Schweizer Spielmesse
Internationale Messe für Spiele, Spielwaren, Modellbau und kreatives Gestalten 

St.Gallen, 19. - 23. November 2003

         


Trendy an der Schweizer Spielmesse:

Kindgerecht in allen Facetten

Wie durch ein „Weihnachtswünsche-Wunderland" lässt sich an der Schweizer Spielmesse in St.Gallen wandern: Der neue Zeitpunkt vom 19. bis 23. November ist näher an den wichtigsten Termin der Spielwarenbranche gerückt. Gut für die Aussteller, noch besser für die Besucher, die sich von den aktuellen Trends ein umfassendes Bild machen können.

Die kindliche Kreativität ist das Kapital unserer Zukunft. Computerspiele und Spielkonsolen, die in den vergangenen Jahren im Zentrum der veröffentlichten Meinung standen, konnten dem klassischen Spielzeug nicht wirklich etwas anhaben. Wie anderswo gibt es auch beim Spielen Auf und Abs – in diesem Jahr erlebt nun das Konstruktionsspielzeug eine Renaissance. Neue innovative Systeme, wie etwa Verbindungsteile aus Magneten, rittern mit traditionellen Marken um die Gunst der kleinen Baukünstler und angehenden Techniker.

Wie funktioniert ein elektrischer Stromkreis? Wie eine Ampel? Kinder wollen es wieder selbst herausfinden und sich Wissen nicht „nur" über Compi und Internet aneignen. Der neue Baukasten „E-Tec" von Fischertechnik ist ein gutes Beispiel dafür, wie bei Kindern die Lust aufs Experimentieren geweckt wird. Von Grund auf lernen sie verstehen, wie das eigentlich ist mit Elektrik und Elektronik. Bei „Feuer und Flamme" darf gezündelt werden - aber im sicheren Rahmen eines neuen Chemie-Experimentierkastens von Kosmos. Dass diese Spielzeuggattung keineswegs nur für Buben ist, belegt das „Parfüm-Labor" aus dem gleichen Verlag, mit dem Mädchen an die 60 Duftvariationen aus hochwertigen Ölen kreieren können. Die Schweizer Spielmesse deckt das breite Spektrum an Bau- und Experimentierkästen ab. Mit ihnen werden bereits Fünfjährige spielerisch an die Gesetze und Geheimnisse der Naturwissenschaften herangeführt.

Ebenfalls in die Kategorie Bauen und freies Gestalten gehört „TiP", das einen wahren Siegeszug durch die Kinderzimmer und Kindergärten angetreten hat: Aus Mais als Basismaterial hergestellt, braucht es für die kleinen formbaren und kunterbunten Teile lediglich ein feuchtes Tuch, um sie miteinander zu verbinden. Am „TiP"-Stand in St.Gallen wird auch heuer wieder Gedränge herrschen, wenn die Kleinen mit ihren Kreationen wetteifern.

Im Bereich der Spiele legen seit einigen Jahren vor allem die Kinderspiele zu. Auch dieser Trend belegt, dass tradierte Spielprinzipe neben GameBoy & Co. ihren unverrückbaren Platz haben. Gemeinsamer Spielspass lässt sich eben am besten auf diese Art erleben. Im Fokus steht die Verfolgungsjagd „Viva Topo!" (Selecta), das „Kinderspiel des Jahres", von dem Fachhändler Peter Moll schwärmt: „So früh wie dieses Jahr hat sich noch kein Kinderspiel-Renner abgezeichnet." Die kleinen Mäuse aus Holz und Filz sind einfach so herzig, dass man auch als Erwachsener sie am liebsten als Talisman in die Tasche stecken möchte. Der Ideenreichtum der Kinderspieleautoren scheint grenzenlos wie noch nie: In der Palette der aktuellen Kinderspiele, die in St.Gallen ausprobiert werden kann, findet man praktisch jeden Lebensbereich kindgerecht abgebildet. Und da die Kinder die grössten Tierliebhaber sind, bleibt praktisch kaum eine Tierart vom Angebot ausgeschlossen.

Bei den Spielen unterstreicht die Schweizer Spielmesse einmal mehr seine Kompetenz: „Wir werden die ganze Vielfalt der Herbstneuheiten zum Spielen in St.Gallen haben", sagt Co-Veranstalter Jürg Bühler von der Felsberger AG, „allein von kleinen und kleinsten Verlagen wird es ein repräsentativer Querschnitt von rund 50 Titeln sein, die sonst nur schwer oder gar nicht in der Schweiz erhältlich sind." Damit kommen auch die Spielefreaks wieder voll auf ihre Kosten. Eine Nische bedient beispielsweise auch der Bieler Spezialist Alain Egger von Delirium Ludens, der Kinder- und Familienspiele aus Frankreich mit eigener Übersetzung in St.Gallen anbietet.

