken. Internet: www.gipf.com
Mit freundlicher Genehmigung des Autors Thomas Felber im toy-net.ch. - Weitere Spielebesprechungen -
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