„Der Palast von Alhambra" (Queen Games) ist der Name des aktuellen „Spiel des Jahres", das wie viele andere zu einem überaus attraktiven Preis in St.Gallen angeboten wird. Es ist ein Vertreter der Kategorie Familienspiele. Auch hier machen sich Innovationen breit: Mit Spannung wird der Auftritt von „King Arthur" (Ravensburger) erwartet – es ist das weltweit erste Brettspiel mit elektronischer Intelligenz. Ein kleiner Computerchip merkt sich, wie die Spieler agieren, ob aggressiv oder zögerlich, ob sie sich in der mittelalterlichen Aura ritterlich oder eher rücksichtslos verhalten. Zauberer Merlin belohnt die Spielweise entsprechend mit seinen Kommentaren und Punktegewinn oder zieht sie mit Punkteentzug zur Rechenschaft.

Nie aus der Mode gekommen sind Puzzles. Ravensburger präsentiert in der Schweiz erstmals in St.Gallen sein komplettes Sortiment an Puzzles von 500 bis 18'240 Teilen. Mit einem Gewinnspiel verbunden ist ein Wettbewerb, bei dem die Messebesucher bestimmen, welches von vier Schweizer Motiven im kommenden Frühling innerhalb des neuen „Swiss Collection-Puzzle" auf den Markt kommt.

Nicht immer sind es die marktschreierisch angebotenen Spielideen, die sich besonderer Beliebtheit erfreuen, sondern kleine, unscheinbare. Sie gibt es auch in diesem Jahr in St.Gallen in grosser Zahl. Die Besucher der Schweizer Spielmesse haben beispielsweise in der Vergangenheit durch Mundpropaganda zur Verbreitung des Kartenspiels „Ligretto" beigetragen oder konnten sicher sein, hier auch das Denk- und Schiebespiel „Rushhour" zu finden. Nach dem Erfolg von „Blokus" im Vorjahr könnte in St.Gallen mit dem Logikspiel-Trainer „Meta-Forma" (Foxmind) ein vergleichbarer Hit werden: Ganz unüblich schaffte es hier der Importeur, von Beginn an eine eigene zweisprachige Ausgabe für die Schweiz durchzusetzen.

Eine Schweizer Domäne für sich ist der Modelleisenbahn-Bereich, der an der Spielmesse in St.Gallen traditionell gut gepflegt wird. „Es gibt Highlights in allen Spuren", macht Fachhändler Hans-Peter Roth neugierig und pickt als Beispiel die Re 6/6 heraus, eine Schweizer E-Lok für die Spur N: „Diese Neuauflage wird sicher ein Renner!", ist seine Überzeugung. Die Eisenbahn-Begeisterung packt bereits die jüngsten Besucher, natürlich mit adäquaten Materialien. Brio trumpft mit einer batteriebetriebenen Hochbahn aus Holz, dem so genannten Skytrain, sowie mit Licht- und Sound-Effekten bei seinen Neuheiten auf.

Holz ist im Kinderspielbereich überhaupt verstärkt ein Thema: „90 Prozent wird heute in Thailand gemacht, weil Europa preislich nicht mehr mithalten kann, und weil dank neuer Verfahren auch die Qualität absolut top ist, läuft das Geschäft wieder", erklärt Beni Zeugin von Spielba. „Wichtig ist, dass Preis- und Leistung übereinstimmen. Das Spielzeug darf nicht gleich kaputt sein und die Ergänzbarkeit muss gegeben sein, etwa bei den Spielburgen, die stark nachgefragt werden."

Freilich hätten sich auch beim Holzspielzeug die Messlatten verschoben, berichtet Zeugin: „Die Budgets der Familien sind nicht mehr so gross. Ein Renner kostet heute um die 100 Franken, früher waren es noch 200. Dafür ist die Schweiz in der glücklichen Lage: Bei uns spielen die Kinder noch miteinander!"

An der Schweizer Spielmesse in St. Gallen vom 19. bis 23. November können sich Jung und Alt davon überzeugen.

Arno Miller, Der Autor ist Freier Journalist und Herausgeber eine Spielefachzeitschrift


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